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Kameruner erzählen ihre Geschichten

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Von: Gernot Gottwals

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Jannis Plastargias und Lisa Karasch sind stolz auf die erste Ausgabe der neuen Stadtteilzeitschrift „Das Gallus“.
Jannis Plastargias und Lisa Karasch sind stolz auf die erste Ausgabe der neuen Stadtteilzeitschrift „Das Gallus“. © Rüffer

Im Gallus erscheint eine neue Stadtteilzeitschrift. Sie stellt die Menschen im Viertel und ihre Geschichten in den Mittelpunkt. Die Ausgabe ist ein Gemeinschaftsprojekt des Internationales Bundes und des Quartiersmanagements.

Stephanie ist eine bleibende Größe. Aufgewachsen ist die Mitdreißigerin in der Wallauer Straße mit vielen marokkanischen Kindern und lernte den ersten Jungen, der ihr irgendwie anders vorkam, erst 1989 kennen: Marco aus dem „Osten Deutschlands“, mit dem sie wegen ihrer „kritischen Eltern nur heimlich gespielt“ habe. Menschen wie Stephanie erzählen in der neuen Zeitschrift „Das Gallus. Ein Viertel und seine Bewohner*innen“ ihre eigenen Geschichten und öffnen neue Perspektiven auf den sich wandelnden Stadtteil.

Die jetzt erstmals veröffentlichte Zeitschrift ist ein Gemeinschaftsprojekt des Jugendmigrationsdienstes des Internationalen Bundes und des Caritas Quartiersmanagements Gallus im Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft. Zu Wort kommen junge Menschen wie Achraf aus Algerien, der sich als Fußballer schon gut integriert zu haben scheint, aber über mangelnden Respekt und Diskriminierung wegen Andersartigkeit klagt, mit seinen Freunden im Skyline Plaza chillt und sich im Gallus einen Skatepark wie unter der Mainbrücke wünscht. Helga Roos von der Geschichtswerkstatt Gallus erzählt von der verstorbenen Renate Ullrich, die die Werkstatt mitgründete.

Laut Initiatoren Lisa Karasch vom Quartiersmanagement und Jannis Plastargias vom Internationalen Bund ist „Das Gallus“ keine Nachfolgezeitschrift der während der Corona-Krise eingestellten Zeitung „Main Gallus“, die sich vor allem auf Veranstaltungen konzentriert habe. „Hier wollen wir ja den Bewohnern eine Stimme geben, die wir über verschiedene Einrichtungen ansprechen“, erklärt Karasch.

„Entstanden ist die Idee zu unserer Zeitschrift in Griesheim“, erinnert sich Plastargias. Dort habe man für eine Ausstellung das Buch “#933 Griesheim. Mein Zuhause“, veröffentlicht. „Dieses Buch konzentrierte sich auf Fotos und Zitate. Wir dachten dann eher an eine Zeitschrift mit Fortsetzungen, in die wir längere Texte aufnehmen, um auch etwas erzählen zu können.“ Derzeit seien drei Ausgaben pro Jahr geplant. Das nächste Heft soll im April 2023 erscheinen.

Die meisten Geschichten hat Plastargias verfasst. „Ich treffe die Leute, lasse sie über Dinge und Ereignisse berichten, die sie auf dem Herzen haben, mache Fotos von ihnen und ihrer Siedlung.“ Dann schreibt er die Texte oder lässt die Leute in selbstgeschriebenen Erzählungen berichten. Passend zum Winter zeigt sich etwa Sergej (35) mit seinen Kumpels und Schneemann und erinnert sich, wie er zusammen mit seinen „Buddies“ Ümüt und Mounir die Bolzplatzliga im Sportkreis Frankfurt mit aufgebaut hat.

Das Frühjahrsheft soll sich Performancekünstlern und dem Chillen im Gallus widmen, außerdem mit einem Spaziergang über den Lia-Wöhr-Platz auch an die beliebte Volksschauspielerin aus dem Gallus erinnern.

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