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Gäste der Frankfurter Tafel: Dankbar für jedes Lebensmittel

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Von: Steven Micksch

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Die Warteschlangen vor den Tafeln werden länger.
Die Warteschlangen vor den Tafeln werden länger. © ROLF OESER

Die Frankfurter Tafel versorgt 12 000 Menschen regelmäßig mit Essen – und die Zahlen steigen. Auch weil die Lebensmittelpreise den Leuten zu schaffen machen.

Xavier Legorreta flitzt von einer Person zur anderen. Mal spricht er deutsch und verteilt ein paar Essensmarken an wartende Gäste, dann telefoniert er auf Spanisch mit einer Mutter und erklärt ihr das Prozedere, zu guter Letzt wechselt er noch ins Englische, um sich mit einer anderen Frau zu unterhalten.

Legoretta ist der Leiter der Ausgabestelle der Frankfurter Tafel im Stadtteil Höchst. Der gebürtige Mexikaner hat den Laden im Griff, auch dank seines Teams, das am Freitag aus zehn Helferinnen und Helfern besteht. Seit dem Morgen packen die Ehrenamtlichen Brot in Tüten, sortieren die Waren, die der Tafel gespendet wurden, und händeln die Ausgabe der Lebensmittel.

Die Ausgabestelle in Höchst hat als einzige ein Kühlhaus, deshalb kann die Ausgabe bereits beginnen, bevor die Kühlautos der Tafel mit weiteren Lebensmitteln ankommen. Das Auto bringt 70 bis 100 Kisten nach Höchst. An diesem Tag liegt die Zahl eher im unteren Bereich – kein sonderlich guter Tag.

Da kommt es gelegen, dass an diesem Tag der buddhistische Verein seine jährliche Spendenaktion durchführt. Für 750 Euro haben sie zusätzliche, haltbare Lebensmittel gekauft und verteilen sie an die Gäste der Tafel. Jedes zusätzliche Lebensmittel ist ein Hilfe für die Menschen, so hört man es in Gesprächen mit den Gästen heraus.

Eine vierfache Mutter aus Unterliederbach kommt seit vier Jahren zur Tafel – alle 14 Tage können die Menschen erneut zur Ausgabe kommen. Sie lobt das Team der Ausgabestelle, das gerecht verteile, so dass jeder und jede etwas bekomme. „Bei uns reicht es dann meist für vier Tage“, sagt die 37-Jährige mit Blick auf ihren sechsköpfigen Haushalt. „Wir sind dankbar für alles, was wir bekommen.“ Besonders in jüngster Zeit angesichts der gestiegenen Lebensmittelpreise. „Es ist fast unmöglich für uns, etwas anderes zu kaufen als Lebensmittel“, sagt die Mutter. Das Einkaufen mache keinen Spaß mehr, sie müsse sehr auf den Preis achten und so günstig wie möglich kaufen.

Auch eine 55-jährige Zeilsheimerin berichtet von der schwierigen Situation angesichts der gestiegenen Lebensmittelpreise. 150 bis 200 Euro habe sie im Monat zum Leben. Die Arbeit der Tafel sei da eine große Erleichterung. Sie attestiert den Mitarbeitenden eine gute Organisation und sagt, das Essen sei stets gut. Vor dem Krieg in der Ukraine hatten die an sie ausgegebenen Lebensmittel fast für 14 Tage gereicht. Nun sei alles anders, weil das Essen geteilt werde. Etwa 4000 ukrainische Geflüchtete werden sei einigen Monaten von der Tafel mitversorgt. Böse ist die 55-Jährige darüber nicht. „Für mich ist es selbstverständlich zu teilen, die Leute können ja nichts dafür.“

Spenden

Haltbare Lebensmittel können direkt in der Geschäftsstelle der Frankfurter Tafel in der Vilbeler Landstraße 15 abgegeben werden.

Geldspenden können an das Konto mit der IBAN DE91 5019 0000 0077 0089 26 gerichtet werden.

Antworten auf alle spezifischen Fragen zur Tafel oder Ehrenamtsmöglichkeiten gibt es per E-Mail info@frankfurter-tafel.de oder unter Tel. 069/49 80 825. Alle Infos auch unter www.frankfurter-tafel.de im Internet. mic

Eine weitere Frau in der Warteschlange berichtet, dass sie seit 2017 zur Ausgabe in Höchst komme. Sie kommt aus dem Irak und erhält wie die meisten vor Ort Unterstützung vom Jobcenter. Diese reiche aber nicht aus, die 59-Jährige aus Höchst bessert ihr monatlich zur Verfügung stehendes Geld mit ein paar Stunden Kinderbetreuung auf. Sie spricht Arabisch, formidables Englisch und auch etwas Deutsch.

Die Lebensmittel der Tafel seien eine große Hilfe, aber noch wichtiger sei ihr das Lächeln der Ehrenamtlichen. Es sind harte Zeiten, doch die Frau wirkt trotzdem fröhlich. Am Ende sagt sie noch: „Ich würde gern mehr geben und nicht nur nehmen.“

Nicht nur die Gäste der Tafel sind von den steigenden Preisen betroffen, auch die Tafel selbst spürt es. Die Logistikkosten haben sich etwa durch die höheren Treibstoffpreise mehr als verdoppelt. Gut 8000 Euro sind jetzt monatlich nötig. Hinzu kommt, dass im Handel ebenfalls die Warenlogistik anpasst wurde und es weniger Lebensmittel für die Tafel gibt.

Der gemeinnützige Verein ist deshalb auch über Privatspenden dankbar, nicht nur in monetärer Form, sondern in Form von haltbaren Lebensmitteln wie H-Milch, Reis, Nudeln oder Konserven. Diese können in der Zentrale in der Vilbeler Landstraße 15 abgegeben werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Tafeln, Rainer Häusler, berichtet im Gespräch mit der FR, dass man die Situation mit den Geflüchteten aus der Ukraine mittlerweile im Griff habe. Allerdings seien weitere ehrenamtliche Helfer und mehr Spenden erforderlich.

Gut 200 Helferinnen und Helfer engagieren sich bei der Frankfurter Tafel, dazu kommen noch fünf Hauptamtliche und der ehrenamtliche Vorstand. Etwa 12 000 Menschen versorge man in Frankfurt an den zwölf Ausgabestellen im Stadtgebiet, plus die knapp 4000 Menschen aus der Ukraine und etwa 15 000 Menschen, die in kooperierenden Sozialeinrichtungen mit Lebensmitteln der Tafel versorgt würden.

Häusler bestätigt, dass es einen Trend gibt, dass mehr Menschen zur Tafel kommen. Ob der Bedarf gestiegen ist oder die Menschen ihre Scham überwunden haben, vermag er nicht zu sagen. Diesen Trend habe es aber schon vor dem Krieg und den steigenden Preisen gegeben.

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