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Gallus: Klare Regeln, offenes Ohr

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Das Familienzentrum Monikahaus setzt auf „Neue Autorität“. Das pädagogische  Konzept schlägt eine Brücke zwischen strengen Regeln und Laisser-faire.

Es ist kein ungewöhnlicher Fall: Eine 13-Jährige belügt ihre Eltern, geht nicht zur Schule und schaut im Gespräch lieber auf ihr Handy. Da Eltern in solchen Situationen oft nicht weiterwissen, wenden sie sich an Jugendhilfeeinrichtungen oder Familienhäuser, wie das Monikahaus des Sozialdienstes katholischer Frauen in der Kriegkstraße. Das will durch ein Erziehungskonzept, die sogenannte Neue Autorität, solche Probleme in der Familienberatung und im eigenen Haus lösen.

Anstatt das Handy abzunehmen und Hausarrest zu erteilen, sollen die Eltern nach dem Konzept durch eine „Ankündigung“, also einer Diskussion über die negativen Konsequenzen des Verhaltens, mehr Autorität erlangen und so besser Einfluss nehmen. Die Idee klingt nicht gerade neu. Doch die „Neue Autorität“, die 2002 von dem Israeli Haim Omer begründet wurde, soll Mittelweg sein zwischen klassischer Autorität durch Strafen und sogenannter Laissez-Faire oder anti-autoritärer Erziehung.

„Erziehung durch Kommunikation ist schon immer unser Motto im Monikahaus“, erklärt Geschäftsführerin Heike Sienel. Durch eine auf vier Jahre angesetzte und von der Glücksspirale finanzierte Schulung zum Konzept der „Neuen Autorität“ sollen die Erziehungspraktiken nun überdacht werden. Neu ist, dass sie in allen Arbeitsbeziehungen des Hauses angewandt werden, auch zwischen Geschäftsführung und Personal sowie im Austausch mit Servicemitarbeiterin, wie Köchen und Hauswirtschaftern.

Schulung  im Monikahaus

Die Schulung, die in diesem Ausmaß in Frankfurt nur im Monikahaus stattfinde, wird dabei von dem „Systemischen Institut für Neue Autorität“ durchgeführt. Bisher haben bereits die Erzieher der Tages- und Heimgruppen, die ambulanten Hilfen und die psychologischen Fachdienste theoretische Kurse durchlaufen. Die Mitarbeiter des Kinder- und Familienzentrums und der Frühen Hilfen sollen in den kommenden Monaten folgen. Die Umsetzung der Methoden wird in den kommenden vier Jahren von einem externen Gutachter evaluiert.

Bruno Körner, Leiter des Instituts für Neue Autorität erklärt: „Ziel der „Neuen Autorität“ ist es, die Beziehung zwischen Kind und Erziehendem in den Mittelpunkt zu stellen.“ Dadurch könnten vielschichtige Gründe für Konflikte mit und unter Kindern zu Tage kommen. So läge die Ursache für aggressives Verhalten nicht immer bei dem Aggressor. Probleme in einer Jugendgruppe könnten so auch durch eine nicht wohlüberlegte Zusammensetzung dieser durch die Erzieher entstehen.

„Wir wollen damit auch das viel diskutierte Bild jugendlicher „Systemsprenger“ überdenken“, sagt Sienel. So liege die Ursache für schwieriges Verhalten von Jugendlichen immer auch in deren Umfeld oder in dem „System“. „Alles das muss beachtet und reflektiert werden“, so Sienel. Trotzdem sei das Ziel der „Neuen Autorität“ nicht Kinder und Jugendliche „einfach machen zu lassen“. Es gelten auch hier klare Regeln in der Erziehung. Es müsse nur deutlich werden, dass Erziehungshelfer und Eltern trotzdem immer ein offenes Ohr haben.

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