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Der Künstlerische Leiter Kai Wolf und eine 17-jährige Teilnehmerin am Plasmaschneider.
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Der Künstlerische Leiter Kai Wolf und eine 17-jährige Teilnehmerin am Plasmaschneider.

Gallus

Ein „Schweine-Teufel“ aus Holz

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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In der Jugend-Kultur-Werkstatt werden junge Menschen kreativ, die nach einer Straftat gemeinnützige Arbeit leisten müssen. Die Kunstwerke, die sie anfertigen, werden auf Ausstellungen verkauft.

Die Funken sprühen, als Valentina zum Plasma-Schneidbrenner greift und ein Eisenblech teilt. Zum ersten Mal hat die 17-Jährige in der Bildhauerwerkstatt der Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim ein Schweißgerät in den Händen. „Ich fand’s voll cool, Metallteile zum Schmelzen zu bringen, es sah aus wie Silvester“, sagt Valentina, nachdem sie wenige Augenblicke später schon auf der anderen Seite der Halle steht und an einer Werkbank ein Holzbrett bearbeitet.

Die Jugendliche ist eine von derzeit acht Teilnehmenden der Bildhauerwerkstatt auf dem ehemaligen Gelände der Farbenfabrik Milchsack in der Gutleutstraße. Aus Holz, Metall oder Stein erschaffen die Teilnehmenden, die zwischen 14 und 22 Jahren alt und nach Straftaten zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt wurden, eigene Kunstwerke. Valentina widmet einige ihrer 42 Sozialstunden dem Holzbrett, das sie gerade abschleift. Mit Klöpfel und Beitel will sie ein Gesicht in 3D-Optik in das Holz einarbeiten.

Angeleitet wird sie dabei von Kai Wolf. Der Kunstpädagoge, der als frei schaffender Bildhauer auch eigene Kurse gibt, sagt: „Die Teilnehmer sind wie alle anderen auch und die Ergebnisse sind genauso gut und vielfältig.“ Der einzige Unterschied sei, dass die jungen Künstlerinnen und Künstler ihre Werke nicht mitnehmen dürften. Sie werden bei Ausstellungen verkauft, der Erlös fließt in das zurück Projekt, das es seit 1992 gibt.

Die Werke werden verkauft

Mit Chantal will Wolf noch einen Preis für ihren „Schweine-Teufel“ vereinbaren, der eher im drei- als im vierstelligen Bereich liegen würde. Einen Buchenstamm hat die 15-Jährige mit Schleifgerät, Säge und anderem Werkzeug bearbeitet und zum Schluss mit Öl zum Glänzen gebracht. Durch die ausgesägten Hörner und die Ausformungen im Stamm, ähnlich einer Schweine-Nase sowie Augen, ergibt sich der Name. Sie habe erstmals ein Holzstück in Kunst verwandelt und dabei Zeit zum Nachdenken über ihre Vergangenheit gehabt. „Meiner Fantasie habe ich ein bisschen freien Lauf gelassen“, berichtet sie: „Ich habe es mir anders vorgestellt und dachte es wäre Männerarbeit.“ So schwer sei es letztlich aber gar nicht gewesen, das Holz zu bearbeiten. Damit hat Murat gerade erst angefangen. Ein Rap-Zeichen will der 22-Jährige ins Holz schnitzen. „Ich war noch nie so künstlerisch“, sagt er. Jetzt freue er sich aus einem Brett „was Kreatives zu machen“.

Zweimal wöchentlich am Nachmittag, nach Schule oder Arbeit, kommen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in die Bildhauerwerkstatt. „Wir wollen nicht wissen, welche Straftaten sie begangen haben“, sagt Petra Väth, Leiterin der Jugend-Kultur-Werkstatt. „Es ist wichtig, dass sie hier sind und bei Null anfangen.“ Alle Teilnehmenden bekämen zu Beginn eine Sicherheitseinführung, würden lernen mit vielen verschiedenen Materialien umzugehen und dabei auch mal an ihre Grenzen zu stoßen. „Das erfordert viel Ausdauer, Motivation und eine hohe Verantwortung“, sagt Väth.

(Die Namen der Teilnehmenden wurden von der Redaktion geändert)

Die Kunstwerke, die die jungen Menschen in der Jugend-Kulturwerkstatt Gallus fertigen, werden verkauft.

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