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Der zum Mehrgenerationenhaus gehörende Gallus-Garten wurde 2019 ausgezeichnet.  

Gallus

Lösung finden für das Mehrgenerationenhaus im Gallus

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Das Gebäude wurde verkauft, noch wurde der Mietvertrag nicht verlängert. Der Eigentümer sagt, die soziale Nutzung des Gebäudes nicht aufgeben zu wollen.

Im Januar 2019 wurde das Gebäude in der Idsteiner Straße 91 verkauft. In dem Haus aus den 1930ern hat das Mehrgenerationenhaus (MGH) Gallus seit zwölf Jahren seinen Sitz. Neuer Eigentümer ist die Immobiliengruppe Instone Real Estate. Die Stadt hatte versucht die Immobilie zu erwerben, ohne Erfolg. Nicht nur die Mitarbeiter sorgten sich nun, ob die Einrichtung bleiben darf. SPD, Grüne und CDU im Römer stellten eine Anfrage, ob die Stadt etwas unternehme, das Haus zu erhalten.

Seit 2007 wächst in der ehemaligen Braunfabrik das Mehrgenerationenhaus. Damals zog der Trägerverein „Kinder im Zentrum Gallus“ ein. Dieser setzt sich bereits seit 45 Jahren im Gallus für Integration, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ein. Die Angebote und Aktivitäten sind vielfältig: In der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) gibt es Bildungsangebote, einen Mittagstisch und Hausaufgabenhilfe. Die Sprach- und Musik-Kita betreut derzeit 120 Kinder, zudem finden Projekte zum Thema Erwachsenenbildung statt. Dabei sind vor allem Frauen im Blick. Das Familienzentrum bietet von der Geburtsvorbereitung bis zur Hebammensprechstunde ein großes Programm für Kindern und Eltern an. Hinzukommen diverse Kurse und Kooperationen mit anderen Organisationen.

Franca Schirrmacher, 56, ist Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus.  

Unter Denkmalschutz stehe das Gebäude nicht, sagt Franca Schirrmacher, MGH-Koordinatorin, es habe lediglich Ensembleschutz. Seit zwei Jahren nutzt der Träger das gesamte Haus, vorher gab es dort weitere Mieter. „Es wäre unvorstellbar, wenn wir nicht mehr an diesem Ort und im Gallus sein könnten“, sagt Schirrmacher. Denn eine Liegenschaft in unmittelbarer Nähe zu finden, sei schwer oder fast unmöglich.

Der Mietvertrag für die rund 4000 Quadratmeter läuft noch bis Ende 2021. Momentan sei man zuversichtlich, berichtet Schirrmacher. „Wir rechnen mit einer Verlängerung.“ Und man gehe von einer sozialen Verantwortung des neuen Besitzers aus. Die Stadt unterstützt das Mehrgenerationenhaus. Der Trägerverein habe sich mit vier Dezernaten zusammengesetzt. „Wir wünschen uns natürlich auch einen langfristigen Mietvertrag“, sagt die 56-Jährige. Um eine langfristige Perspektive zu haben und auch um planen und arbeiten zu können.

Vorbeischauen

Das Mehrgenerationenhaus ist unter der Nummer 75846666 oder info@kiz-gallus.de zu erreichen, das Programm gibt es auch unter www.kiz-gallus.de .

Für Informationen steht ebenfalls das Team am Empfang der Idsteiner Straße 91 bereit, hier gibt es das kostenlose Programmheft und aktuelle Hinweise zu Veranstaltungen.

Geöffnet ist Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 14.30 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 9.30 bis 15 Uhr.

Wegen des Coronavirus sind bis April alle offenen Angebote abgesagt. jkö

„Wir stehen mit den Eigentümern in Verbindung“, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Dem habe man erklärt und deutlich gemacht, dass das Mehrgenerationenhaus ein wichtiger Bestandteil des Stadtteils sei. Die Arbeit des Trägers habe maßgeblich dazu beigetragen, dass sich das Gallus so gut entwickelt habe und sei dort ein wesentlicher Akteur. „Es ist uns ein Anliegen, dass er erhalten bleibt.“

Auch der Stadt sei wichtig, dass der Mietvertrag verlängert und eine langfristige Lösung gefunden werde. „Wir haben verschiedene Ideen entwickelt, was man machen kann“, so Weber, die prüfe man nun. Aber man habe schon den guten Willen der Eigentümer gehört, die Strukturen nicht aufzulösen.

Instone Real Estate antwortete auf Anfrage der FR: „Wir befinden uns hierzu in enger Abstimmung mit der Stadt und können mitteilen, dass es ist nicht geplant ist die soziale Nutzung des Gebäudes aufzugeben und in bestehende Mietverträge einzugreifen.“

Das Mehrgenerationenhaus haben auch eine Brückenfunktion, sagt Schirrmacher. Es verbinde das alte Gallus mit dem Europaviertel. Außerdem sei es ein Ort der Begegnung für unterschiedliche Bewohner aus verschiedenen Milieus. „Wir denken, wir leisten gute Arbeit, das sehen viele so.“ Das MGH arbeite mit den Dezernaten zusammen, Sozialrathäuser, Stadtschulamt und Kitas.

„Wir werden gebraucht“, sagt Schirrmacher. Rund 500 Familien besuchten die Einrichtung. Die Räume stünden allen offen, man stehe für Diversität und Pluralität. Und das werde tatsächlich auch gelebt. Sei es bei einer bilingualen arabisch-deutschen Kita-Gruppe oder durch Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Das Familiencafé und der Gallus-Garten bringe Menschen zusammen und ermögliche schöne Begegnungen, das „hilft Vorurteile abzubauen“.

Wichtig ist auch der Standort, schließlich sei man gut vernetzt, arbeite mit Schulen in der Umgebung und dem Jugendhaus zusammen. Wenn man bleiben dürfe, habe man viele Pläne. Sanierungen, das Haus energetisch zu modernisieren, genauso wie die digitale Ausstattung zu erneuern bis hin zur Fassadenbegrünung. „Es wäre toll, wenn die neuen Eigentümer da mitmachen.“

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