Susanne Gaensheimer in den Ausstellungsräumen.
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Susanne Gaensheimer in den Ausstellungsräumen.

MMK Frankfurt

Gaensheimer geht

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Susanne Gaensheimer, die zupackende MMK-Direktorin, reißt mit ihrem Weggang eine große Lücke in der Frankfurter Kulturlandschaft.

Damals wurde ein Traum wahr. 19. Juni 2011: Auf dem früheren Degussa-Gelände zwischen Main und Weißfrauenstraße eröffnet Frankfurts größte Ausstellung moderner Kunst. 4000 Quadratmeter Fläche bietet das alte Bürogebäude des ehemaligen Industrieunternehmens. Wo vorher Schreibtische standen, kann das Museum für Moderne Kunst (MMK) bis Oktober Werke aus seiner umfangreichen Sammlung präsentieren. Große Namen finden sich auf mehreren Etagen: Werke von Ai Weiwei über Francis Bacon und Thomas Demand bis hin zu Rosemarie Trockel. Endlich kann das Museum einmal ausbreiten, was sonst weitgehend ins Depot verbannt bleibt – aus Platzmangel.

„Diese Ausstellung damals auf dem alten Degussa-Gelände war wirklich ein Highlight – das wäre ohne Susanne Gaensheimer und ihre Hartnäckigkeit nicht möglich gewesen“, erinnert sich Sebastian Popp, der kulturpolitische Sprecher der Grünen im Römer.

Der Konzern Deutsche Immobilien Chancen (DIC), der auf dem Gelände das neue Main-Tor-Quartier mit Büros und Wohnungen entwickelt, hatte dem Museum 2011 die Zwischennutzung angeboten. Und die Direktorin nahm das Angebot kurzentschlossen an – unterstützt von der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU).

Die Schau auf dem Degussa-Gelände ist ein gutes Beispiel für die zupackende Entschlossenheit, mit der Susanne Gaensheimer das Museum für Moderne Kunst geführt hat. Am Montag hat sich in der Kulturszene in Frankfurt langsam herumgesprochen, dass die Museumschefin der Stadt den Rücken kehren möchte – um die Leitung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zu übernehmen. „Sie hat eine tolle Arbeit gemacht in Frankfurt – Susanne Gaensheimer wird man nicht leicht ersetzen können“, sagt Popp.

Nur kurze Zeit nach der Ausstellung auf dem Degussa-Gelände bietet sich Gaensheimer eine neue Chance, dem MMK mehr Fläche zu verschaffen. Dieses Mal dauerhaft.

Das US-Immobilienunternehmen Tishman Speyer offeriert Räume im neuen Büro-Hochhaus Taunusturm am Taunustor. Im zweiten Stockwerk stellt die Firma 2000 Quadratmeter für die Kunst zur Verfügung. Kunstwerke im Büroturm? Während Puristen noch die Nase rümpfen, ergreift Gaensheimer die Gelegenheit beim Schopf – daraus wird am Ende im Jahre 2014 die Dependance MMK 2. Die Direktorin hat Vorbilder in Japan oder Südkorea im Auge – dort finden Kulturinstitutionen schon lange Unterschlupf in Bürotürmen.

Im Januar 2009 hat die Kunsthistorikerin die Führung des MMK übernommen, damals als Nachfolgerin von Udo Kittelmann. Zuvor hatte sie von 2001 bis 2008 die Sammlung für Gegenwartskunst in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München geleitet.

Der Wechsel Gaensheimers nach Düsseldorf, über den am heutigen Dienstag in Nordrhein-Westfalen offiziell entschieden wird, steht im Sommer an. „Für Frankfurt ist das sehr bedauerlich – aber ich wünsche ihr Fortune in ihrer neuen Position“, sagt der Grüne Popp. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), die von der Museumsdirektorin frühzeitig über die Wechselabsicht informiert worden ist, muss jetzt mit der Suche nach der Nachfolge beginnen. „Ich hoffe, dass wir wieder eine Frau für das Museum finden, denn Frauen in Führungspositionen sind in der Kultur rar“, so Sebastian Popp. Tatsächlich wird Gaensheimers Wechsel eine große Lücke in die Kulturlandschaft der Stadt reißen.

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