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9:5 für die Eintracht

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Von: Thomas Stillbauer, Georg Leppert

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Frankfurt gewinnt den Städtevergleich mit Marseille. Ganz klar.
Frankfurt gewinnt den Städtevergleich mit Marseille. Ganz klar. © FR

Der total objektive Städtevergleich vor dem Champions-League-Spiel der Eintracht gegen Olympique Marseille.

Mögen die Franzosen auch längere Wanderwege und Bürgermeister haben – Frankfurt gewinnt den Städtevergleich mit der Stadt des Champions-League-Gegners. Unter anderem, weil wir mehr mit dem Rad fahren und nicht auf die finnische Flagge angewiesen sind.

Gründungsmythos

Wir hatten tatsächlich noch keinen Städtevergleich mit Marseille? 2018 nichts? Na fein, dann können wir ja ganz frisch auf die Entstehungsgeschichte beider Städte eingehen. Marseille entstand demnach, als griechische Seefahrer an der Küste anlandeten, wo gerade ein keltischer König einen Gatten für seine Tochter suchte. Wohl schon immer ein internationaler Ort gewesen, dieses damalige Massalia. Die Tochter erwählte einen der Griechen, alle zusammen gründeten die Ansiedlung. Kann man so machen. Frankfurt hingegen … erwähnten wir schon einmal, wie herzerwärmend die Geschichte von der Hirschkuh ist, die … ja? Mit ihrem Kalb? Die Furt? Durch den Main? Für Karl den Großen? Gegen die Sachsen? Ja? Na dann ist ja alles klar. Punkt für Frankfurt. 

Karl, Kuh, Kalb und Furt, das ist Frankfurt.
Karl, Kuh, Kalb und Furt, das ist Frankfurt. © Monika Müller

Verkehr

Wir müssen weg vom Auto. Ganz klar. Mit dem Rad fahren, zu Fuß gehen oder Bus und Bahn. In Frankfurt taten das bei einer Zählung 16 Prozent (Rad) beziehungsweise 32 Prozent (Fuß) und 24 Prozent (ÖPNV, Stand: 2017). Marseille: Fußgängerverkehr 37 Prozent, ÖPNV 14, Motorrad drei, Fahrrad 0,4 Prozent. Null Komma vier?! Na gut, diese Zahlen stammen von 2009. Aber da wurde bereits zwei Jahre zuvor der öffentliche Fahrradverleih Le Vélo installiert. Man kann nur hoffen, dass die Maßnahme in den folgenden 13 Jahren das Fahrrad noch ein wenig ins Rollen gebracht hat. Böse Zungen behaupten, in der Gegend herumliegende Leih-Verkehrsmittel hätten mancherorts eher abschreckende Wirkung. Wie auch immer: Punkt für Frankfurt. 

Ein „bisschen“ mehr als 0,4 Prozent. Gut so!
Ein „bisschen“ mehr als 0,4 Prozent. Gut so! © Michael Schick

Wanderwege

Frankfurt ist stolz auf seinen Grüngürtel-Rundwanderweg, der schon Preise gewann. 68 Kilometer rund um die Stadt, immer im Grünen, die Nidda zur Seite, komische Kunst, das Grüngürteltier – was willst du mehr? Ja, schon, wenn du da zu Fuß gehst, wirst du von Rennradfahrern umgenietet, und wenn du mit dem Rad fährst, ärgerst du dich über die Hoppelstrecke, aber trotzdem, wo soll es denn etwas Tolleres geben? Ach? In Marseille? Den Metropolenwanderweg GR 2013? Eröffnet 2013? Pffft. Den Grüngürtel-Wanderweg gibt es praktisch seit Menschengedenken! Wie? Der GR 2013 durchquert 38 Kommunen, streift römische Kastelle, Eisenbahnstrecken, Industriebrachen, Natura-2000-Gebiete, zwei Gebirgsketten? Für die ganze Strecke braucht man gut zwei Wochen? Es gibt Internet-Beobachtungsposten, ein Foto-Observatorium mit 100 ausgewählten Aussichtspunkten, die jährlich fotografiert werden, ein Erkundungsprojekt des Rates für Architektur, Stadtplanung und Umwelt? Audiospaziergänge? Auch nicht schlecht. Aber das Grüngürteltier! Na gut. Punkt für Marseille. 

Zum Spiel

An diesem Mittwoch um 21 Uhr wird die Partie Eintracht Frankfurt gegen Olympique Marseille im Waldstadion angepfiffen. Es ist das letzte Heimspiel der Adlerträger in der Gruppenphase der Champions League. Die Eintracht sollte möglichst gewinnen, wenn sie noch eine Chance auf das Erreichen des Achtelfinals haben will. Immerhin: Das Hinspiel in Marseille ging mit 1:0 an die Frankfurter.

Das Stadion ist längst ausverkauft. Fürs Fernsehpublikum überträgt der Streamingdienst Dazn das Spiel live im Internet. Die Sendung beginnt um 20.45 Uhr. FR

Freizeitgestaltung

Wann immer sich mehr als ein Mensch in Marseille im Freien befindet, werden sofort Kugeln durch die Luft geworfen oder über den Boden gerollt. Man weiß das seit dem Asterix-Band „Tour de France“, also seit ca. 50 v.Chr. Das Spiel nennt sich Boule oder Pétanque, und wenn es gerade läuft, dürfen keine Römer den Ort des Geschehens passieren, besonders dann nicht, wenn sie zwei Gallier verfolgen. Erst muss die Frage aller Fragen ausdiskutiert werden: werfen oder rollen? Dazu Pastis.

Was war zuerst da, der Wurf oder der Roller? Die Frage stellt sich in Frankfurt nicht.
Was war zuerst da, der Wurf oder der Roller? Die Frage stellt sich in Frankfurt nicht. © Memo Garcia/Imago

Wann immer sich in Frankfurt mehr als ein Mensch im Freien befindet, handelt es sich um den Garten einer Ebbelweiwirtschaft. Es werden dort weniger Kugeln als vielmehr Bembel bewegt und Karten gekloppt. Oder Würfel. Dazu Mispelchen. Punkt für beide. 

Dieser besondere Saft soll fließen.
Dieser besondere Saft soll fließen. © Andreas Arnold

Prachtbauten

Zugegeben, in dieser Kategorie hat Marseille schon einiges zu bieten. Es gibt da zum Beispiel den Palais du Pharo. Den hat Napoleon für seine Ehefrau errichtet. Nun überragt er den Alten Hafen. Die Gebäude, die den Frankfurter Westhafen überragen, sind einfach nur teuer. Oder sie sehen aus wie ein Geripptes, was nur am Anfang witzig war.

Fraglos ein Bild von einem Haus, der Palais du Pharo.
Fraglos ein Bild von einem Haus, der Palais du Pharo. © G. Thielmann/Imago

Aber: Auch wir haben Prachtbauten, und da müssen wir jetzt gar nicht mit Skyline und Goetheturm anfangen. Nein, den Sieg bei diesem Thema holen wir uns mit der Villa Meister in Sindlingen. Ein traumhaftes Anwesen. Und was in dem Haus nicht alles passiert. Therapiesitzungen, Drogenexzesse, Morde… War vor kurzem alles im Fernsehen zu bewundern. Punkt für Frankfurt.

Villa Meister im Sindlinger Meisterpark.
Villa Meister im Sindlinger Meisterpark. © Peter Jülich

Kriminalität

Vor ein paar Jahren noch liefen die coolen Kids in Frankfurt mit T-Shirts herum, auf denen stand: „Hauptstadt des Verbrechens“. Wenn also möglichst viel Verbrechen gut ist, dann geht dieser Punkt an Marseille, denn was dort vor allem im Norden der Stadt abgeht, das ist eine ganz andere Liga. Aber zum einen ist der beschriebene Modetrend längst vorbei, zum anderen bringt mehr Kriminalität auch immer härteres Vorgehen der Polizei mit sich. In Marseille gibt es rund 1600 Videokameras, mit denen die Beamtinnen und Beamte den öffentlichen Raum überwachen. Ihre Frankfurter Rundschau möchte das nicht. Und schließlich erinnern wir hier an den Eintracht-Fan Michael Brehl, der beim Hinspiel in Marseille von einer Rakete am Hals getroffen wurde und wochenlang im Krankenhaus lag. Das ist hochkriminell, das ist richtig übel, und deshalb kann dieser Punkt nur an Frankfurt gehen.

Ernährung

Die Bouillabaisse soll ihren Ursprung in Marseille haben, sagt man. Es handelt sich um eine Suppe, die „aus nicht verkauften Fischen, Crevetten und Muscheln“ gekocht wird (Quelle: Internet). Das klingt nicht sehr ermutigend, vor allem, weil es sich um Fisch handelt, und da weiß man ja, wohin nicht mehr ganz frische Ware führen kann (vgl. Badesalz: „Ei, isch hatt doch die Fischvergiftung“ – Monnemer Dialekt! Sowas wirst du ganz schwer wieder los). Als Spezialität gilt in Marseille auch Pansen vom Schaf. Äh, interessant. In Frankfurt schwört man auf Handkäs, Grüne Soße, Rippchen und Kraut. Hat’s uns geschadet? Eben. Bitte? Inzwischen nehmen sie Frischfisch da unten? Na gut. Punkt für beide. 

Grüne Soße, und gut iss.
Grüne Soße, und gut iss. © Detlef Sundermann

Hymnen

„Zu den Waffen, Bürger, formiert eure Truppen, marschieren wir, marschieren wir! Unreines Blut tränke unsere Furchen!“ Man muss ja nicht alles verstehen, was Nachbarländer in ihren Nationalhymnen so singen, aber „unreines Blut“? Wirklich? Es geht ähnlich blutrünstig weiter, und das Ganze nennt sich „Marseillaise“, weil Soldaten aus Marseille das Lied sangen, als sie im Sommer 1792 nach Paris einmarschierten, Stichwort Französische Revolution. Das ist eine ganze Weile her, da erhalten manche Worte im Lauf der Zeit einen anderen Zungenschlag. Trotzdem klingt es doch weitaus sympathischer, wenn die Hymne, die mit einer Stadt verbunden wird, so klingt: „Im Herzen von Europa liegt mein Frankfurt am Main“. Punkt für Frankfurt. 

33 Jahre Bürgermeister:
 Gaston Defferre.
33 Jahre Bürgermeister: Gaston Defferre. © Imago

Wappen

Wir haben in Frankfurt ja gerade eine Diskussion über unser Stadtwappen. Das wurde in der aktuellen Form in der NS-Zeit geschaffen. Wir sind uns sicher, dass diese Debatte noch intensiv geführt wird. Aber das Wappen von Marseille ist einfach die finnische Fahne. Und das verstehen wir nun überhaupt nicht. Warum Finnland? Weil der Schöpfer des Wappens zuvor Stand – Land – Fluss gespielt hat und Finnland und Frankreich beide mit F beginnen? Weil Olympique Marseille gerne Lukas Hradecky unter Vertrag nehmen würde? Weil Matti Nykänen 15 Jahre in Folge das Skispringen in Marseille gewonnen hätte, wenn es dort eine Schanze gäbe? Absurd. Punkt für Frankfurt.

Städtepartnerschaften

Der Klassiker im Städtevergleich. Frankfurt hat – treue Leser:innen wissen es – 17 Partnerschaften und Freundschaften. Marseille kommt in dieser Kategorie nur auf 14 Kommunen. Punkt für Frankfurt? Nee, wir führen eh schon deutlich, und Marseille hat Odessa als Partnerstadt. Das muss gewürdigt werden. Punkt für beide.

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