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Frühstücksdienst des Grauens

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Von: Stefan Behr

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Prozess gegen Mann, der Frau in Hotelzimmer heimsucht und glaubt, dass die das auch nochfreut

Man mag Herrn K. attraktiv finden, wenn man ein Faible für schwäbische Franchise-nehmer mit Motivationscoachaura hat. Frau G. hat das nicht. Darum war die damals 23-Jährige nicht glücklich, als K. sie am frühen Morgen des 12. September 2021 in ihrem Hotelzimmer im Flemings weckte, dessen Schlüsselkarte er sich mit der Behauptung, er sei G.s Freund, beim Nachtportier erflunkert hatte.

Laut Anklage fragte er die Aufgeweckte „Willst du den Orgasmus deines Lebens?“, und als die Frau höflich, aber bestimmt verneinte, fingerte er ein bisschen an ihrem Arm herum, ehe er sie zum Abschied auf die Stirn küsste. Gegen einen Strafbefehl wegen sexueller Belästigung und Hausfriedensbruchs über 90 Tagessätze à 50 Euro hat K. Einspruch eingelegt, weshalb der 39-Jährige am Montagnachmittag vor dem Amtsgericht erscheint.

Die Sache sei ganz anders gewesen, sagt K. Am Abend zuvor habe man mit einem großen Galaabend das Ende einer Tagung von Franchisenehmern in Frankfurt gefeiert, sich „herausragend unterhalten“ und „guten Wein getrunken“. K., der sich selbst als „Premium-Kunden“ des Franchise-Unternehmens sieht, betreibt sieben Filialen, die sich ausgerechnet dem „Frühstücksdienst“ widmen - wenn auch nur solchem, den der Kunde will und vor allem bezahlt hat.

Frau G. ist keine Premium-Kundin, sondern das, was Männer wie Herr K. gerne eine „Social-Media-Maus“ nennen. Das tut Herr K. vor dem Amtsgericht nicht, er nennt sie respektvoll „Mädel“. Das Mädel habe ihn jedenfalls proaktiv angeflirtet und beim Ausklang eines feuchtfröhlichen Abends ihre Zimmernummer ins Ohr gehaucht. Er natürlich ran wie Hektor an die Buletten, aber nicht geklopft, „man ist ja Gentleman“, sondern lieber Nachtportier angeschwindelt.

Drinnen habe er das Mädel dann etwas derangiert im Bett vorgefunden, offenbar nicht mehr am Koitus interessiert, da habe er sich nach ihrem Wohlergehen erkundet und verabschiedet, „man ist ja Gentleman“. Dass K. diesen Satz mehrfach in breitestem Schwäbisch sagt, verleiht ihm eine authentische Note. Und dann spielt das Mädel plötzlich „die Opferrolle“ und er kriegt einen Strafbefehl. Vermutlich, um ihrer Chefin und ihrem Freund erklären zu können, wie ein fremder Mann in ihr Hotelzimmer gekommen sei. Gerecht sei das nicht.

Frau G. aber betont, dass es ihr um Gerechtigkeit gehe. Das Angebot von K.s Verteidiger, ihr bei Verfahrenseinstellung eine „nicht unerhebliche Geldsumme“ zu zahlen, lehnt sie ab. Sie gibt auch vor, in keiner Weise mit K. geflirtet zu haben, und sie wirkt dabei äußerst glaubwürdig. K., offenbar voll des guten Weines, sei allerdings am frühen Morgen in der Hotellobby etwas anzüglich und ein wenig schlüpfrig geworden. Reagiert habe sie in keiner Weise. Frau ist halt Lady - auch wenn sie das nicht ständig formulieren muss.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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