AWO-Affäre Frankfurt

Früherer AWO-Chef im Visier der FDP

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Arbeiterwohlfahrt unterstützte einen Verein, den der frühere langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter 2017 gegründet haben soll und dessen Tätigkeiten unklar sind.

Kritische Fragen zu einem Verein, der von führenden Funktionären der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gegründet wurde, stellt der Frankfurter FDP-Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Yanki Pürsün. Der Verein „Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft“ sei im Jahre 2017 ins Handelsregister eingetragen worden. Als Vorsitzender fungiere der langjährige und inzwischen zurückgetretene Frankfurter AWO-Geschäftsführer Jürgen Richter.

In einer offiziellen Anfrage der FDP-Fraktion im Römer stellt Pürsün dazu 14 Fragen. Er will unter anderem wissen, warum Sitz des Vereins die Frankfurter AWO-Zentrale, Henschelstraße 11, im Frankfurter Ostend ist und welchen Bezug die AWO zum Verein besitze. Auch geht es dem FDP-Politiker darum, ob städtische oder AWO-Gelder in den Verein geflossen seien.

Im Gespräch mit der FR sagte Pürsün, eingetragener Zweck der Gesellschaft sei es, die Freundschaft zwischen Deutschland und den USA zu fördern. Welche Aktivitäten aber tasächlich entfaltet wurden, sei offen. Dem Kuratorium des Vereins gehöre Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) an.

Der frühere AWO-Chef Jürgen Richter hatte den OB im November 2015 bei einer Reise in die US-Großstadt Philadelphia begleitet. Während des Aufenthalts der Frankfurter Delegation dort wurde ein Partnerschaftsvertrag zwischen Philadelphia und Frankfurt unterschrieben. Pürsün will wissen, warum Feldmann Richter in die städtische Delegation aufgenommen hatte.

In der offiziellen Anfrage an den Magistrat spricht Pürsün von „vielfachen Amerika-Reisen der AWO-Geschäftsführer Frankfurt und Wiesbaden. Während Jürgen Richter an der Spitze der Frankfurter AWO stand, war seine Ehefrau Hannelore Richter zur gleichen Zeit Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt in Wiesbaden gewesen.

Pürsün ist auch darüber gestolpert, dass der Verein „Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft“ nie auf der offiziellen Seite der Stadt Frankfurt zu ihren Städtepartnerschaften aufgeführt worden sei. Er will wissen, warum dies so ist.

Der Frankfurter AWO-Sprecher Johannes Frass sagte der Frankfurter Rundschau auf Anfrage: „Der Gesellschaft wurde kostenlos ein Briefkasten zur Verfügung gestellt“. Auch könne sie die Sitzungsräume in der AWO-Zentrale im Frankfurter Ostend „günstig nutzen“, sagte er. Die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt ist laut Frass „korporatives Mitglied der Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft und umgekehrt.“ Neben den Mitgliedsbeiträgen habe es einen einmaligen Zuschuss oder eine Spende der AWO an diese Gesellschaft in Höhe von 2000 Euro gegeben.

Frass bestätigte, dass der frühere AWO-Geschäftsführer Jürgen Richter mittlerweile nicht mehr Vorsitzender des Vereins sei. Als neuen kommissarischen Vorsitzenden nannte der AWO-Sprecher Heribert Becker, dessen Beruf er mit „Rentner“ angab. Becker werde der Frankfurter Rundschau weitere Fragen zum Verein „Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft“ beantworten.

Auf die Frage der FR, ob er selbst dem Vorstand des Vereins angehöre, antwortete Frass: „Zu meinem privaten ehrenamtlichen Engagement äußere ich mich nicht.“

Petra Rossbrey, neue Vorsitzende des AWO-Präsidiums Frankfurt, spricht im Interview mit der FR über ihre Aufklärungsarbeit sowie die Verunsicherung und Hoffnung bei den Beschäftigten.

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