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8:6 für Eintracht Frankfurt

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Von: Thomas Stillbauer, Georg Leppert

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Tapas sind fein, aber ...
Tapas sind fein, aber ... © PantherMedia / Nina Kolle

Der total objektive Städtevergleich vor dem Europapokalduell der Frankfurter Fußballer mit Real Betis Balompié Sevilla: Schon möglich, dass sie in Spanien besser tanzen können und mehr leckere kleine Speisen haben, aber gegen den Adler kommen sie trotzdem nicht an.

Klima
Es ist heiß in Sevilla, da müssen wir nicht lang drumherumreden. Enorm heiß. 36 Grad im Juli, der Durchschnittswert für 30 Jahre – und zwar von 1981 bis 2010. Die ganz harten Jahre des vorigen Jahrzehnts sind da noch gar nicht drin. In Sevilla verdörrst du also praktisch auf dem Weg zur Bodega oder zum Supermercado. Vielleicht kommen daher die Kommastellen bei den Einwohner:innen pro Quadratkilometer. Du schnorzelst vor Hitze einfach zusammen. In Frankfurt auch. Es ist praktisch nicht auszuhalten. Wir müssen was fürs Klima tun, Jeschäftsfreunde. Aber hier ist es nicht ganz so heiß wie in Sevilla. Noch. Punkt für Frankfurt. 1:0

Bevölkerungsdichte
Die puren Zahlen (laut Wikipedia): In Sevilla leben 4872,92 Menschen auf einem Quadratkilometer. In Frankfurt, obwohl Frankfurt bekanntlich die kleinste Metropole des Universums ist, nur 3077. Das spricht überraschenderweise schon mal für unser Städtchen am Main. Was uns aber in erster Linie betroffen machen muss, ist das Komma. In Sevilla passt also, wenn die 4872 voll sind, kein ganzer Mensch mehr in den Quadratkilometer. Ja, und dann? „Hola, wir suchen einen fast ausgewachsenen Teenager fürs Macarena-Viertel“? Punkt für Frankfurt. 2:0

Tänze
Die andalusische Stadt gilt als Wiege des Flamenco. Im Jahr 1838 gründete Miguel Barrera, genannt „El Platero“, eine der allerersten Flamenco-Tanzschulen. Es gibt in Sevilla das einzige Flamenco-Museum der Welt. Wenn in Frankfurt jemand aussieht, als würde er auf der Straße tanzen, dann versucht er in Wirklichkeit, den Hundehaufen auf dem Trottoir auszuweichen. Gut, wir hatten William Forsythe und seine Tanzkompanie, die ganz erstaunliche Werke auf die Ballettbühne zauberte. Trotzdem (auch wenn nicht ganz klar ist, warum Miguel Barrera „Der Silberschmied“ genannt wurde): Punkt für Sevilla. 2:1

ZUM SPIEL

Das Rückspiel im Achtelfinale der Europa League zwischen Eintracht Frankfurt und Betis Sevilla beginnt an diesem Donnerstag um 21 Uhr im Waldstadion. Die Eintracht hat das Hinspiel in Sevilla mit 2:1 gewonnen und so viele Torchancen versemmelt, dass es noch mal spannend werden könnte. Aber ein Unentschieden genügt den Gastgebern, während Sevilla mit zwei Toren Unterschied gewinnen müsste, um weiterzukommen.

25 000 Zuschauer:innen können im Stadion unter der 2Gplus-Corona-Regelung live dabei sein. Die Bewerbungsphase um die Tickets ist abgeschlossen.

Das Fernsehpublikum erlebt das Spiel ebenfalls live bei RTL oder im Internet-Streamingsender RTL+.

Lage
Sevilla ist mit Sicherheit eine schöne Stadt. Eine sehr schöne. Und eine historisch bedeutsame noch dazu. Sie liegt allerdings sehr weit unten links, muss man leider sagen. Fußballfreunde berichten, man müsse sonstwas anstellen, um dorthin und wieder zurück zu kommen, beispielsweise zu einem Auswärtsspiel der Europa League. Flugverbindungen mit 26 Stunden Zwischenstopp und so. Quasi nach Australien fliegen und dann mit dem Bus … irgendwas in der Richtung. Kann sein, dass es sich durchaus lohnt. Aber auch ein Besuch in Frankfurt lohnt sich. Und Frankfurt liegt ausgesprochen zentral. Punkt für Frankfurt. 3:1

Weltausstellungen
Sevilla hat bereits zwei Weltausstellungen ausgerichtet: 1929 und 1992. Zumindest die Expo vor dreißig Jahren war ein großes Fest. 18,5 Millionen Gäste kamen in die Stadt, Sevilla bekam einen Hochgeschwindigkeitszug nach Madrid, den vorige Woche übrigens viele Eintracht-Fans genommen haben. Außerdem wurde die Puente del Alamillo, eine ziemlich spektakuläre Brücke, anlässlich der
Expo gebaut. Und Frankfurt? Scheitert regelmäßig daran, eine Internationale Bauausstellung auszurichten. Was auch daran liegt, dass 98,5 Prozent der Menschen in der Region nicht wissen, was eine Internationale Bauausstellung eigentlich ist und was sie bewirken soll. Punkt für Sevilla. 3:2

Plätze
Die Plaza de España ist der berühmteste Platz in Sevilla und eine verdammt harte Konkurrenz für den Frankfurter Römerberg. 200 Meter Durchmesser, ein fulminanter Springbrunnen, 52 Bänke und 52 Fresken, die die 52 spanischen Provinzen darstellen. Und vor allem fließt ein Kanal durch die Plaza de España, den man über zahlreiche Brücken überqueren kann. Das ist schwer zu schlagen, auch wenn der Justitia-Brunnen schon schön ist, wenn er nicht gerade renoviert wird. Also Punkt für Sevilla? Nicht so schnell.
Auf dem Römerberg werden Katzen geehrt – mit Katzenfiguren auf dem Rathaus. Es waren nämlich Katzen, die im Mittelalter eine Mäuseplage in den städtischen Getreidesilos beendeten. Katzen sind tolle Tiere. Außerdem gibt es in Frankfurt Hinweise auf den Standort des Ochsengrills. Ochsen sind auch gute Tiere. Wegen Frankfurter Tierfreundlichkeit: Punkt für beide. 4:3

Essen
Was haben sie denn noch alles erfunden in Sevilla? Nicht nur der Flamenco, auch die Tapas sollen ihren Ursprung dort haben. Das sind keineswegs diese lustigen, etwas plump wirkenden Tiere mit dem kurzen Rüssel aus der Familie der Unpaarhufer, sondern kleine Speisen, die in Bars zu alkoholischen Getränken gereicht werden. Dazu zählen etwa Papas arrugadas (Kartoffeln mit Salzkruste), Pimientos de Padrón (kleine grüne Paprikaschoten), Datteln im Speckmantel, Hackfleischbällchen in Tomatensoße, Boquerones (Sardellenfilets in Essig und Öl) … bekommen Sie auch gerade unheimlich Appetit auf die kleine Speise, die in Frankfurt zu alkoholischen Getränken gereicht wird – einen schönen Handkäs? Na gut, noch ein Unentschieden, Punkt für beide. 5:4

Filmschauplätze
Klar, Sevilla kann mit großen Namen aufwarten. Tom Cruise hat dort gedreht. Für Mission Impossible II. Und auch Star Wars spielt in Sevilla. Echt? Nicht im Weltall? So, jetzt mal einen Gang niedriger. Die Handlung von Mission Impossible beginnt nur in Sevilla, und in Star Wars spielt eine Szene auf der Plaza de España. Aber auch nicht wirklich, der Platz wurde computergeneriert in den Film eingefügt. Das haben wir in Frankfurt nicht nötig. Zuletzt spielten die Serien „Skylines“ und „Bad Banks“ hier, Matthias Schweighöfer drehte in Frankfurt „What a Man“ und „Der Schlussmacher“. Und wir brauchen außerdem keinen Tom Cruise, denn wir haben Matula. Und Dr. Strack. Punkt für Frankfurt. 6:4

Flüsse
Der Guadalquivir (ist das ein komplizierter Name!) ist der fünftlängste Fluss in Spanien. Der Main (wie schön einfach ist dieser Name denn?) ist, wenn man berücksichtigt, dass Oder und Mosel reichlich Strecke im Ausland machen, der viertlängste Fluss in Deutschland und damit Champions League. Der Name des Letzteren ist übrigens keltischen Ursprungs – sie sagten „Moin“ zu ihm, während wir inzwischen zum ortstypischeren „Morsche“ übergegangen sind, wenn wir ihn treffen. Guadalquivir stammt aus dem Arabischen und bedeutet „der große Fluss“. Das hätte man auch einfacher ausdrücken können. Punkt für Frankfurt. Andererseits klingt es ziemlich schön. Punkt für Sevilla. Also Remis. 7:5

Stadionauslastung
Beim Hinspiel in Sevilla war das Stadion voll. Beim Rückspiel in Frankfurt wird es – Stand jetzt (Niko Kovac) – halbleer bleiben. Wäre das Spiel drei Tage später, könnte auch die Eintracht vor vollem Haus spielen. Die Leute würden sich um die Tickets reißen, es wäre endlich wieder Stimmung in der Bude, und die Eintracht hätte bessere Chancen aufs Weiterkommen. Die hessische Landesregierung könnte auch jetzt schon eine Ausnahme machen. Andere Landesregierungen sind schon längst verhandlungsbereit. In Wiesbaden aber heißt es: Gesetz ist Gesetz, volle Stadien sind erst ab 20. März wieder möglich, die Eintracht spielt am 17. März. Pech gehabt. Die Corona-Lage könnte sich ja noch verändern in den drei Tagen. Kann man machen, nur eine Bitte: Wenn die Eintracht im Mai den Europapokal gewinnt und auf dem Römer feiert, braucht es auf dem Balkon des Rathauses weder Volker Bouffier noch Boris Rhein. Punkt für Sevilla. 7:6

Stadtwappen
Das Emblem, das in Sevilla überall zu sehen ist, zeigt die Buchstaben NO und DO und dazwischen ein Wollknäuel in Form einer Acht. Auf Spanisch heißt „Wollknäuel in Form einer Acht“ schlicht „Madeja“. Ganz leicht abgewandelt und mit den richtigen Trennungen ergibt sich deshalb auf der Fahne der Satz „No me ha dejado“. Heißt: Sie hat mich nicht verlassen. Also, die Stadt Sevilla hat mich nicht verlassen. Warum auch? Eigentlich verlässt doch ein Mensch eine Stadt. Etwa von Frankfurt nach Berlin oder Mönchengladbach, weil dort die Fußballklubs angeblich besser sind. Aber umgekehrt? Muss man wohl im übertragenen Sinne verstehen. Die Stadt, die immer Anker im Leben eines Mannes ist, der trotz aller Metamorphosen … ach nee, das ist alles zu kompliziert. Frankfurt hat einen Adler und gut ist. Punkt für Frankfurt. 8:6

... nicht feiner als ein Handkäs.
... nicht feiner als ein Handkäs. © PantherMedia / mayeruwe
Die Plaza de Espana in Sevilla. Toll.
Die Plaza de Espana in Sevilla. Toll. © PantherMedia / catolla
Der Römerberg. Genauso toll.
Der Römerberg. Genauso toll. © Blatterspiel/Jan Huebner

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