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Basteln statt wegwerfen.

Gallus

Blumen aus Schneebesen

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Im Repair-Café lernen Kinder, dass nicht alles im Müll landen muss

Das Sammelsurium auf dem langen Tisch ist groß: Ein zerlegter Computer, Videokassetten, eine Schüssl voll mit Schraubverschlüssen, Brockhaus-Lexika, Verpackungen, Kabel und ein verbogener Schneebesen. Beim „Repair- und Re-Art“-Workshop in der Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim gestalten Mädchen und Jungen in dieser Woche aus ihren mitgebrachten, ausgedienten Sachen etwas cooles Neues.

Furkan hat sich vom Lautsprecher einer Mini-Stereo-Anlage und einer Laptop-Platine inspirieren lassen. Diese hat er an die Seite der Box geschraubt. „Das wird ein Roboter“, erklärt der Zwölfjährige. Er hält die Reste eines Föns in die Höhe und dreht das klappbare Scharnier. „Und das ist sein Kopf.“ Die schwarzen, runden Füße der Stereo-Anlage sollen die Augen werden, ergänzt Workshop-Leiterin Beatrice Anlauff, die neben ihm sitzt. Furkans Kumpel Hamza hat sich Tastatur und Lüftung des Laptops geschnappt und ins Cockpit seiner Seifenkiste geschraubt. Auch den Monitor will der 13-Jährige verbauen. Das Gefährt mit ausgedienten Rädern eines Kinderwagens haben er und seine Mitschüler von der Bürgermeister-Grimm-Schule im Werkunterricht gebaut. Jetzt will er sie aufmotzen. „Das soll eine kleine Limousine darstellen, in der Leute passen“, erläutert Hamza.

„Es geht darum, einen anderen Blick für alte Sachen zu bekommen, die angeblich nur noch was für den Müll sind“, sagt Beatrice Anlauff. Aus bunten Kabeln entstehen coole Armbänder, aus Klemmen von Aktenordnern hippe Halter für die Garderobe und aus Fahrradfelgen originelle Lampen.

Während die Künstlerin erzählt, hämmern und sägen Ciro, Luciano und Mohammed. Aus Brettern soll eine Kiste entstehen. „Wir können hier bauen“, das findet der achtjährige Luciano gut. Nebenbei würden die jungen Teilnehmer verschiedene Werkzeuge kennen lernen, sagt Beatrice Anlauff. Lorin hat aus einer Keksdose und Flaschendeckeln einen Tisch für Puppen gebastelt. „Man kann hier machen, was man will“, das habe der Zehnjährigen am meisten imponiert.

Der Workshop fand anlässlich der städtischen Kinderrechtskampagne der Stadt in dieser Woche statt. Das Motto lautet „Recht auf Gesundheitsfürsorge“. Statt eines Ernährungsprojektes hätten sie sich für Umweltschutz entschieden, berichtet Petra Väth, Leiterin der Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim. Ziel sei es gewesen, Unikate aus etwas zu schaffen, was eigentlich keine Funktion mehr hat. So entsteht aus dem ausrangierten Schneebesen eine Blume. Das Band einer Videokassette dient noch gut als Farbe für ein Schwarz-Weiß-Portrait.

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