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Beim Spitzenduo zur Kommunalwahl - Bastian Bergerhoff und Martina Feldmayer - stimmte die Parität. War ja auch einfach bei einer geraden Zahl.
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Beim Spitzenduo zur Kommunalwahl - Bastian Bergerhoff und Martina Feldmayer - stimmte die Parität. War ja auch einfach bei einer geraden Zahl.

RÖMERBRIEFE

Römerbriefe: Fünfe gerade sein lassen

  • Sandra Busch
    VonSandra Busch
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Die Grünen wollen drei Männer und zwei Frauen in den Magistrat schicken. Wir wissen, wie das mit dem Frauenstatut der Partei vereinbar ist. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Römer.

Leppert: Ich bin ein Mann. Und ich wäre der viel bessere Verkehrsdezernent von uns beiden.

Busch: Ich bin eine Frau, und du spinnst. Außerdem fährst du manchmal mit dem Moped auf Radwegen.

Leppert: Aber nur weil du eine Frau bist, hättest du bei den Grünen bessere Chancen, in den Magistrat einzuziehen, als ich. Das ist ungerecht.

Busch: Nein, Georg, das ist das Frauenstatut der Grünen, und jetzt komm mal zurück von deinem 90er-Jahre-Trip und bereite dich auf die FDP heute Abend vor.

Wir haben ein Déjà-vu, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Wieder ist Mittwochmittag, die Römerbriefe müssen geschrieben werden, und am Abend entscheidet die FDP über den Koalitionsvertrag. So wie vor zwei Wochen. Aber dieses Mal machen wir keine Vorhersage für den Ausgang der Abstimmung. Inzwischen wissen Sie ja, dass wir gut im Vorhersehen sind. Schauen wir lieber auf Montagabend. Da stimmen die Grünen über die Ergänzung zum Koalitionsvertrag ab – und diskutieren über ihr Personaltableau. Und mit dem gibt es ein Problem.

Fünf Dezernatsposten sind zu vergeben, vorgeschlagen sind drei Männer und zwei Frauen. Eigentlich widerspricht das dem Frauenstatut der Partei. Danach sollen Gremien zu mindestens 50 Prozent mit Frauen besetzt werden. Die Partei, die eigentlich für sich in Anspruch nimmt, eine Vorreiterrolle in der Frauenpolitik einzunehmen, will also nun drei Männer und zwei Frauen in den Magistrat schicken. Da braucht es natürlich eine gute Begründung, denn eigentlich ist das Frauenstatut ein fundamentaler Grundsatz der Grünen. Der Vorstand spricht daher von so etwas wie einer zeitlichen Verteilung der Frauenquote. Denn die Amtszeit von Gesundheitsdezernent Stefan Majer endet in zwei Jahren, danach soll der Posten mit einer Frau besetzt werden. Sie wäre dann bis zur nächsten Kommunalwahl drei Jahre im Amt. Länger also als Stefan Majer. Über alle fünf Ämter und die gesamte Wahlperiode gesehen, werde so das Statut erfüllt, findet der Vorstand.

Die Frauenquote stimmt nach viel Rechnerei

Da werden also Monate aufaddiert und subtrahiert und schwupp, am Ende stimmt die Frauenquotenrechnung. Das können wir natürlich auch. Wir hätten da sechs Vorschläge, wie das Personaltableau mit drei Männern und zwei Frauen super zu begründen wäre.

1. Laut Statistik leben Frauen fast fünf Jahre länger als Männer. Sie haben also viel mehr Zeit, ein politisch wichtiges Amt zu bekleiden. Wenn also eine Frau zwei Jahre weniger lang im Magistrat ist, dann ist die niedrigere Lebenserwartung eines Mannes nicht einmal halb ausgeglichen. Muss man mit einrechnen.

2. Eingerechnet werden muss auch: Majer ist die ersten zwei Jahre der Wahlperiode im Amt, seine Nachfolgerin die letzten drei. Doch seien wir mal ehrlich: Die ersten zwei Jahre sind doch für die Füße. Niemand weiß bei einer Wahl noch, was vor vier oder fünf Jahren war. Seine Nachfolgerin hat also nicht nur die längere Zeit in dem Job, auch die wichtigere.

Kanzlerin Annalena Baerbock ist im Geiste dabei

3. Annalena Baerbock wird ja nun Kanzlerin. Und da die Bundespolitik Einfluss auf die Kommunalpolitik hat, sitzt sie quasi im Geiste mit an jedem Tisch und in jedem Gremium. Annalena ist immer und überall. Voilà, da ist die dritte Frau, alles ausgeglichen, und es kostet die Stadt nicht mal einen Cent mehr.

4. Bei den Grünen gibt es mehr weibliche Stadtverordnete. Und die Grünen stellen die Stadtverordnetenvorsteherin. Jaja, alles ehrenamtliche Tätigkeiten, aber man muss ja die Gesamtheit des politischen Einflusses sehen. Und da haben die Frauen bei den Grünen alles in den Händen. Insgesamt fällt doch so ein winziger Dezernatsposten dann gar nicht ins Gewicht. Die Masse macht’s.

5. Das Umweltdezernat ist in der Hand einer Frau, in der von Rosemarie Heilig. Das Umweltressort ist wichtig für die Grünen, zukünftig soll in Frankfurt schließlich alles vom Grün her gedacht werden. Und weil der Posten als Umweltdezernentin so wichtig ist, Heilig bei allen Entscheidungen mitreden muss, zählt das Amt doppelt. Das ist nur fair und die doppelte Heilig sorgt für Parität.

6. Wenn alles nicht zieht: Nach der nächsten Wahl werden bei fünf Dezernatsposten für die Grünen vier mit Frauen besetzt. Schwören alle Männer hoch und (rosemarie)heilig.

Doch alles anders?

Nachtrag: Um 22.15 Uhr erreicht uns die Meldung, dass die Grünen nun offenbar doch drei Frauen und zwei Männer aufstellen wollen. So schnell ändert sich die Faktenlage bei unseren „Römerbriefen“.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

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