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Elf Monate zu viel Miete gezahlt

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Von: Fabian Böker

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Kristian, Eva und Raoul (v.l.) in der Koblenzer Straße.
Kristian, Eva und Raoul (v.l.) in der Koblenzer Straße. © ROLF OESER

Drei junge Menschen haben sich erfolgreich gegen überhöhte Zahlungen gewehrt. Ihr Vermieter ließ sich auf einen Vergleich ein.

Sie hatten sich auf ihre Dreier-WG gefreut: Im April 2020 sind Kristian, Raoul und Eva in die Koblenzer Straße 44 gezogen. Der Mietpreis von 1090 Euro kalt und 1200 Euro warm war zwar hoch, schreckte sie jedoch nicht ab. Dann aber fanden sie heraus, dass die Summe zu hoch und nach der Mietpreisbremse unzulässig war – und klagten. Mit Erfolg. Mittlerweile wohnen sie nicht mehr zusammen, das Thema beschäftigt sie aber immer noch.

Dass der Frankfurter Wohnungsmarkt hart ist, wussten die drei jungen Menschen – damals alle Anfang 20 – sehr genau. Umso glücklicher waren sie, eine Wohnung im Gallus gefunden zu haben. Durch drei geteilt war die Miete auch zu stemmen. Nur eine Sache machte sie argwöhnisch: Im Mietvertrag war keine Quadratmeterzahl angegeben. Also nahmen sie selbst Maß, kamen auf – später von der Stadt bestätigte – rund 68 Quadratmeter – und damit auf einen Quadratmeterpreis für die Miete von knapp 16 Euro.

„Dass das nicht dem Mietspiegel entsprechen konnte und nicht mit der Mietpreisbremse vereinbar war, war uns klar“, sagt Raoul, der Jura studiert und sich dabei viel mit Mietrecht auseinandergesetzt hat. Um wie viel höher sie wirklich war, sollten er und die anderen beiden Studierenden aber erst herausfinden, als sie eine Rechtsanwältin einschalteten.

Die Anwältin, Christiane Lehmann, fand heraus, dass die Miete in dieser Gegend weniger als acht Euro pro Quadratmeter hätte kosten dürfen, Kristian, Raoul und Eva also rund das Doppelte bezahlen mussten. Und dass eine Miete wie die aufgerufene damit gegen die gesetzliche Mietpreisbremse verstößt. Die Vormieter hatten weniger bezahlt, laut der seit November 2020 in Hessen gültigen Bremse darf die Miete bei einer Wiedervermietung grundsätzlich nicht mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Und die lag eben bei rund acht Euro.

Der Vermieter sah das anders. Er sah laut Korrespondenz mit den drei Studierenden kein Fehlverhalten. Weder er noch sein Anwalt waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

Im Dezember 2020 reichte die Rechtsanwältin Christine Lehmann dann Klage im Namen ihrer drei Mandant:innen ein und forderte damit das abzüglich der zulässigen Erhöhung zu viel gezahlte Geld zurück. Der Rechtsstreit habe sich dann sehr lange hingezogen, er endete schließlich erfolgreich mit einem Vergleich, auf den sich der Vermieter eingelassen hat. Ergebnis: Die überhöhte Miete wurde den drei Klagenden zurückgezahlt, vom April 2020, als sie eingezogen sind, bis Ende Februar 2021.

Da mussten sie ausziehen, denn in der Zwischenzeit hatte der Vermieter auch noch auf Eigenbedarf geklagt. Seine Tochter müsse in die Wohnung einziehen. Dort wohnen mittlerweile aber andere Leute, das Haus wurde ebenfalls verkauft.

Kristian, Raoul und Eva hoffen, dass der positive Ausgang ihres Verfahrens anderen Menschen, die in ähnlichen Situationen stecken, hilft. „Wir wissen, dass wir eine vergleichsweise komfortable Lage hatten. Wir hätten jederzeit bei Freunden unterkommen können, wenn wir die Wohnung verloren hätten. Das können viele andere nicht“, sagt Kristian. Trotzdem wollen sie Leute, die auch zu viel Miete zahlen, sich aber nicht trauen, dagegen vorzugehen, ermutigen.

Diesen Ratschlag erteilt auch Rechtsanwältin Lehmann. „Zumindest mit einem Anwalt oder einer Anwältin sollte man sprechen.“ Das hatte auch den Dreien aus der Koblenzer Straße die Bestätigung gegeben, den Klageweg zu bestreiten. Bestärkt wurden sie auch durch Hilfe des Vereins „Mieter helfen Mietern“ und durch gemeinsame Aktionen mit der Initiative „Solidarisches Gallus“.

Mindestens einmal wird das Thema sie noch beschäftigen. Wegen der hohen Miete hat der Vermieter ein Bußgeld erhalten. Der Vorwurf: Mietpreisüberhöhung. Eine Ordnungswidrigkeit. Dagegen hat er aber Einspruch eingelegt. Kristian, Raoul und Eva müssen nun am Dienstag, 2. März, als Zeug:innen aussagen.

Mit diesem Transparent hatten die drei Mieter:innen ihrem Unmut Audruck verliehen.
Mit diesem Transparent hatten die drei Mieter:innen ihrem Unmut Audruck verliehen. © Privat

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