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Bauarbeiten am Frankfurter Kaiserdom - die Kirche verändert sich aber nicht nur äußerlich.

Katholische Kirche

Fünf neue Großgemeinden

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Die katholische Kirche in Frankfurt reagiert auf sinkende Mitgliederzahlen - mit radikalem Strukturwandel. Die Umstrukturierung stößt unter den Frankfurter Katholiken nicht überall auf Zustimmung.

Zwölf Frankfurter Pfarreien gibt es seit dem ersten Januar diesen Jahres nicht mehr. Ihre Trau-, Sterbe,- und Taufbücher sind geschlossen und der Gemeinderat aufgelöst. Das bedeute jedoch nicht, dass das kirchliche Leben in den betroffenen Stadtteilen aufgegeben werde, erklärt Pfarrer Werner Portugall mit Nachdruck. Denn an ihre Stelle sind drei „Pfarreien neuen Typs“ mit veränderter Struktur und zentraler Verwaltung getreten.

Durch Ansprechpartner und kleine Anlaufstellen vor Ort soll das Gemeindeleben zwar weiterhin erhalten bleiben. Doch die Umstrukturierung stößt unter den Frankfurter Katholiken trotzdem nicht überall auf Zustimmung.

Werner Portugall ist Pfarrer eines solchen neuen Gebildes. Seine Großpfarrei Sankt Jakobus, die sich aus Mutter vom Guten Rat in Niederrad und Sankt Mauritius-Sankt Johannes in Schwanheim und Goldstein gründete, hat jetzt ihr zentrales Pfarrbüro und die Hauptkirche in der Kniebisstraße in Niederrad.

Vier Jahre hat der Prozess des „Pfarreiwerdens“ gedauert, bei dem die Gemeinden zusammen ein Pastoralkonzept erarbeitet haben. Mehrere Arbeitsgruppen waren daraufhin 18 Monate mit der neuen Ausrichtung beschäftigt. „Es gab viele Sackgassen. Wir mussten oft von vorne anfangen“, erinnert sich Portugall. Doch jetzt sei ein Miteinander möglich.

Sankt Jakobus hat rund 11000 Mitglieder, die sich zur Hälfte aus Niederrädern und zur anderen aus Goldsteinern sowie Schwanheimern zusammensetzen. Diese beiden kleineren Pfarreien fusionierten bereits 2007.

Die Gemeinde hat sich durch die Umstrukturierung als Chance genutzt für etwas Neues genutzt das Konzept der „Profilkirchen“ eingeführt. Die drei Gotteshäuser der Großpfarrei sind nach Themen aufgeteilt. Mutter zum Guten Rad in Niederrad ist die „Offene Kirche“, Sankt Johannes in Goldstein „Erlebniskirche“ und Sankt Mauritius in Schwanheim „Familienkirche“.

Themenkirchen

Mit diesem experimentellen Konzept versucht die Gemeinde „Menschen anzusprechen, die wir sonst nicht erreichen“, erklärt Pastoralreferentin Simone Krämer. Die Themenkirchen sind zwar eine Besonderheit von Sankt Jakobus, doch der strukturelle Umbau zu Pfarreien neuen Typs findet derzeit im ganzen Bistum statt. In Frankfurt gibt es nun fünf solcher Großgemeinden.

Auch Sankt Franziskus (vorher Sancta Familia Ginnheim, St. Albert Dornbusch, St. Josef Eschersheim, St. Christophorus Preungesheim, Herz Jesu Eckenheim und Allerheiligste Dreifaltigkeit Frankfurter Berg) und Sankt Josef (vorher St. Josef Bornheim, Maria Rosenkranz Seckbach, Heilig Geist Riederwald und Herz Jesu Fechenheim) haben sich neu gegründet. Bereits seit Januar 2014 sind zudem kleine Gemeinden in der Dompfarrei Sankt Bartholomäus und in Sankt Bonifatius Sachsenhausen zusammengefasst.

Probleme für alte Menschen

Alle Prozesse dieser "Pfarreiwerdungen" sind nach ähnlichem Muster abgelaufen. „Die Menschen konnten sich einbringen und immer wieder Rückmeldung geben“, erklärt Portugall. Das sei zwar „durchaus auch konträr gewesen“ - aber jetzt zeigt der Pfarrer sich optimistisch. Es gebe nun eine Fülle von neuen Projekten und trotz der Veränderungen sei eine Eucharistiefeier pro Wochenende in allen Stadtteilen sichergestellt. Doch er sagt auch: „Es gibt nicht mehr alles überall.“

Damit bestätigt er eine der größten Befürchtungen der kirchlichen Basis. „Da fängt für mich das Übel an“, sagt Ludwig Berz. Der 75-Jährige geht seit seiner Jugend in die Sankt Mauritiuskirche in Schwanheim. Zwanzig Jahre saß er dort im Gemeinderat. „Diese Kirche war unser Zentrum. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich so einen Zugang zu Niederrad bekomme“, sagt er. Besonders für ältere Leute, das „Gros der Kirchgänger“ sei besonders der Weg ein Problem. „Ich bedauere sehr, dass die alten Strukturen einfach zerschlagen werden.“

Aus 44 Pfarreien werden neun

Auslöser für die Gründung der Großpfarreien sind sinkende Mitgliederzahlen und der Mangel an Geld sowie Priestern. Daraus hat das Bistum Limburg Konsequenzen gezogen und die Umstrukturierung auf den Weg gebracht. Doch auf Frankfurt trifft das nur bedingt zu, denn entgegen dem Trend steigen hier die Mitgliederzahlen. Knapp 160 000 Katholiken leben im Stadtgebiet. 2010 waren es noch rund 155 000. Das liegt laut Doris Wiese-Gutheil, Sprecherin der Stadtkirche, primär an den vielen Einwanderern katholischen Glaubens. Die früher 44 eigenständigen Pfarreien in Frankfurt werden trotzdem bis spätestens 2019 zu neun Großgemeinden zusammengefasst. So will es Limburg. Darüber, welche Gemeinden sich wo als nächstes zusammenschließen werden, gebe es noch „Unklarheiten“, so Wiese-Gutheil.

Dass die Kirche bei dem Prozess Federn lassen wird, weiß auch Rolf Karg. „Natürlich gab es Widerstände“, sagt der Vorsitzende des neuen Pfarrgemeinderates für St. Jakobus. „Wir haben aber versucht alles offen zu kommunizieren.“ Doch eines ist ihm klar: „100 Prozent der Menschen werden wir nicht mitnehmen können.“ So manch einer hätte ihm bereits gesagt, dass er jetzt nicht mehr komme.

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