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Debatte über Namen für Frankfurter Bahnhofsvorplatz

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Von: Boris Schlepper

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Der Vorplatz des Hauptbahnhofs soll künftig nach Emilie und Oskar Schindler benannt werden. Auch eine Umgestaltung ist geplant, historische Fakten zum Leben und Wirken des Ehepaars sollen der Öffentlichkeit digital zur Verfügung gestellt werden.
Der Vorplatz des Hauptbahnhofs soll künftig nach Emilie und Oskar Schindler benannt werden. Auch eine Umgestaltung ist geplant, historische Fakten zum Leben und Wirken des Ehepaars sollen der Öffentlichkeit digital zur Verfügung gestellt werden. © Oeser

Mehrheit des Ortsbeirat 1 bedauert gemeinsamen Antrag mit der BFF zur Umbenennung. Das Areal soll künftig nach Emilie und Oskar Schindler heißen.

Der Platz vor dem Hauptbahnhof soll künftig nach dem Ehepaar Emelie und Oskar Schindler benannt werden. Dafür hat sich der Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleut, Innenstadt) am Dienstagabend nach einer langen und hitzigen Debatte entschieden. Fraglich war nicht, ob man die Schindlers mit der Benennung würdigt, die im Zweiten Weltkrieg etwa 1200 Jüdinnen und Juden vor der Ermordung durch die Nazis bewahrt hatten. Sondern, dass die rechtspopulistische Wählergemeinschaft Bürger für Frankfurt (BFF) auch Antragsteller ist.

In einer interfraktionellen Sitzung hatte das Gremium vor kurzem zwei Anträge formuliert. Einer, in dem die Bennennung des derzeit namenlosen Platzes beschlossen wird. Und ein zweiter, mit der der Magistrat aufgefordert wird, mit der Bahn als Eigentümerin des Areals Gespräche aufzunehmen und einen international künstlerischen Wettbewerb auszuloben, um die Fläche gebührend umzugestalten. Die gemeinsamen Vorlagen stammen von acht der neun Fraktionen des Ortsbeirats: den Grünen, CDU, SPD, FDP, Linke, Volt, Die Partei – und dem Vertreter der BFF, der in der Dienstagssitzung nicht zugegen war.

Frankfurter Bahnhofsvorplatz: Namen der Schindlers nicht mit der BFF vermischen

Dass der Antrag auch von der BFF gestellt werde, kritisierte Hanna Große Vorholt von Ökolinx. Schließlich habe sich diese öffentlich „rassistisch und antisemitisch“ geäußert, „was ist das für ein Zeichen, dass der Ortsbeirat damit setzt?“, fragte sie. Das Stadtteilgremium müsse den Antrag ohne die BFF stellen, „sonst können wir uns schämen“. Man dürfe den Namen der Schindlers nicht mit der BFF vermischen, kritisierte ein Bürger lautstark.

Dass die BFF den Antrag mitgestellt habe, sei der Tatsache geschuldet, „ein Zeichen der Einigkeit zu demonstrieren“, sagte Grünen-Sprecher Alexander Mitsch. Es solle ein Signal sein, dass sich der Ortsbeirat einstimmig für die Schindlers ausspreche, sagte Ortsvorsteher Michael Weber (CDU). Man könne froh sein, dass es beim Vertreter der BFF ein Umdenken gegeben habe, und diese das Vorhaben unterstütze. Weber monierte, dass keiner im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht habe. Auch sei Große Vorholt nicht bei der Beratung zugegen gewesen. „Wer sich nicht kümmert, kann hinterher nicht meckern.“

Frankfurt: Gemeinsamer Antrag mit den Rechten „extrem unglücklich“

Falko Görres (Die Partei) sagte, dass es bei dem Treffen, in dem der Antrag zustande kam, nicht klar gewesen sei, dass alle anwesenden Fraktionen Antragsteller werden. Es sei „extrem unglücklich, einen gemeinsamen Antrag mit den Rechten zu machen“.

Würdigung von Emilie und Oskar Schindler

Den Vorplatz des Hauptbahnhofs nach Oskar Schindler umzubenennen, darüber hat der Ortsbeirat 1 schon vor zwei Jahren diskutiert. Der damalige Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) hatte den Vorschlag gemacht und eine Zeitzeugin eingeladen. Die anderen Fraktionen lehnten den Vorstoß ab, da es noch Diskussionsbedarf und offene Fragen gab – etwa weil es schon eine gleichnamige Straße in Nieder-Eschbach gibt. Auch müsse das Engagement von Emilie Schindler gewürdigt werden.

Mit der Umbenennung beschäftigte sich Ende Juni eine Podiumsdiskussion von Ortsbeirat, Fritz-Bauer-Institut und Kulturdezernat. In dieser sprach sich Publizist Michel Friedman dafür aus, den Platz endlich umzubenennen. bos

Die Stadtteilpolitiker:innen sahen auch nach einer zehnminütigen Pause keine Möglichkeit, die BFF als Antragsteller auszuschließen. Das würde ein „riesen Durcheinander“ bedeuten, so Weber. Auch die Idee, die Vorlage abzulehnen und stattdessen einen identischen Gegenantrag ohne BFF auf den Weg zu bringen, fand keine Mehrheit. Das wäre „undemokratisch“, sagte Ingrid von Hohnhorst (FDP).

Frankfurter Parteien distanzieren sich in Protokollerklärung von BFF

Das Gremium verabschiedeten schließlich parallel zu den beiden Anträgen auf Anregung der Linke eine Protokollerklärung, in der sie ihr Bedauern ausdrückten, dass die BFF, die „rechtsextremes Gedankengut vertritt“, ebenfalls Antragsteller geworden ist. Das sei geschehen, um eine möglichst breit getragene Vorlage auf den Weg bringen zu können. Mit den Zielen der BFF machten sich die anderen Fraktionen explizit nicht gemein.

Die Anträge und die Erklärung wurden nur gegen die Stimme von Ökolinx auf den Weg gebracht. Hanna Große Vorholt kündigte an, nachträglich noch eine eigene Erklärung abgeben zu wollen.

Alexander Mitsch kündigte an, dass die Grünen, die mit fünf Mandaten stärkste Fraktion im Ortsbeirat ist, künftig keine gemeinsamen Anträge mehr mit der BFF stellen wollen.

Für Aufsehen hatte die rechtspopulistische Wählergemeinschaft Bürger für Frankfurt (BFF) vergangenes Jahr gesorgt, als sie mit der BIG - einer Partei mit türkischen Wurzeln - eine Fraktionsgemeinschaft bildete.

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