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Eigentlich wirkt der Rad-Mann freundlich, wäre da nicht die Stange hinter seinem Rücken.  

Kultur

Gallus: Kunst schafft Selbstvertrauen

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In der Bildhauerwerkstatt Gallus können straffällige Jugendliche Arbeitsstunden ableisten. Ihre Werke stehen zum Verkauf.

Softie mit Zivilcourage“ – So heißt die Figur, die aus einem Mix aus Metall und Holz gefertigt wurde. Der radförmige Kopf wirkt unbedarft, eine Hand des fiktiven Menschen winkt freundlich in die Menge. Die andere Hand jedoch hält ein hartes Metallwerkzeug in der Hand. „An diesem Kunstwerk kann man den inneren Widerspruch des Künstlers sehen – Ein harter Typ mit weichem Herz“, berichtet Kai Wolf, der künstlerische Leiter der Bildhauerwerkstatt Gallus.

Am Sonntag startete die Verkaufsausstellung der sozialpädagogischen Einrichtung für straffällig gewordene Jugendliche in der Orangerie im Günthersburgpark. Die Werke werden in einem Atelier im Gutleutviertel produziert, wo Jugendliche Sozialstunden ableisten und dabei erste Erfahrungen mit Kunst machen können.

Durch die Schaffung eines eigenen Kunstwerks steige das Selbstvertrauen der Jugendlichen enorm, sagt Geschäftsführerin Petra Väth. Häufig sei es das erste Mal, dass sie etwas selbst kreierten. „In der Regel haben die Jugendlichen, die zu uns kommen, gar keinen Kunstbegriff“, berichtet Wolf.

Manche unterschätzen sich

Erst im Gespräch mit ihm und durch das eigene Ausprobieren entwickelten sie eine Vorstellung davon, wie man Holz, Stein oder Metall ästhetisch bearbeiten könne. „Wir fragen die Jugendlichen danach immer, für wie viel Euro wir das Kunstwerk verkaufen sollen“, berichtet Wolf. „Meistens verlangen sie etwa zehn Euro.“ Das zeige, wie stark sie sich selbst unterschätzten. Tatsächlich werden die Kunstwerke zwischen rund 200 und 500 Euro verkauft.

Das Projekt gibt es bereits seit 1992, in der Zeit seien bereits über 1000 Jugendliche in die Bildhauerwerkstatt gekommen. „Wir haben im Atelier eine Halle voll mit Kunstwerken, die regelmäßig verkauft werden“, berichtet Väth. Nicht immer bekämen die Jugendlichen jedoch mit, was mit ihrer Kunst passiert – denn die wird meistens lange nach ihrer Zeit in der Werkstatt verkauft.

Der künstlerische Leiter Kai Wolf ist studierter Bildhauer – bei der Arbeit mit den Jugendlichen versucht er allerdings, so wenig Vorgaben wir möglich zu machen. „Nach einer kleinen Einführung in die Techniken, vor allem in das Schweißen von Metall, kommen sie mit in eine große Lagerhalle, wo sie sich Holz, Metall oder Stein nach Belieben zusammensuchen können“, erzählt Wolf. Danach sei der Kreativität freien Lauf gelassen. Je nach Zeit – die Jugendlichen müssen zwischen zehn bis 120 Stunden absolvieren – kommen große Kunstwerke, mal robuste Holzpfeiler, mal filigrane Metallfiguren dabei heraus.

Die Stücke sind noch am heutigen Montag, 23., und Dienstag, 24. September, jeweils von 11 bis 17 Uhr, in der Orangerie im Gallus, Comeniusstraße 39, zu sehen und können käuflich erworben werden.

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