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Pfarrer Nulf Schade-James und Travestie-Künstlerin Cristina führten den Gottesdienst gemeinsam.

Gallus

Einmal wird Frieden sein

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Der Kirchengemeinde gedenkt mit einer Travestie-Künstlerin den Unruhen.

Ungewöhnlich klingt am Sonntagfrüh beim Gottesdienst in der Friedenskirche nicht nur die Musik. Statt Orgel gibt ein Klavier neben der Kanzel den Takt vor. Während der US-amerikanische Pianist Michael Ashton sich mit dem Organisten der Evangelischen Kirchengemeinde, Johannes Noack, an den Tasten abwechselt, gibt es auch ein Wechselspiel auf der Kanzel. Dorthin geleitet Pfarrer Nulf Schade-James die Travestie-Künstlerin Cristina aus Amsterdam, um sich mit ihr verbal und musikalisch die Bälle zuzuspielen.

Die niederländische Künstlerin mit der rothaarigen Perücke, einer dicken Perlenkette um den Hals sowie einem apricotfarbenen Jäckchen erfüllt den Raum mit ihrer sonoren Stimme. Von Pianist Ashton begleitet, singt die Wahl-Hamburgerin deutsche Chansons aus dem Repertoire der schwedischen Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander.

Dieser ungewöhnliche Gottesdienst hat einen ernsten Hintergrund. Rund 50 Jahre nach den sogenannten Stonewall-Unruhen im New Yorker Stadtteil Greenwich Village erinnert die Friedens- und Versöhnungsgemeinde an die Übergriffe von Polizisten auf Homosexuelle und Transgender, die in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 begonnen hatten und in einer Reihe von weiteren Auseinandersetzungen mündeten.

Razzien der Polizei in Szene-Lokalen wie dem „Stonewall Inn“ zählten damals zur Tagesordnung. In jener Nacht jedoch widersetzten sich die Barbesucher erstmals den Repressionen der Ordnungshüter.

Unter dem Titel „Gala der Travestie – Gedenken an Stonewall-Unruhen“, hat die Gemeinde für das gesamte Wochenende zu einem „bunten Programm“ geladen, das am Sonntag mit dem Gottesdienst endet. Rund 100 Besucher sind zur Messe gekommen.

„Es waren die Transen, die sich gewehrt haben und seitdem wird jedes Jahr für eine gerechtere Welt eingetreten“, sagt Pfarrer Nulf Schade-James bei seiner Ansprache. Weil das Stonewall Inn in der Christopher Street, an der Ecke der 7th Avenue im Greenwich Village liegt, wurde danach der weltweit begangene Christopher Street Day benannt, bei dem Menschen für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgendern alljährlich auf die Straße gehen. „Anerkennung und Respekt haben wir heute“, sagt Schade-James. Trotzdem würden „in einer Stadt wie Berlin Homosexuelle täglich zusammen geschlagen“, so der Priester. „336 Pfarrer lehnen in baden-württembergischen Kirchen die Segnung von Homosexuellen schlicht ab“.

Cristina aus Amsterdam singt zwischen den Ausführungen des Pfarrers Zarah Leanders Schlager von Liebe und Frieden. „Wenn der Herrgott will, dann ist ewig Frieden und ein Paradies ist uns beschieden“, heißt es in einem der Texte. Im Wechsel spricht er und sie singt. Zur Verständigung nicken sie sich zu.

„Einmal wird Frieden sein für alle Zeit, dann wird nur die Liebe sein von Herz zu Herz“, haucht die Sängerin ins Mikro. Danach predigt Schade-James mit etwas anderen Worten von den selben Themen. Er sagt: „Die Transen und Homosexuellen von Stonewall waren überzeugt, dass ihre Liebe richtig ist und gewinnen wird“. Er wirbt für Anerkennung der Vielfalt unter den Menschen.

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