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Kai Wolf, künstlerischer Leiter der Bildhauerwerkstatt Gallus, schaut beim Schweißen zu.

Ausstellungen in Frankfurt

Straffällige Jugendliche stellen Kunstobjekte aus

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In der Bildhauerwerkstatt. im Frankfurter Gallus zeigen straffällige Jugendliche ihre Arbeiten. Der Erlös aus dem Verkauf geht an die Einrichtung.

Die Kanten am Fuß der Schachfigur sind bereits fertig, zum Kopf hin verjüngt sich das helle Holz der Birke und eine feingearbeitete Wölbung deutet die spätere Krone der Dame an. „Ich arbeite sehr gerne mit Holz“, erklärt Emil. „Es lässt sich präziser bearbeiten als Metall oder Stein.“

Emil arbeitet nun seit drei Wochen an der Drechselbank in der Bildhauerwerkstatt im Gallus. Wie viele andere straffällige Jugendliche bearbeitet Emil im Rahmen seiner gemeinnützigen Arbeitsstunden Holz, Metall und Stein zu künstlerischen Objekten.

Bevor er das Holz bearbeiten kann, muss er es entrinden und die Unwucht herausarbeiten. „Die Werkstücke sind nicht an allen Stellen gleich. Aufgrund der Proportionen und Astlöcher wiegt das Material unterschiedlich.“ Die Birke wird in die Drechselmaschine gespannt, eine Metallschiene parallel zum Werkstück hin ausgerichtet. Der Beitel wird auf diese Schiene aufgelegt und ein sanfter Druck auf das sich drehende Werkstück ausgeübt. Es wird solange bearbeitet, bis es gleichmäßig ist.

„An dieser Birke erkennen wir an der dunklen Maserung, dass es sich um eine aufgestockte Birke handelt,“ erklärt Kai Wolf, künstlerischer Leiter der Bildhauerwerkstatt. „Der Baumstamm zieht Wasser und es bildet sich ein Pilz im Holz.“ Wenn der Baum gefällt und das Holz getrocknet wird, ist die sonst helle Birke an manchen Stellen von einer dunklen Färbung. „Ein Effekt, der bei vielen beliebt ist“, erklärt Wolf.

Er organisiert die Materialien: Kalk, Basaltlava, Marmor, Sandstein und seltener Granit werden bestellt. Die Hölzer von Eibe, Mammutbaum, Rotbuche und Olive sammelt Wolf auf Kompostanlagen. Eisen für Schweiß- und Schmiedearbeiten werden auf dem Schrottplatz gesammelt. „Die Jugendlichen arbeiten mit Metall am liebsten. Da können sie schweißen und schmieden und über offenem Feuer arbeiten.“ Beliebt sind auch arbeiten mit Holz oder eine Kombination aus beidem.

Die Besucher schlendern durch die Arbeits- und die Ausstellungshalle, wärmen sich an Tee und Waffeln, die gegen eine kleine Spende zu haben sind. Sie schreiten vorbei an einem aus rostigem Metall zusammengeschweißten menschengroßen Tyrannosaurus mit Schlüsseln als Zähnen und Schrauben als Klauen, an einem Spinosaurus und an Flugsauriern. „Die Erlöse für die Skulpturen fließen zurück an die Bildhauerwerkstatt“, berichtet die pädagogische Leiterin Petra Väth. Damit werden Kosten für Miete, Material und Personal gedeckt. Die Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim Gallus ist als Jugendhilfe freier Träger der Bildhauerwerkstatt. Sie wird zwar vom Sozialamt gefördert, aber nicht zu 100 Prozent. Väth findet es gut, dass die Jugendlichen Erfahrungen mit dem Material und den Kunsttechniken sammeln können: „Sie können zeigen, dass es möglich ist, trotz Fehltritten weiter Fähigkeiten und Kompetenzen zu erwerben, Ideen zu haben und Werte zu schaffen.“

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