Lolek Lorey und Caroline Hock im leeren Horst.
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Lolek Lorey und Caroline Hock im leeren Horst.

Gallus

Frankfurt Gallus: Horst muss schließen

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Der beliebte Veranstaltungs-und Kulturraum in den Adlerwerken hat Corona nicht überlebt. Die Macher sind nun auf der Suche nach neuen Räumen.

Sieben Jahre wurde im Horst gefeiert, Musik gemacht und gegessen. Doch der Kultur- und Veranstaltungsraum in den ehemaligen Adlerwerken in der Kleyerstraße hat Corona nicht überlebt. „Wir sind am Ausräumen“, erzählt Inhaber Lolek Lorey. Es sei eine rationale Entscheidung gewesen, das mit Partnerin Caro Hock geführte Herzensprojekt aufzugeben. Dabei seien sie kurz davor gewesen, langfristiger zu planen und einen Elf-Jahres-Vertrag zu unterschreiben.

Im Mai wollten sie den Raum in der Kleyerstraße groß wieder eröffnen. Viele Konzerte und Parties, Privat- und Firmenveranstaltungen und Reihen wie die Jam Session, Pasta Kino e Vino und Comedy (Freischnauze) waren bereits fest im Kalender eingetragen. Lange hatten sie mit dem Vermieter verhandelt, doch er sei nicht bereit gewesen, die Öffnung nach der Brandschutzsanierung nach hinten zu schieben.

„Im Moment haben wir aber keine Möglichkeit Geld zu erwirtschaften“, sagt Lorey. So müssten er und seine Partnerin schweren Herzens erstmal aufgeben. Aber wenigstens könne so die Firma gerettet werden. Denn ihnen gehöre ja noch die Einrichtung für Veranstaltungen samt Küche, Möbel und Technik. Nun suchen sie einen neuen Raum für ihr Konzept. Niedrigschwellige Angebote und Leute zusammenzubringen.

Angebote für Räume können Lorey per Mail an kontakt@horst-ffm.de mitgeteilt werden. Spenden sind auch willkommen bei der Frankfurter Sparkasse für Horst Kultur GmbH & Co. KG, IBAN: DE85 5005 0201 0200 5612 43, BIC: HELADEF1822.

Und dabei sei es jedes Jahr besser gelaufen. Sie verfolgten kein statisches Konzept, das hat sich über die Jahre entwickelt. Anfangs boten sie nur einen Mittagstisch an, doch das lief nicht so gut, so dass sie umschwenkten auf Kulturprogramm. Um das zu finanzieren, vermieteten sie die Räume für private Feste und Firmenfeiern. Große Verlage buchten sie etwa während der Buchmesse. „Das war eine gute Lösung, denn Förderung von der Stadt gab es keine“, erklärt Lorey.

Aber sie wollen weitermachen. „Es ist unglaublich, was wir für Solidarität zurück bekommen“, sagt der 49-Jährige. Musiker und Gäste schrieben teils sehr rührende Statements. Das bestätige sie natürlich und mache Mut nicht aufzugeben. Auch auf Facebook bekunden Fans ihren Kummer: „Ein unglaublicher Verlust für mich und Frankfurt! Sehr traurig“, schreibt ein User. „Cooles Team, coole Location, offen für Altbewährtes wie Neues und Alternatives, ich werde das Horst in bester Erinnerung behalten“, ein anderer. Das Horst sei eine Zierde für Frankfurt gewesen. Leider habe das niemand in Kulturamt erkannt und gefördert, beschwert sich jemand. Oder: „Vielen Dank für die schönen Jahre voller Enthusiasmus, Begeisterung und Freude an der Kulturlandschaft im Gallus, die ohne euch ein großes Stück ärmer wird.“

Gerne würden sie im Viertel bleiben, schließlich seien sie im Gallus verwurzelt, sagt Lorey. Bevor er in den Adlerwerken sesshaft wurde, betrieb er etwa den Verein Koblenzer Straße mit sozialen Projekten. Lorey wohnt seit 20 Jahren im Gallus. Allerdings müsste er wohl in ganz Frankfurt suchen.

Müssen Diskotheken noch geschlossen bleiben? In der Schweiz ist eine Debatte über die Übertragung von Corona in Clubs entstanden.

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