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Norbert Born, Dietmar Schäfer, Marcel Loge und Evelyne Wichter (v.l.) wollen ihre Gärten am Homburger Damm behalten. Foto: Michael Schick
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Norbert Born, Dietmar Schäfer, Marcel Loge und Evelyne Wichter (v.l.) wollen ihre Gärten am Homburger Damm behalten.

Gallus

Frankfurt Gallus: Tunnel statt Kleingärten? Streit um Anlage an Frankenallee

Frankfurt beansprucht die Fläche für einen neuen Rad- und Gehwegtunnel am Homburger Damm. Die Gärten müssten dann weichen.

Frankfurt - Seit 33 Jahren pflegt Norbert Born eine 296 Quadratmeter große Gartenfläche der Stadt Frankfurt. Nun wurde ihm der Pachtvertrag zum 31. Oktober 2021 gekündigt. Bis dahin muss er die Fläche geräumt haben, auf der er es sich mit Gartenhäuschen, Swimmingpool und Sitzbänken gemütlich gemacht hat. „Es wird ein Teil unseres Lebens und unserer Lebensqualität weggenommen“, klagt der Pächter. Neben Borns Kleingarten gibt es noch sechs weitere Parzellen, die von Menschen aus dem Gallus gepflegt werden. Sie liegen westlich der Bahntrasse Homburger Damm an der Frankenallee. Alle sieben Gärten wurden bis diesen Herbst gekündigt.

Die Stadt benötigt die Fläche für Bauarbeiten. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Bahnüberführung mit Erde zugeschüttet und trennt die Frankenallee in zwei Teile. Wer zu Fuß unterwegs ist oder Rad fährt, muss einen Umweg über die Mainzer Landstraße nehmen. Nun will die Stadt den Damm durchbrechen und einen Tunnel für einen durchgängigen Geh- und Radweg anlegen. Das Vorhaben ist seit rund zehn Jahren im Gespräch und hat schon früher zu einem Interessenskonflikt zwischen Stadtplanung und den Pächterinnen und Pächtern der Kleingärten geführt. Mehrere Jahre tat sich nichts und die Parzellen blieben unberührt.

Frankfurt: Pacht von Kleingärten im Gallus plötzlich gekündigt

Nun wurden die Gärten für die Pachtenden völlig überraschend gekündigt. Das ist so ohne Weiteres möglich, da die Fläche am Homburger Damm als Grabeland gilt. Das heißt, sie wird nur temporär verpachtet und kann laut Bundeskleingartengesetz jährlich gekündigt werden.

Geplante Arbeiten am Homburger Damm

Unter der Bahnüberführung soll ein sechs Meter breiter und 34 Meter langer Tunnel entstehen, der zu Fuß oder mit dem Rad genutzt werden kann. Im Freien wird der drei Meter breite Geh- und Radweg durch die Fläche der ehemaligen Kleingärten führen. Aktuell besteht dort bereits ein sieben Meter breiter Weg.

Im Herbst 2021 sollen erste Leitungen für die Bauarbeiten verlegt werden. Für Herbst 2023 ist eine einwöchige Vollsperrung der Strecke geplant und Ende 2024 sollen die Arbeiten beendet sein. Insgesamt sind für das Projekt rund 17 Millionen Euro eingeplant. prfb

Zwischen der Bahntrasse und den Kleingärten ist eine 50 Meter breite Brachfläche. Sie wurde bereits 2012 vermessen. Für die Baustelle selbst sei das Grundstück ausreichend groß, lediglich die hintersten beiden Gärten müssten zu rund 50 Prozent beansprucht werden, hieß es damals. Dass nun alle sieben Gärten gekündigt wurden, trifft auf Unverständnis. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, sagt Anwohnerin Rosemarie Arndt, die die Gärtner:innen seit Jahren kennt.

Auch der BUND hat sich nun eingeschaltet. Vorstandsmitglied Wolf-Rüdiger Hansen ist entsetzt über das Vorgehen der Stadt. „Gerade in Zeiten des Klimawandels sollte die Stadt darauf achten, so artenreiche Biotope zu erhalten.“ Die Gärten böten vielen verschiedenen Insekten und Vogelarten ein Zuhause. Außerdem hat die Naturschutzorganisation geschützte Arten wie Mauer- und Zauneidechsen, Fledermäuse und Eichhörnchen gesichtet. „Es ist fraglich, ob ihr dortiger Lebensraum erhalten bliebe, wenn die Gärten durch Wiese ersetzt würden“, so Hansen. Denn nachdem die Gärten entfernt werden, soll an der Stelle eine öffentliche Grünfläche entstehen.

Frankfurt will beim Bau „größtmögliche Rücksicht“ nehmen

Michaela Kraft, Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung, teilt mit, man prüfe aktuell, inwieweit bestehende Bäume erhalten werden können. Die Stadt lege in jedem Fall Wert darauf, die ansässigen geschützten Arten zu berücksichtigen. Die Pläne für die Fläche seien mit dem Grünflächenamt und dem Umweltamt der Stadt Frankfurt abgestimmt.

Andreas Laeuen, der für die Grünen im Ortsbeirat 1 sitzt, befürchtet eine „08/15-Pflege“ der Grünanlage, die statt der Gärten entstehen soll. Bereits im Juni sagte er, die Stadt müsse bei der Einrichtung der Baustelle „größtmögliche Rücksicht“ auf die wertvollen Grünflächen nehmen.

Der Ortsbeirat 1 hält das Projekt mehrheitlich für nötig. Auch die Gärtnerinnen und Gärtner zweifeln nicht am Sinn des geplanten Rad- und Gehwegs. Sie sind jedoch überzeugt, dass die Durchführung mit dem Bestehen ihrer Gärten vereinbar wäre. Nun hoffen sie auf eine Verlängerung ihrer Kündigungsfrist, und fordern eine erneute unabhängige Bewertung der Situation. (KIKI BRUDER)

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