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Von: Boris Schlepper

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So könnte der Neubau von Lidl an der Mainzer Landstraße einmal aussehen. Bild: Lidl
So könnte der Neubau von Lidl an der Mainzer Landstraße einmal aussehen. Bild: Lidl © Lidl

Der Discounter Lidl will seine Filiale an der Mainzer Landstraße durch einen Neubau ersetzen. Die Grünen im Ortsbeirat 1 fordern einen nachhaltigeren Bau und mehr Pflanzen.

Der Lidl-Discounter an der Mainzer Landstraße soll modernisiert werden. Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Neckarsulm plant, gemeinsam mit der ABG Frankfurt Holding auf dem Grundstück unweit der Friedrich-Ebert-Siedlung eine größere und modernere Filiale mit insgesamt mehr als 100 Wohnungen zu errichten. Im zuständigen Ortsbeirat 1 stößt das Projekt nicht nur auf Zustimmung.

„Aktuell befinden wir uns noch in der Planungsphase und stimmen uns eng mit der Stadtverwaltung zur genauen Ausführung ab“, teilt Kim Gänz, Leiterin des Lidl-Immobilienbüros Rhein-Main, mit. Vorgesehen sei, im geplanten Gebäude an der Mainzer Landstraße die Filiale mit einer Verkaufsfläche von rund 1400 Quadratmetern im Erdgeschoss unterzubringen – etwa 400 Quadratmeter größer als momentan. In den fünf Etagen über dem Discounter sind Wohnungen geplant, so Gänz. Ob sie vermeitet oder verkauft werden, teilte sie nicht mit.

Die rund 90 Kundenparkplätze sollen im Hof sowie in der Tiefgarage entstehen, aus der die Kunden über eine Rollsteige in die Filiale gelangen. Für den Neubau setze Lidl „auf eine umweltfreundliche Technik und eine ökologische Bauweise“, so Gänz. „Dazu wollen wir unter anderem auf dem Dach der Gebäude eine Photovoltaikanlage installieren.“ Die übrige Dachfläche werde begrünt, auf dem Parkflächen Bäume und Sträucher gepflanzt.

Entlang der Lahnstraße ist ein reines Wohngebäude mit sieben Etagen vorgesehen. Dort plant die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG 63 Wohnungen, sagt ABG-Chef Frank Junker.

Bislang habe Lidl das Grundstück aber noch nicht an die ABG übertragen, so Junker. Auch seien die Abstimmungen mit der Stadt durch das Unternehmen noch nicht beendet.

Bereits seit Jahren ist die Stadt mit Lidl im Gespräch über das Projekt, sagt Mark Gellert vom Planungsdezernat. Da es „kein eindeutiges Planungsrecht“ gebe, sondern nur alte Fluchtlinienpläne, habe die Kommune keinen großen Spielraum auf das Vorhaben einzuwirken. Sie fordere aber eine „gescheite Außengestaltung“. Die derzeitige Planung sei nicht ausreichend. Prinzipiell sei es zu begrüßen, dass der Markt umgebaut wird. Die Fläche sei zu kostbar für einen eingeschossigen Supermarkt und einen riesigen Parkplatz.

Zustimmung komme auch aus dem Ortsbeirat 1, dem das Projekt vor kurzem von Lidl vorgestellt worden ist, sagt Ortsvorsteher Michael Weber (CDU). „Wohnraum wird dringend benötigt.“ Positiv sei, dass es Zusagen gebe, dass die Wohnungen günstig vermietet werden und Sozialwohnungen entstehen. Dass das Objekt weniger Grün werde, als von manchen gefordert, sei ein Kompromiss, mit dem er leben könne: „Wir wollen, dass es da endlich vorangeht.“ Auch werde keine neue Fläche versiegelt, „im Gegenteil“, so Weber, „es wird mehr Grün geben“. Mehr Bäume als bislang würden gesetzt, auch sollen die Flachdächer extensiv begrünt werden.

Den Grünen im Ortsbeirat 1 geht das nicht weit genug. „Wir fordern eine Überdeckelung der Parkplätze und die Schaffung eines attraktiven, nutzbaren und klimafreundlichen Dachgartens mit Sträuchern und kleinen Bäumen“, sagt Fraktionssprecher Alexander Mitsch. Dort sollen Kinder spielen, Bewohner:innen gärtnern und Insekten summen. Die Vorgaben und Satzungen der Stadt sehen das bereits vor. Aldi und Rewe hätten dies gegenüber der Mainzer bereits vor Jahren beispielhaft vorgemacht.

Dazu müsste der Discounter aber seine Planungen anpassen, so Mitsch, „wozu wir leider bei Lidl keine prinzipielle Bereitschaft erkennen können“. Dem Unternehmen schienen die eigenen Interessen und schnelles Bauen wichtiger zu sein als die „der Anwohnenden und der zwingend notwendige Klimaschutz“. In einem Antrag haben die Grünen eine Reihe von Forderungen für das Projekt gestellt. Etwa, dass das Gebäude mindestens im Passivhausstandard gebaut wird und möglichst nachhaltige Baustoffe zum Einsatz kommen. Über die Vorlage wird in der Sitzung am Dienstag beraten.

Der Ortsbeirat 1 tagt am Dienstag, 28. Juni, 19.30 Uhr im Cronstetten-Haus, (Zugang über die Gartenpforte vom Bachforellenweg). In der Sitzung werden Vertreter:innen des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach über das Projekt auf dem Areal der Matthäuskirche berichten.

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