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Das Gallus sei ein Paradebeispiel für gelungene Integration, finden Bewohner und Ortsbeirat.

Gallus

Besser zusammenleben

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Eine Studie beschäftig sich mit Migration und Sicherheit im Frankfurter Gallusviertel. Der Titel sorgte allerdings in der Sitzung des Ortsbeirats für Ärger.

Der Titel eines Forschungsprojekts stößt in der Sitzung des Ortsbeirat 1 auf Verärgerung. „Migration und Sicherheit in der Stadt“ (migsst) heißt das Programm, dass in acht Quartieren in vier deutschen Städten durchgeführt werden soll. Unter anderem im Frankfurter Stadtteil Gallus. Der Name unterstelle, dass es in Vierteln mit hohem Migrationsanteil mehr Kriminalität gebe, bemängeln Stadtteilpolitiker und Bürger. Die am Dienstagabend im Ortsbeirat vorgestellte Studie beschäftigt sich mit den Herausforderungen, denen sich Städte und Gemeinden durch die Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen zu stellen haben.

„Das ist eine richtige Provokation“, sagt Winfried Becker, Leiter des Gallus Theaters und Mitglied im Regionalrat Gallus. Das Viertel habe eine sehr hohe Integrationsrate und übernehme eine Vorreiterrolle. Was die Menschen vielmehr bedrohe, seien Mieterhöhungen - von Gewalt und Unsicherheit sei nichts zu spüren. Quartiersmanagerin Maria Schmedt nimmt sehr wohl Konflikte war. Das Problem sei aber eher die Enge im Viertel, etwa dass Kinder keinen Platz zum Spielen haben oder der Kampf um den Parkraum.

Man habe nicht nach Problemvierteln geschaut, versucht Christiane Howe von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW in Münster zu beschwichtigen. Man untersuche bundesweit gewachsene Quartiere mit einer langjährigen migrantischen Community, nah am Zentrum, die unter Gentrifizierung leiden. Das Gallus sei ein Viertel, wo schon viel passiert sei. Herausgearbeitet werden soll, wie die Menschen zusammenleben, aber auch, wo sie sich gerne aufhalten und wo nicht.

Das Projekt wolle die Situation sozial, ideologisch, kriminaltechnisch, medial sowie empirisch, also vor Ort, untersuchen, sagt Howe. Dafür werden sie mit Polizei, Ämtern, Politikern, Vertretern von Initiativen sprechen und Experten interviewen. Das Ziel sei, Interaktion und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, etwa ob es etwas zu verbessern gibt oder wie Viertel gestaltet werden müssen, um sie weiter nach vorne zu bringen. Zudem Muster herauszuarbeiten und aus guten Ansätzen lernen. Möglicherweise könnten davon auch andere Kommunen profitieren.

Einige Ortsbeiratsmitglieder schlagen für das Projekt einen anderen Namen vor. Einen, der weniger rassistisch sei und niemanden ausgrenze, sagt Hanna Große Vorholt (Öko Linx), der eher die Vielfalt heraushebe. Das sei kaum möglich, sagt Hove, das Projekt habe schließlich schon begonnen.

Unter dem Aspekt Sicherheit will die Studie Konflikte mit Vermietern, Behörden, Nachbarn, aber auch Lärmbelästigung und Verschmutzung bis hin zu Straftaten wie Körperverletzung, Diebstahl oder Drogen erfassen.

Untersucht wird auch die Infrastruktur wie Schulen, Kitas, Spielplätze oder Religionstätten. Es gehe aber nicht um Flüchtlinge, die erst kurz hier leben, sagt Howe auf Nachfrage. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Studie, Projektpartner sind die Deutsche Hochschule der Polizei, Universitäten und das Bundeskriminalamt (BKA).

Welches andere Frankfurter Viertel in der Studie betrachtet wird, wollte Howe nicht verraten. Das Projekt soll auch dort zunächst im Ortsbeirat vorgestellt werden, möglichst noch im Mai. Auch die anderen Städte dürfe sie nicht nennen. Die endgültigen Ergebnisse werden ebenfalls ohne Namen und Angaben der Städte veröffentlicht.

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