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Polizeikräfte hatten den Festgenommenen geschlagen und getreten. Foto: dpa
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Polizeikräfte hatten den Festgenommenen geschlagen und getreten.

Polizeigewalt

Frankfurt: Unmittelbar zugeschlagen? Schwere Vorwürfe gegen Polizei nach Festnahme im Gallusviertel

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Die Polizei nimmt einen 34 -Jährigen im Gallusviertel fest. Dabei sollen die Beamten unnötig hart gegen den psychisch kranken Mann vorgegangen sein.

Frankfurt am Main - Knapp zwei Wochen nach der brutalen Festnahme eines offenbar psychisch kranken 34-Jährigen im Gallusviertel dauern die Ermittlungen an. Zugleich werden auch Vorwürfe gegen die Polizei laut. Eine Polizeisprecherin sagte der Frankfurter Rundschau, man ermittele wegen Widerstands gegen den 34-Jährigen, außerdem wegen Körperverletzung gegen zwei 23 und 27 Jahre alte Männer, die sich zuvor mit ihm geprügelt hätten. Zudem werde gegen weitere Personen ermittelt, die die eingesetzten Polizeikräfte attackiert hätten. Gegen die Beamten liege eine Strafanzeige wegen Körperverletzung im Amt vor.

Am Samstag, 15. Mai, war die Polizei nach eigenen Angaben wegen einer Prügelei zwischen drei Männern in der Mainzer Landstraße alarmiert worden, bei der einer der Männer „Allahu akbar“ gerufen habe. Der 34 Jahre alte Mann, bei dem sich später herausstellt habe, dass er an einer akuten Psychose litt, habe am Boden gelegen und um sich getreten. Er habe sich massiv gegen eine Festnahme gewehrt und sei nur unter Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock zu bändigen gewesen. Die beiden 23 und 27 Jahre alten Kontrahenten des Mannes hätten die Polizeikräfte ebenfalls attackiert, zudem seien umstehende Personen gegen die Polizei vorgegangen.

Frankfurt: Psychisch kranker Mann erleidet Verletzungen bei Festnahme durch Polizei

Der 34 Jahre alte Mann hatte laut Polizei Schürfwunden und Hämatome erlitten. Er habe sich auch auf der Wache nicht beruhigt und sei in eine psychiatrische Klinik gebracht worden.

Der 23 Jahre alte Mann, gegen den nun ebenfalls Ermittlungen laufen, schilderte die Situation im Gespräch mit der FR völlig anders. Der 34-Jährige sei sein Onkel, der 27-Jährige sein Bruder, sagte der Mann. Sein Onkel sei seit Jahren psychisch erkrankt, sein Zustand sei zuletzt aber leider „sehr extrem geworden“. Man sei zu dritt im Auto unterwegs gewesen, als der 34-Jährige plötzlich Panik bekommen habe und aus dem Autofenster gesprungen sei. Er und sein Bruder hätten versucht, ihren Onkel zu beruhigen. Umstehende hätten einen Krankenwagen gerufen, so der 23-Jährige.

Frankfurt-Gallus: Polizisten sollen unmittelbar zugeschlagen haben

Dann seien aber plötzlich Polizisten aufgetaucht und hätten unmittelbar auf seinen Onkel eingeschlagen, ohne Fragen zu stellen. Sein Bruder und er hätten versucht zu erklären, dass der 34-Jährige krank sei. Sein Onkel habe Platzwunden und Schwellungen erlitten, zudem kämpfe er seit der Festnahme mit Nierenproblemen und habe länger auf der Intensivstation gelegen, sagte der 23-Jährige.

Auf vier Handyvideos von dem Vorfall, die zum Teil schon im Internet kursierten und der FR vorliegen, sind keinerlei Angriffe auf Polizeikräfte zu sehen. Dafür zeigen die Filme, wie mehrere Beamte immer wieder auf den am Boden liegenden 34-Jährigen einschlagen und eintreten. Der Mann scheint sich kaum zu wehren, trotzdem gelingt es den ungeschickt wirkenden Beamten über längere Zeit nicht, ihm Handfesseln anzulegen. Immer wieder sind panische Schreie von Umstehenden zu hören, die Beamten werden gebeten, den Mann nicht zu schlagen.

Fatih Zingal, der Rechtsanwalt des 34-Jährigen, sagte der FR, die Beamten hätten unverhältnismäßige Gewalt gegen seinen Mandanten eingesetzt. Dieser habe sich nicht ernsthaft gewehrt, von den Umstehenden sei keine Gefahr für die Polizeikräfte ausgegangen. „Allahu akbar“ habe sein Mandant wohl aus Angst gerufen, weil er offenkundig religiös sei. Er bereite aktuell eine Strafanzeige gegen die Beamten vor, sagte Zingal. (Hanning Voigts)

Vor gut zehn Jahren wurde im Gallusviertel Christy Schwundeck von einer Polizistin erschossen. Das Verfahren gegen die Beamtin ist eingestellt. In diesem Mai gedachten ca. 100 Menschen der Verstorbenen in Frankfurt.

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