Süß, aber in der Schule nicht erwünscht (Symbolbild). 
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Süß, aber in der Schule nicht erwünscht (Symbolbild).  

Gallus

Frankfurt: Mäuse in der Schultoilette

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Die Lehrer der Paul-Hindemith-Schule im Gallus sind verzweifelt über die hygienischen Zustände. Kürzlich musste sich ein Schüler sogar übergeben, weil er eine tote Maus gesehen hatte.

Für die Schüler und Lehrer der Paul-Hindemith-Schule wird es schwer werden, sich vor Corona zu schützen, wenn es nicht mal Seife oder Papiertücher gibt und sie die Toilette meiden, weil sie so verdreckt ist. „Die hygienischen Zustände an der Schule sind katastrophal“, schreiben das Kollegium und der Personalrat der Schule in einem offenen Brief an die Stadt. Viele Schüler hielten ihre Drang deshalb bis zum Schulschluss aus – was hart sei an einer Ganztagsschule. Manche gingen in den Pausen heimlich nach Hause.

Die Sanierung der Toiletten sei vergangenes Jahr ausgeschrieben worden, allerdings habe sich keine Firma gefunden, die sich diese Arbeit zumuten wollte. Zudem gebe es generell zu wenig Toiletten. Die Schülerzahl sei in den letzten Jahren von rund 550 auf 850 Schüler gestiegen, die Zahl der WCs aber die gleiche geblieben. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, wird ein Lehrer in dem Brief zitiert.

Toiletten und Böden würden nicht regelmäßig gereinigt. Die Lehrer bringen bereits eigenes Papier und Handtücher mit, berichten sie. Darum fordern sie wenigstens eine Präsenzkraft, die bei Bedarf putze und fehlende Hygieneartikel auffülle. Vor Kurzem habe sich ein Schüler übergeben müssen, weil er eine tote Maus in der Toilette gesehen habe. Mäuse gebe es auch in der Turnhalle. „Uns reicht es“, so die Lehrer der Schule.

Weitere Probleme

Doch die Hygiene sei nicht das einzige, an der es mangelt. Das Sekretariat ist unterbesetzt und der Schulhausverwalter nur sporadisch anwesend, heißt es in dem Schreiben. Seit mehreren Jahren sei die zweite Stelle des Verwalters nicht besetzt. „Wir sind eine Familie, die in Armut lebt“, beschreibt eine Lehrerin ihren Unmut. In der Lehrerküche funktioniere seit Wochen das Licht nicht, generell habe man das Gefühl, die Schule verfalle baulich und hygienisch immer mehr.

Dem Baudezernat ist die Situation bekannt. „Wir stehen in enger Abstimmung mit der Schule um eine Lösung zu finden“, sagt Sprecher Günter Murr. Eigentlich sollte im März ein Ortstermin mit der Schulleitung stattfinden, der wegen des Coronavirus‘ ausfiel. Es werde so schnell wie möglich ein Nachholtermin geben, so Murr. Ebenso Vorstellungsgespräche für den Job des Schulhausverwalters. Eine Firma zur Schädlingsbekämpfung sei beauftragt. Der Vertrag mit der Reinigungsfirma laufe noch bis 2021, man werde aber versuchen, durch Gespräche etwas zu ändern.

Der Kinderbeauftragte für das Gallus, Dirk Schneider, ist erschüttert über die Zustände. Wie wichtig Hygiene ist, sehe man drastisch in der Corona-Zeit. Während jeder Bewirtungsbetrieb sicher sofort eingestellt werden würde, müssen sich Kinder und Lehrkräfte neben dem Ekelfaktor einem unzumutbarem Infektions- und Krankheitsrisiko aussetzen.

Schneider fordert alle verantwortlichen Ebenen auf, eine sofortige Verbesserung herbeizuführen. Sollten aktuell beauftragte Sanitärunternehmen dazu nicht in der Lage sein, müsste es hier fristlose Kündigungen geben – und eine neue Firma ausgeschrieben werden. Bis dahin sollte sofort eine Notfall-Lösung gefunden und auch umgesetzt werden.

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