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Fast wie in echt: Simulations-Frühchen Paul wird von Oberarzt Martin Jessie beatmet.

Medizin

Frühchenpuppe Paul zieht in Frankfurter Klinik

  • vonHanna Festerling
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Angestellte des Bürgerhospitals und des Klinikums Höchst können mit der Simulationspuppe Paul für den Ernstfall üben. Sie ist eine Spende der Kinderhilfestiftung und Mercedes-Benz.

Die Geräte piepsen. Vier Hände versuchen Paul zu stabilisieren. Sein Kopf ist leicht blau angelaufen, der Brustkorb hebt sich schwer. Ein Bildschirm zeigt Pauls Kehlkopf und die Luftröhre, während er intubiert wird. Hinter einem weiteren Monitor sitzt Steffen Kunzmann, Chefarzt der Neonatologie im Bürgerhospital. Über mehrere Regulatoren steuert er den Zustand des Patienten. Der ist nicht wirklich ernst, denn bei Paul handelt es sich um eine Simulationspuppe.

„Paul soll helfen, kritische Situationen bei Frühgeborenen mit Entwicklungsnachteil zu üben“, sagt Michael Henning, Vorstandsvorsitzender des Vereins Kinderhilfestiftung, bei der gestrigen Vorstellung der Puppe im Bürgerhospital. Der „Dauerpatient“ ist eine Spende des Vereins und von Mercedes-Benz an das Bürgerhospital und das Klinikum Höchst. Ärzte, Ärztinnen, Studierende und Pflegepersonal können an Paul den Umgang mit Frühgeborenen üben.

Täuschend echt sieht die 50 000 Euro teure Simulation aus. Mit einem Gewicht von 1000 Gramm und einer Länge von 35 Zentimetern entspricht sie einem 13 Wochen zu früh geborenen Kind. Über einen Computer kann Paul kabellos gesteuert werden, Krankheitssymptome und Reaktionen eines Frühgeborenen wie Atemnot und unregelmäßiger Herzrhythmus lassen sich wirklichkeitsgetreu nachstellen.

„Es ist ein innovatives Projekt“

„Es ist ein innovatives Projekt“, sagt Steffen Kunzmann. Neben dem Umgang mit dem Neugeborenen trainiere es auch die Kommunikation der Beteiligten. „Die Teams können realitätstreu und sehr emotional unter Stress gesetzt werden“, erläutert Martin Jessie, Oberarzt der Neonatologie im Bürgerhospital. Einmal im Monat werde mit Paul geübt, Reflektionsrunden mit allen Beteiligten schließen sich an.

„Komplikationen bei Frühgeborenen sind auch für das erfahrenste Ärzteteam immer wieder eine ganz besondere Herausforderung“, sagt Kunzmann. Zehn Prozent aller jährlichen Geburten in Deutschland sind Frühgeburten. Deshalb sei es notwendig, dass auch erfahrene Ärzte mindestens einmal im Jahr mit Paul üben. Bei Frühgeborenen zähle jeder Tag, sagt Lothar Schrod, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum in Höchst.

Dank seiner realitätsnahen Anatomie bietet Paul eine neue Art der Vorbereitung auf den Ernstfall. „Junge Ärzte waren bisher lange zum Zuschauen verbannt“, sagt Schrod. Das soll sich nun ändern. „Paul ermöglicht eine wirklichkeitsnahe Übung, ohne ein Kind zu gefährden.“

„Eigentlich ist es Paul Nummer zwei“, sagt Michael Henning. Schon im vorigen Jahr habe man eine Frühchen-Simulationspuppe an zwei Krankenhäuser im Rhein-Main-Gebiet gespendet. Damit verfügt Hessen über zwei der elf Pauls in Deutschland.

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