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„Frauen eine Perspektive aufzeigen“

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Von: Sebastian Theuner

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Die Stadtteilbotschafterin lebt am Dornbusch und ist mit vielen Frauen im Gespräch.
Die Stadtteilbotschafterin lebt am Dornbusch und ist mit vielen Frauen im Gespräch. © SPTG (Nathalie Zimmermann)

Stadtteilbotschafterin Imane El Mousaid gibt Frauen Workshops im Bereich Beruf und Bildung. Warum sie das tut, erläutert sie in einem Interview.

Frau El Mousaid, mit Ihren Workshops wollen Sie Frauen helfen, berufliche Ziele zu erreichen. Sie wollen insbesondere Frauen ansprechen, die neu in Deutschland sind?

Die Gruppe derer, die sich angemeldet haben, ist sehr vielfältig aufgestellt. Es gibt Frauen, die kaum Deutsch sprechen und keinerlei Berufserfahrungen haben. Es sind aber auch viele dabei, die schon länger in Deutschland leben. Das primäre Ziel ist es, Berufschancen und Zukunftsperspektiven aufzuzeigen, Informationen über Beruf und Bildung weiterzugeben. Aber sekundär geht es auch darum, einen Raum für Frauen zu schaffen, in dem sie Erfahrungen austauschen und neue Freundschaften knüpfen können.

Um was geht es in Ihren Workshops konkret?

Im ersten Workshop geht es um die Grundkenntnisse: das Ausarbeiten von beruflichen Zielen und Infos zum Thema Deutsch lernen. Im zweiten Workshop informiere ich über die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen, im dritten Workshop ist die Berufsorientierung das zentrale Thema.

Warum war es Ihnen wichtig, ein Angebot nur für Frauen zu schaffen?

Am Dornbusch, wo ich wohne, ist mir aufgefallen, dass es viele Angebote für Kinder und Jugendliche zur beruflichen Weiterbildung gibt, aber kaum für Frauen. Daher habe ich mich dazu entschieden, das Angebot für Frauen im Rahmen meines Stipendiums auszuweiten.

Und wie kam es zum Schwerpunkt Beruf und Bildung?

Ich habe mich privat mit Frauen aus meinem Stadtteil getroffen, beispielsweise mit Müttern von Freunden. Dabei habe ich deren Bedürfnisse abgefragt: Was fehlt euch in eurem Stadtteil? Im Gesamtbild hat sich gezeigt, dass der Bereich Beruf und Bildung ein großes Anliegen ist.

Welche Fragen hatten die Frauen hierzu?

Manche haben den Wunsch geäußert, einen Sprachkurs zu belegen. Eine der Frauen hat in ihrem Heimatland als Lehrerin gearbeitet, nun aber Probleme mit der Anerkennung ihrer Ausbildung. Das Ziel einer anderen Frau ist es, in drei Jahren eine Ausbildung als Sozialpädagogin zu machen. Aber auch viele andere Themen kamen auf: Gesundheitsfragen, die Steuererklärung, bürokratische Hürden im Allgemeinen. Zwischen meinen Workshops will ich deshalb noch Mini-Seminare abhalten, zum Beispiel zum Thema: Was kann ich für meine Gesundheit tun?

Klingt, als seien Ihre Angebote gut nachgefragt.

Das Stipendium

Imane El Mousaid bietet als Stadtteilbotschafterin folgende Workshops an: „Deutsch lernen“ (21. Januar), „Anerkennung von ausländischen Abschlüssen“ (25. Februar) und „Berufsorientierung“ (18. März). Die Workshops finden jeweils von 10 bis 17 Uhr im Amt für multikulturelle Angelegenheiten, Mainzer Landstraße 293, Raum 5001 statt. Anmeldung per SMS unter der Nummer 0176 / 95611342. Infos per Mail (imane.el-mousaid@stadtteilbotschafter.de) oder auf Instagram (@gemeinsam.durchstarten).

Seit 2007 unterstützt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit einem Stipendienprogramm junge Leute, ihre Ideen in Frankfurt umzusetzen. Bisher haben 180 Stadtteil-Botschafter:innen in 142 Projekten den Zusammenhalt in den Frankfurter Stadtteilen gestärkt.

Die Stipendien werden regelmäßig von der Stiftung ausgeschrieben. Infos zum Projekt und zur Bewerbung unter www.stadtteil-botschafter.de sowie bei Projektleiterin Silja Flach (flach@sptg.de).

Die FR stellt in einer losen Interviewserie die aktuelle Stadtteil-Botschafter-Generation vor. 15 junge Leute im Alter zwischen 15 und 27 Jahren nehmen am Jahrgang 2022/23 teil. sth

Für den ersten Workshop haben sich bislang 20 Frauen angemeldet, für die anderen beiden sind es jeweils 24. Die Nachfrage ist auch deshalb so hoch, weil das Projekt nicht allein von mir geplant ist. Ich sehe die Frauen nicht nur als Teilnehmerinnen, sondern auch als Mitwirkende – denn die Inhalte basieren ja auf deren Bedürfnissen.

Wie haben Sie sich auf die Workshops vorbereitet?

Zunächst habe ich fachliche Unterstützung gebraucht. Ich habe E-Mails geschrieben, Telefonate geführt und bin auf Berufsmessen gegangen. Dort habe ich mich vorgestellt und gefragt, ob eine Zusammenarbeit möglich wäre. Bei meinen Workshops werde ich nun von der Volkshochschule Frankfurt, dem Verein Beramí und dem Verein zur beruflichen Förderung von Frauen unterstützt. Zudem habe ich selbst inhaltliches recherchiert und mich in die Thematik eingelesen.

Was sollen die Teilnehmerinnen nach dem Absolvieren Ihrer Workshops im Idealfall gelernt haben?

Ich wäre froh, wenn manche Frauen am Ende sagen: ‚Ich habe eine neue Information. Ich bin mit der Frage gekommen, wie ich mir mein Zeugnis anerkennen lasse, und am Ende wurde mir die Frage beantwortet. Und mein nächster Schritt wird sein, einen Termin zu machen und mich beraten zu lassen.‘ Sie hätten dann einen klaren Weg vor Augen.

Konnten Sie selbst durch Ihre bisherige Projektarbeit Neues lernen?

Ich bin mir sicher, dass ich von meinen Workshop-Teilnehmerinnen etwas lernen werde, schon allein dadurch, dass sie mehr Lebenserfahrung haben als ich. Schon jetzt gelernt habe ich, dass man auch mal spontan sein muss. Ich war immer ein Planungsmensch. Aber manchmal ändern sich Dinge unvorhergesehen. Ich habe zum Beispiel kurzfristig neue Räume suchen müssen, in denen ich meine Workshops durchführe. Und ich habe die Managerin in mir entdeckt. Meine Arbeit hat sehr viel mit Projektmanagement zu tun – von der Idee, dem Knüpfen von Kontakten, der Werbung, bis zur Umsetzung. Ich habe herausgefunden, dass ich das gerne mache.

Sie sagten, dass Beruf und Bildung nur eines von mehreren Anliegen der Frauen, mit denen Sie im Vorfeld gesprochen haben, gewesen sei. Wird es weitere Workshops geben?

Mir war die Nachhaltigkeit des Projekts von Anfang an total wichtig ist. Dadurch, dass ich vor Ideen sprudele, und es von Seiten der Frauen so viele Themen gibt, zu denen sie etwas wissen möchten, will ich, dass das Projekt nach der Stipendiumszeit weitergeht. Ob ich das privat mache oder mit einem Verein, ist noch offen.

Interview: Sebastian Theuner

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