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Sommerhitze - das ist eine Abkühlung willkommen.  

Hitze in Frankfurt 

Beschäftigte der Stadt dürfen früher und kürzer arbeiten

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Sonnencreme, Hüte, atmungsaktive Kleidung und reichlich Mineralwasser: Wie die Frankfurter Stadtverwaltung bei der Hitze für ihre Mitarbeiter sorgt. 

Eine Stadtverwaltung mit 8000 Beschäftigten nur im engeren Kern (ohne Gesellschaften und Betriebe) ist ein durchaus schwerfälliges Wesen. Aber auch in die Frankfurter Bürokratie drang langsam die Nachricht ein, dass am heutigen Donnerstagin der fünftgrößten deutschen Kommune „Temperaturen von annähernd 40 Grad“, so ein Rundschreiben, erreicht werden.

Und siehe da: Das Wesen reagiert schnell. Personaldezernent Stefan Majer (Grüne) und sein Team können sogar berichten, dass die ohnehin geltende flexible Arbeitszeit von 6 bis 20 Uhr vorverlegt werden darf.

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Bei der Stadtentwässerung zum Beispiel, den Männern, die für saubere Kanäle sorgen, war am Mittwoch schon um 5.30 Uhr Arbeitsbeginn. Und die Arbeitsdauer konnte um zwei Stunden verkürzt werden, sagt Majers Büroleiter Holger Froschhäuser. Die Männer wurden mit Sonnencreme, Hüten mit Nackenschutz und „Mineralwasser reichlich“ ausgestattet.

Das Gleiche galt für die Beschäftigten der Verkehrsüberwachung, der Müllabfuhr, des Grünflächenamtes und des Palmengartens. Also für alle Frauen und Männer, die draußen unter freiem Himmel arbeiten müssen.

Mehr Gestank als sonst beim Müll

Bei der Müllabfuhr wird außerdem „atmungsaktive Kleidung“ ausgegeben. Die Müllleute sind dennoch ganz besonderen Belastungen ausgesetzt: Denn bei den hohen Temperaturen entwickelt der Unrat noch mehr Gestank als sonst. Die Müllabfuhr darf allerdings aus rechtlichen Gründen nicht früher fahren, wie eine Sprecherin der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) sagt.

Es ist für Büroleiter Froschhäuser nicht einfach, Informationen zusammenzutragen. Denn bei der Stadt Frankfurt gibt es keine zentrale Stelle, bei der alle Informationen zum Umgang mit der Hitze zusammenlaufen.

Da der Klimawandel galoppiert und die Zahl der Hochsommertage mit mehr als 30 Grad in Frankfurt weiter wachsen wird. ist ein solches Zentrum für die Zukunft wahrscheinlich unbedingt nötig.

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Vorerst behilft sich das Personaldezernat mit einem Rundschreiben „an alle Amts-, Betriebs- und Institutsleitungen“. Die erfahren auf diesem Wege, dass „bei Temperaturen über 35 Grad beispielhaft zu treffende technische und insbesondere auch organisatorische Maßnahmen“ angesagt sind. Bereits ab 25 Grad Raumtemperatur würden in den städtischen Büros Getränke an alle ausgegeben, sagt Froschhäuser. Sogar das Äußerste wird in diesem Rundbrief angedacht: „Eine Änderung von Öffnungszeiten kann als Ultima Ratio erwogen werden und sollte zuvor öffentlich angekündigt werden.“ Ob es dazu aber am heutigen Donnerstag, auf dem Höhepunkt der Hitzewelle, tatsächlich kommt, ist unklar. Das Personaldezernat denkt dabei auch an den „Gesundheitsschutz für die Bürgerschaft, zum Beispiel in überhitzten Wartebereichen“.

Schutz vor Hitze

Hitzeperioden können den menschlichen Organismus ernsthaft beanspruchen. Menschen, die im Freien arbeiten, müssen laut dem Regierungspräsidium Darmstadt entsprechend geschützt werden. Ausreichend Pausen, Sonnenschutz und Getränke seien notwendig.

In Büro- und Sozialräumen darf die Lufttemperatur gemäß den Technischen Regeln für Arbeitsstätten 26 Grad nicht überschreiten. Fenster oder Glaswände müssen mit Jalousien ausgerüstet sein. Trotz dieser Regelungen gibt es für Beschäftigte keinen direkten Rechtsanspruch auf klimatisierte Räume oder Hitzefrei. Der Arbeitgeber muss jedoch bei Temperaturen über 30 Grad gegen die Hitze vorgehen.

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit empfiehlt zum Umgang mit Hitze im Büro: Sonnenschutz, frühmorgendliches Lüften, flexible Arbeitszeiten, Ventilatoren und Klimageräte, gelockerte Bekleidungsregeln sowie die Bereitstellung von Getränken. Außerdem sollten Arbeitende regelmäßig ihre Handgelenke kühlen und die Ernährung auf leichte Kost umstellen:

Die Nadelbäume sind laut IG BAU Rhein-Main akut bedroht, der Klimawandel sei hier längst spürbar. Gerade Fichten litten unter „Dürre-Stress“, geschwächte Bäume seien anfälliger für Schädlinge und Stürme. Gewarnt wird vor Ausfällen in der Holzernte in einigen Jahren. Notwendig sei eine neue Waldstrategie, um den Forst vor dem Klimawandel zu schützen.

Hessen und die Hitze

Die Hitze ist momentan eines der beherrschenden Themen in Hessen. Hessen hat kürzlich die Hitzewarnstufe 2 ausgerufen. Arbeitgeber und Pflegeeinrichtungen treffen Vorkehrungen. Für manche Beschäftigte gibt es hitzefrei.

Wenn es richtig heiß wird, ist man für jeden Ratschlag für eine Abkühlung dankbar. Doch aufgepasst: Diese vermeintlichen Tipps gegen die Hitze helfen nichts - sie bringen Sie eher ins Schwitzen

Ein überraschender Einwurf kommt von Jörg Kachelmann: „Die Hitze ist eigentlich immer weniger ein Problem“, sagt der Meteorologe in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Die Hitze sei seiner Auffassung nach für Menschen und Natur auszuhalten, wenn alles richtig gemacht würde. Eine andere Sache besorgt Kachelmann viel mehr.

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