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Starker Personalmangel: Frust macht sich in Bürgerämtern Frankfurts breit

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Von: Georg Leppert

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Die Bürgerämter bitten um Rückmeldung.
Die Bürgerämter bitten um Rückmeldung. © Christoph Boeckheler

In den Bürgerämtern in Frankfurt fehlen Angestellte, was zu Aggressionen gegen die Beschäftigten führt. Mehrere Außenstellen bleiben geschlossen.

Frankfurt – Die Personalsituation in den Bürgerämtern in Frankfurt bleibt angespannt. Eine Besserung ist kurzfristig nicht in Sicht. Das führt bisweilen zu unschönen Szenen. Die Beschäftigten würden „oft Zielscheibe von Frustration und Ärger über Umstände, für welche die Mitarbeitenden nicht verantwortlich sind“, sagte die zuständige Dezernentin Eileen O’Sullivan (Volt) der FR. Sie appelliert an die Kundinnen und Kunden der Bürgerämter: „Bitte begegnen Sie den Menschen im Bedienbereich mit dem Respekt, den auch Sie sich wünschen.“

Am Freitag hatte O’Sullivan über den städtischen Newsletter mitgeteilt, das Bürgeramt in Nieder-Eschbach werde derzeit umgebaut und renoviert. Für sechs bis acht Monate bleibe es geschlossen. Damit steht eine weitere Außenstelle des Zentralen Bürgeramts an der Langen Straße nicht zur Verfügung. Seit Beginn der Corona-Krise sind bereits die Einrichtungen in Fechenheim, Kalbach, Nieder-Erlenbach und Harheim geschlossen.

Bis auf Weiteres blieben sie es auch, antwortete O’Sullivan vorige Woche auf eine Anfrage der CDU im Römer. Kritisch sieht die CDU auch, dass die Ämter auch im Sommer vorigen Jahres, als die Inzidenzen noch niedrig waren, geschlossen blieben. Der Grund (neben zu engen Räumlichkeiten): Personalmangel.

Angespannte Personalsituation: Frust in Bürgerämtern in Frankfurt wird oft an Mitarbeitern ausgelassen

Vor allem für die Menschen im Norden der Stadt Frankfurt bedeutet das Einschränkungen. In ihrer Umgebung hat nur noch das Bürgeramt in der Nordweststadt geöffnet.

Den Bürgerämtern in Frankfurt stehen 216 Stellen zur Verfügung, wie O’Sullivans Sprecherin, Ronja Merkel, erklärt. Elf davon seien nicht besetzt. Doch das sei nicht das vorherrschende Problem, zumal zwei der offenen Stellen schon vergeben seien und fünf an Auszubildende gehen sollen. Der Krankenstand – wegen Corona-Infektionen und Erkältungen – sei aber sehr hoch. Und: Risikogruppen wie etwa Schwangere dürften keinen Kontakt mit Kundinnen und Kunden haben.

Früher hätte so eine Situation zu stundenlangen Wartezeiten insbesondere auf dem Zentralen Bürgeramt geführt. Mittlerweile arbeitet die Behörde aber mit Terminen. Die Folge: Die Stadt schaltet zwar täglich um 7 Uhr neue Termine frei (auch tagesaktuelle). Diese sind aber schnell vergeben. Wer etwa am Sonntagnachmittag einen Termin ausmachen wollte, um einen Personalausweis zu beantragen, bekam weder im Zentralen Bürgeramt noch in einer der fünf noch geöffneten Außenstellen für diese Woche etwas angeboten.

Frust in Bürgerämtern in Frankfurt: Viel Hoffnung auf schnelle Abhilfe besteht nicht

Dabei arbeiten die verbliebenen Beschäftigen auf Hochtouren, um den Betrieb aufrecht zu halten. „Es gibt keine Reduzierung des Dienstleistungsspektrums“, betont Merkel. Zwischen 9000 und 10.000 Termine würden pro Woche vereinbart. Doch zum einen würden rund zehn Prozent ohne Absage nicht wahrgenommen. Und zum anderen bekommt das Bürgeramt ausgerechnet in dieser Situation neue Aufgaben.

So müssen Menschen, die noch einen Führerschein aus Papier haben, diesen jetzt umtauschen. Kinderreisepässe, die seit Januar 2021 ausgestellt wurden, sind nur noch ein Jahr lang gültig und müssen jetzt verlängert werden. Und Bürgerinnen und Bürger aus der Europäischen Union, die keinen deutschen Pass haben, dürfen einen elektronischen Identitätsnachweis beantragen, mit dem sie sich etwa im Internet ausweisen können.

Viel Hoffnung auf schnelle Abhilfe besteht nicht. Zwar werbe das Bürgeramt um städtische Beschäftigte. Diese müssten aber fünf Monate lang eingearbeitet werden, so Merkel. Die „derzeitige Haushaltslage“ verhindere zudem eine schnelle Aufstockung des Personals. (Georg Leppert)

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