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Pfützenlauf im Europagarten

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Von: Boris Schlepper

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Der Europagarten im Europaviertel ist nach jahrelanger Schließung endllich geöffnet - doch einiges liegt im Argen.
Der Europagarten im Europaviertel ist nach jahrelanger Schließung endllich geöffnet - doch einiges liegt im Argen. © Renate Hoyer

Kaum ist der Europagarten geöffnet, hagelt es Kritik. Anwohnerinnen und Anwohner klagen über matschige Wiesen und verdreckte Brunnen. Der Ortsbeirat will von der Stadt wissen, ob sie das Areal noch umgestalten will.

Wenn Monika Marold (Name von der Redaktion geändert) mit ihrem Pudel in den Europagarten geht, weiß sie, dass hinterher wieder ein Abstecher ins Bad nötig wird. Denn überall auf der vier Hektar großen Anlage gibt es sehr große Pfützen, auch wenn es nicht gerade geregnet hat. Zur Freude ihres Hundes, den sie anschließend jedes Mal in die Badewanne stecken muss.

Dabei freut sich Marold selbst, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, dass die Grünanlage kurz vor Weihnachten endlich für die Öffentlichkeit freigegeben worden ist. Als sie vor vier Jahren in das Europaviertel gezogen ist, sei der Park zwischen Pariser und Niedernhausener Straße einer der Gründe für ihre Wahl gewesen. Die vergangenen Jahre war er aber hinter einem Bauzaun verborgen, „man kam sich vor wie im Knast“. Und jetzt sei die Anlage in einem armseligen Zustand. Die Wiese sei so matschig, „das ist bald nur noch ein Acker“.

Eine ähnliche Kritik äußert Anwohnerin Evgenia Wiser. Sie freut sich einerseits, dass sie jetzt für ihre zwei kleinen Kindern einen Park direkt vor der Haustüre hat. Doch sei die Anlage alles andere als schön. Nur einmal war sie kurz nach der Eröffnung mit ihrem dreijähriger Sohn auf der Wiese spielen. Anschließend sei er völlig verdreckt gewesen. Viele Bäume seien krank, und in den drei Brunnen sammele sich der Abfall. „Vielleicht kann man ja im Sommer da planschen“, hofft die Mutter, die seit 2018 im Quartier lebt.

Wie es mit der Europagarten weitergeht, ist bislang unklar. Mitte Dezember öffnete die Stadt unerwartet die Anlage. Wie berichtet hat sich die Kommune mit der Firma August Fichter und der Aurelis Real Estate auf einen außergerichtlichen Vergleich für den Garten geeinigt, der wegen mutmaßlicher Fehler bei der Anlage der Grünfläche gesperrt war. Der Vergleich sieht vor, dass die Stadt den Park übernimmt und für die Öffentlichkeit freigibt.

Mit dem nun zugänglichen Europagarten sind nicht nur Anwohnerinnen und Anwohner unzufrieden. Auch aus dem Ortsbeirat gibt es Kritik – und vor allem Fragen. Sechs Anträge von vier Fraktionen stehen für die Sitzung am kommenden Dienstag auf der Tagesordnung. Die CDU fragt in drei Vorlagen etwa nach den Hintergründen des Vergleichs, den die Stadt getroffen hat. Sie will wissen, wie es mit dem Garten weitergeht, wer die Pflege übernimmt und was aus den drei brachliegenden Brunnen wird.

Viele Menschen seien verwundert, dass die Anlage „klammheimlich mitten im Winter“ freigegeben worden sei, sagt CDU-Fraktionschefin Sara Steinhardt. Stets habe es geheißen, es sei nicht möglich, den Park etwa temporär zu öffnen, da zunächst Schäden behoben werden müssten. Und jetzt zeige sich, dass nichts repariert worden sei. Sie befürchtet, dass der Garten bereits im kommenden Sommer wieder geschlossen werde.

Ähnliche Sorgen hat die SPD im Ortsbeirat. Sie fragt in einem Antrag, wie es um die Pflanzen im Europagarten steht, ob die Stadt die Anlage umgestalten will und eine baldige Sanierung ansteht. Die FDP bedauert, dass nicht alle Mängel vor der Eröffnung behoben worden sind. Derzeit gebe es „tiefe, große Löcher, die man bei Dunkelheit übersehen kann“.

Die Partei bringt noch einmal die Idee ein, Schafe auf einem Teil der Fläche des Europagartens grasen zu lassen. Schon andere Fraktionen hatte diese Forderung in der Vergangenheit gestellt. Der Magistrat hatte den Wunsch vor zwei Jahren zurückgewiesen, da die Anlage zu klein sei und die Tiere den Boden verdichteten.

Das Umweltdezernat wollte sich auf Anfrage nicht zum Europagarten äußern und verweist auf die Sitzung des Ortsbeirats 1 am Dienstag. Vertreter:innen des Grünflächenamts werden zugegen sein, und Fragen beantworten, sagt Referentin Susanne Schierwater. Ursprünglich sollte nur über den Entwurf zur Grünfläche West gesprochen werden. Doch wegen des großen Interesses werde nun auch der Europagarten behandelt.

Der Ortsbeirat 1 tagt am Dienstag, 24. Januar, 19 Uhr, im Römer, Sitzungssaal „Haus Silberberg“ (Besuchereingang: Bethmannstraße 3).

Nach Starkregen sammelt sich das Wasser auf den Wiesen des Europagartens.
Nach Starkregen sammelt sich das Wasser auf den Wiesen des Europagartens. © Renate Hoyer

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