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Michele Ruggeri hat im World Shop eine neue Tätigkeit als Verkäufer gefunden.

Gallus

Gallus: Lernen beim Verkaufen im World Shop

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Im neu eröffneten Geschäft der GFFB an der Mainzer Landstraße finden Kunden Günstiges aus zweiter Hand und Arbeitssuchende zurück in den Job.

Ein Schlips wandert für einen Euro über den Ladentisch. Eine Frau kauft ein T-Shirt, Eltern Hosen und Pullover für ihr Kleinkind. Michele Ruggeri steht an der Kasse und rechnet ab. Sein Job im World Shop an der Mainzer Landstraße gefällt ihm gut. Jeden Tag lerne man andere Leute kennen. Bevor er vom Jobcenter vermittelt wurde, war er sieben Jahre lang arbeitslos. Seine Arbeit auf der Baustelle konnte der 58-Jährige nicht mehr ausüben, Kreuz- und Knieprobleme. Er freue sich, dass er bei der GFFB (Gemeinnützige Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft) die Möglichkeit bekommen hat. Er ist nun bei dem Bildungsträger sogar fest angestellt.

Ende September hat der World Shop mit einem großen Schaufenster direkt an der Mainzer Landstraße eröffnet. Vorher war der Laden mit kleineren Räumen im Hinterhof untergebracht. Im Gebäude ist auch der Hauptsitz der GFFB, die hier aus- und weiterbildet, auch einige Männer. Die Teilnehmer schickt das Jobcenter.

Mitarbeiterin Tessy Smart im World Shop. 

Der World Shop verkauft Kleidung, Accessoires, Spiele und einige Haushaltsartikel aus zweiter Hand. Gut erhaltene Sachen können im Laden abgegeben werden. Die Kleidung wird gewaschen, wenn nötig auch repariert. Das Geschäft ist gut besucht, Kunden stöbern in Regalen und zwischen Bügeln. „Es ist schön zu sehen, wie viele Leute kommen“, sagt Anette Vanderwege, Fachleitung Handel.

Dank der neuen Lage komme viel mehr Laufkundschaft. Das Publikum sei gemischt, Menschen, denen wenig Geld zur Verfügung stehe, aber nicht nur. Wer seinen Frankfurt-Pass zeigt, bekommt die Produkte billiger. „Wir verkaufen nur gut erhaltene Sachen, keinen Ramsch.“

Vanderwege fände es schön, wenn der Laden zu einem Treffpunkt im Gallus werden würde. Und die Teilnehmer seien mit Herzblut dabei. „Die haben Ideen und Spaß bei der Arbeit.“ Sie kommen aus unterschiedlichen Arbeitsmarktprojekten der GFFB im Shop zusammen. Beraten, verkaufen oder arbeiten im Lager.

Die neuen Räume des World Shops direkt an der Mainzer Landstraße. 

Neben Umschulungsprogrammen, sollen auch Langzeitarbeitslose wieder in den Beruf finden und verschiedene Arbeitsbereiche kennenlernen. Büro, Lager, Handel oder Hauswirtschaft zum Beispiel. Sie arbeiten außerdem im hauseigenen Café, der Näh-, Holz- und Fahrradwerkstatt. Die Gründe, warum die zum Großteil Frauen arbeitslos sind, seien vielfältig, sagt Geschäftsführerin Barbara Wagner. Neben Sprachproblemen, liege es an fehlender Kinderbetreuung, Erkrankungen und privaten Problemen.

Über dem großen Verkaufsraum des Ladens sitzen Frauen an einem Tisch zusammen. Die Teilnehmerinnen eines Alphabetisierungsprogramms fertigen selbstgemachte Beutel, Puppen, Kinderkleidung oder hippe Kimonos an. Gemeinsam mit Designerinnen entwickeln sie Ideen, sagt Wagner.

Die Migrantinnen lernen und arbeiten gleichzeitig. Kein Frontalunterricht sondern gemeinsam, das habe sich erprobt, sagt Wagner. Dass die Produkte direkt im Laden verkauft werden, bestärke die Frauen zusätzlich. Das sei ein toller Kreislauf.

Der World-Shopan der Mainzer Landstraße 349 ist montags bis freitags von 10-15 Uhr geöffnet, Telefon: 951 09 72 40, E-Mail: worldshop@gffb.de. Spenden können während der Öffnungszeiten abgegeben werden.

Von Judith Könecke

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