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Fast so laut wie die Flugzeuge: die Jagdbläser.

Sachsenhausen

Ein Fürstengruß an 2019

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Die Bläser des Sachsenhäuser Jagdclubs begrüßen an der Ruine des Goetheturms in Frankfurt das neue Jahr.

Der erste Spaziergang des Jahres führt Helga Schumacher und Ursula Kohlmann traditionell am ehemaligen Goetheturm zusammen. Vor der Ruine des abgebrannten Holzturmes werden die Freundinnen am Neujahrsmorgen musikalisch empfangen.

Die Jagdhornbläser-Gruppe des Sachsenhäuser Jagdklubs begrüßt beim 29. „Turmblasen“ mit aufgeblasenen Wangen das neue Jahr. 16 Frauen und Männer mit Hüten und langen, tannengrünen Lodenmänteln stimmen Märsche und „Jagd-Signale“ an, die sonst die einzelnen Stufen von „Gesellschaftsjagden“ untermalen, wie Jagdklub-Vorsitzender Simon Böll zu Beginn erläutert.

Zwei Alphornbläser machen ebenfalls dicke Backen, um ihren langen hölzernen Instrumenten Melodien zu entlocken. Währenddessen raschelt der Wind im hohen Geäst und immer wieder rauschen tief fliegende Flugzeuge vorbei. Rund 200 Besucher stehen zwischen verriegelten Holzbuden, die noch vom Weihnachtsmarkt übrig geblieben sind und lauschen den, teilweise nur mehrere Sekunden dauernden, Stücken, mit Titeln wie „Hirtenruf“ oder „Fürstengruß“.

Dazwischen, „damit die Bläser zu Luft kommen“, wie Böll sagt, erzählt der Vereinsvorsitzende launig eine Geschichte über den Hobbyjäger „Hubertus Erfolglos“, der sich mit allerlei technischem Schnickschnack in den Wald begibt, die anderen Jäger durch unpassendes Verhalten stört und seine vergeblichen Jagdversuche zu allem Überfluss live ins Internet überträgt.

„Das Konzert ist alter Brauch und gehört für uns zu Neujahr dazu“ sagt Helga Schumacher. „Schöner war es, als der Turm noch da war“, findet Ursula Kohlmann. Die 75-Jährige ergänzt: „Hoffentlich wird er schnell wieder aufgebaut“. Der Turm sei „Magnet für Eltern und Kinder“ gewesen. „Wir kennen ihn schon aus der Kindheit und er gehört zu Sachsenhausen dazu“, fügt ihre 80-jährige Freundin hinzu. 2000 Euro habe der Sachsenhäuser Jagdklub für den Wiederaufbau bei seinem Sommerfest gesammelt, berichtet Böll. Auch an diesem Vormittag steht eine Sammelbox neben dem Glühweinstand. Böll schätzt, der Wiederaufbau beginnt 2020 oder 21. Außen solle der Turm wieder ein Holzfassade haben, erzählt der 47-Jährige, innen einen Metallkern und Fahrstuhl.

Mit dem Neujahrsständchen will Böll eine „starke Jagdhorn-Bläsergruppe“ präsentieren. Aber auch „im städtischen Bereich einen Bezug zur Jagd herstellen“. Die Grünröcke seien gefragt, für Aufklärung zu sorgen, wenn etwa Füchse in die Stadt kämen oder Kinder Steine auf Wildschweine werfen würden. „Wir wollen in schöner Kulisse für die Jagd im positiven Sinn werben“, sagt Böll.

Das schätzt Alfred Sauer, der mit seiner Frau und Freunden bereits zum zehnten Mal dabei ist. „Es ist ein gutes Event, um am Ersten morgens rauszugehen“, sagt der 63-jährige Sachsenhäuser. Eine 47-jährige Offenbacherin, die ihren Namen nicht verraten möchte, wandert regelmäßig durch den Stadtwald zum Neujahrsblasen. „Das hat was von Community, dass Leute friedlich zusammen kommen.“ Im Gegensatz zu dem Lärm und der Knallerei am Vorabend sei das Turmblasen eine „schöne Art, das neue Jahr einzuläuten“.

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