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„Unwürdige Posse“

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Von: Boris Schlepper

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Der Vorplatz des Bahnhofs soll nach dem Ehepaar Schindler benannt werden.
Der Vorplatz des Bahnhofs soll nach dem Ehepaar Schindler benannt werden. © Oeser

BFF im Ortsbeirat kritisiert Debatte um Benennung des Bahnhofsvorplatzes. Die Fläche soll künftig nach dem Ehepaar Emilie und Oskar Schindler benannt werden.

Die Debatte um die Umbenennung des Vorplatzes des Hauptbahnhofs nach Emilie und Oskar Schindler geht weiter. Die Bürger für Frankfurt (BFF) im Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleut, Innenstadt) kritisieren das Verhalten der anderen Fraktionen des Stadtteilparlaments in der jüngsten Sitzung. Die Diskussion um die beiden interfraktionellen Anträge zur Benennung des Areals sei eine „unwürdige Posse“ und ramponiere das Gedenken an das Ehepaar, teilt die BFF mit.

Der Ortsbeirat hatte wie berichtet zwei Anträge auf den Weg gebracht, um mit der Benennung des Bahnhofvorplatzes das Ehepaar Schindler zu würdigen, das im Zweiten Weltkrieg mehr als tausend Jüdinnen und Juden vor der Ermordung durch die Nazis bewahrt hatte. Die Vorlagen waren bei einem interfraktionellen Treffen formuliert worden; alle anwesenden Fraktionen waren als Antragsteller mitaufgenommen worden, auch die BFF.

In der Sitzung vor einer Woche wurde dies zunächst von Hanna Große Vorholt (Ökolinx) kritisiert. Da die BFF „rassistische und antisemitische Meinungen vertrete“, dürfe der Ortsbeirat nicht mit ihr kooperieren. Die anderen Fraktionen sahen indes keine Möglichkeit, den Antrag ohne die Wählergemeinschaft zu stellen. Sie formulierten eine Protokollerklärung, in der sie ihr Bedauern ausdrückten, dass die BFF, die „rechtsextremes Gedankengut vertritt“, auch Antragsteller geworden ist.

Die Aussage von Große Vorholt verwundere ihn nicht, teilt Andreas Eberbach, BFF-Vertreter im Ortsbeirat 1, mit. Diese sei aber „in keiner Weise belegt“. Dass jedoch die anderen Parteien in der Protokollerklärung „die infame Behauptung“ aufstellten, die BFF vertrete „rechtsextremes Gedankengut“, schlage dem Fass den Boden aus. Eberbach war nicht in der jüngsten Sitzung zugegen. Das Gremium hätte die beiden Anträge zurückstellen und das Gespräch mit ihm suchen können, findet er. Stattdessen habe man in seiner Abwesenheit Schmutz über die BFF und damit auch über ihn ausgegossen.

Eberbach verweist unter anderem darauf, dass seine Ehefrau eine Migrationsgeschichte habe. Seine Großmutter habe zudem jüdische Mitbürger vor den Nazis versteckt. Als sie erwischt wurde, sei sie zur Strafe zum Frontdienst gezwungen worden. Unerklärlich ist für den Vorsitzende der BFF, Mathias Pfeiffer, dass CDU und FDP im Ortsbeirat die Protokollerklärung mitverabschiedet haben. Die beiden Fraktionen stellten damit die BFF und „auch deren demokratisch gewählten Vertreter im Ortsbeirat in eine Ecke stellen, wo sie überhaupt nicht verortet sind“. Die BFF werde prüfen, ob die „Diffamierung“ in der Protokollerklärung justitiabel ist.

Hanna Große Vorholt hatte nachträglich eine eigene Protokollerklärung abgegeben. Darin schreibt sie, dass sie mit Gruppen und Personen, die rassistische und antisemitische Meinungen vertreten, nicht kooperiere – und damit auch nicht mit der BFF. Der gemeinsame Antrag der anderen Fraktionen mit der BFF sei dem wichtigen Schritt, das Ehepaar Schindler zu ehren, nicht angemessen und zu verurteilen.

Die Grünen hatten angekündigt, künftig keine gemeinsamen Anträge mehr mit der BFF stellen zu wollen.

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