Karin Beuslein im Garten hinter dem Bilderhaus.
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Karin Beuslein im Garten hinter dem Bilderhaus.

Kunst

Galeristin in Frankfurt: Unterwegs auf den Spuren der Kunst

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Galeristin und Kunstvermittlerin Karin Beuslein feiert ihren 80. Geburtstag und eröffnet eine neue Ausstellung.

Unter einem knorrigen Baum im Garten steht der alte Marmortisch, an dem sie ihren Gast empfängt. Bevor Karin Beuslein den Kaffee kredenzt, macht sie stolz auf die sorgsam gehegte Blütenpracht ringsum aufmerksam. Und dann kommt sie rasch auf die nächste Ausstellung in ihrer Galerie „Das Bilderhaus“ zu sprechen: eine Hommage an die Textilkünstlerin Renate Hirzel. Es charakterisiert die Galeristin seit langem, dass sie lieber über die Akteure spricht, die sie ausstellt und fördert, als über sich selbst. Am morgigen Freitag feiert die Galeristin Karin Beuslein ihren 80. Geburtstag.

Sie hat ihr Leben der Kunst gewidmet. Jahrzehnte als Berufsschullehrerin, ebenso lang als Mitarbeiterin in der 1976 gegründeten Galerie „Der grüne Panther“. Seit 2009 führt sie ihr eigenes Haus an der Hermannstraße. Auf den Spuren der Kunstgeschichte bereiste sie die halbe Welt, von Afrika bis Südamerika, von Russland bis Vietnam, von Spanien bis Persien. Sie gab Kurse in Aktzeichnen ebenso wie in Malerei. Von 1974 bis 1977 ging sie nach Tansania. Nicht als „Entwicklungshelferin“. Dieses Wort fand sie schon damals falsch und diskriminierend. Sie unterrichtete tansanische Jugendliche, vertiefte sich in die Kultur des Landes, brachte die dortige Tingatinga-Malerei nach Europa.

Ihr Leben lang war und ist sie eine Vermittlerin im besten Sinne des Wortes. Unterrichtete im peruanischen Lima am dortigen „Colegio Aleman“, zwei Jahre aber auch in Kastilien an der Universität von Cuenca. Beuslein strahlt Offenheit aus für die verschiedensten Kulturen. Sie hat gelernt, ohne Vorurteile und europäischen Hochmut alten Kulturvölkern in Afrika und Asien zu begegnen.

Ausstellung

Textile Bilder von Renate Hirzel sind das Thema der Ausstellung, die am Donnerstag, 6. August, um 19 Uhr in der Galerie „Das Bilderhaus“ in Frankfurt am Main, Hermannstraße 41, eröffnet wird.

Die 1996 gestorbene Künstlerin hatte die Galerie „Der grüne Panther“ von 1979 bis 1988 geführt. Die Stoffbilder, Wandbehänge und Batikstoffe zitieren Elemente des Bauhauses.

Und sie wollte und will etwas bewegen. Die Lehrerin ist geprägt worden von der Studentenrevolte, die sie seit 1964 an der Freien Universität in Berlin erlebt hatte. Ihr Schlüsselerlebnis kam am 2. Juni 1967, als bei Protesten gegen den Schah von Persien in Berlin der Student Benno Ohnesorg als friedlicher und wehrloser Demonstrant vom Polizeimeister Karl-Heinz Kurras erschossen wurde. Einfach so. Sie nahm Teil an den Trauermärschen von Zehntausenden danach, und sie beschloss, dass sich etwas ändern müsse in dieser Gesellschaft. Aber ihr war klar, dass sie selbst etwas dafür tun musste. Das war die Triebfeder für alles, was folgte.

Wir tauchen ein in die kühlen Räume der Galerie. Und Beuslein spricht wieder nicht von sich, sondern über Renate Hirzel, deren textile Arbeiten hier an den Wänden hängen. Sie hatte die Galerie „Der grüne Panther“ von 1976 bis 1988 geführt, war für Beuslein zur Freundin geworden. „Ich habe lange schon vorgehabt, an sie zu erinnern.“ Von verschiedenen privaten Sammlern und aus ihrem eigenen Depot trug sie Werke der 1996 verstorbenen Künstlerin zusammen.

Geometrische Figuren, Linien, geformt aus Stoff und Garn, aber auch aus Hunderten von Perlen und Goldblech. Hirzel lehnte sich an die Künstlerinnen und Künstler des Bauhauses an, entwickelte aber ihren eigenen Stil. Am 6. August eröffnet Beuslein die Hommage an die tote Freundin im „Bilderhaus“.

Bis heute ist die Galeristin weltweit unterwegs auf den Spuren der Kunst. Es hält sie nicht zu Hause. Stets bereitet sie eine Reise vor, erzählt mit strahlenden Augen von der Tour, die sie gerade plant. Zu Hause würde sie sich langweilen. „Ich muss etwas rühren“: Das ist so ein klassischer Satz von ihr. Dabei ist Karin Beuslein nie laut, immer dezent. Aber ihre Entschlossenheit, ein Ziel zu erreichen, sollte niemand unterschätzen.

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