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Sein Tag fängt früh an: Ab 5 Uhr morgens ist Atilla Gültekin im Einsatz gegen Taubenkot, Kaugummis und Graffitis.

FES in Frankfurt

Früh gegen Taubendreck

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Täglich um 5 Uhr rückt die Spezialreinigung der FES aus, um Taubenkot, Kaugummis, Urin und Graffitis in Frankfurt zu entfernen. Die Männer klagen über mangelnde Wertschätzung seitens der Bevölkerung.

Der Wasserdampf spritzt rechts und links nach oben, während der Taubenkot langsam aufweicht, das Weiß verschwindet, der Gehweg vor dem Aufgang zur S-Bahn-Station Galluswarte an der Frankenallee wird wieder als solcher erkennbar. Drei Jungs mit Schulranzen bleiben stehen und schauen Atilla Gültekin zu.

Er hantiert mit der Lanze, aus der bis zu 160 Grad heißes Wasser prescht, mit einem Druck von bis zu 120 Bar. Eine Frau schiebt ihr Fahrrad über den Schlauch, der Lanze und Hochdruckreiniger verbindet. „Vorsicht“, ruft er. Schon öfter gab es Unfälle, weil Leute auf dem nassen Boden ausgerutscht sind. Der Arbeitsort ist deshalb auch immer mit Schildern gesichert.

Bevor Atilla Gültekin und sein Kollege Manfred Pauls an die Frankenallee kamen, haben sie Kaugummis auf der Zeil entfernt. „Vor dem Primark haben wir bei einer Reinigung schon mal 430 Kaugummis gezählt – die alle einzeln weggesprüht werden müssen“, sagt Klaus Heinrich, Leiter der Objektreinigung bei der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). Und das ist noch mühsamer als gegen den Taubenkot vorzugehen: Bis sie schmelzen, dauert es eine Weile, danach müssen die Reste aufgekehrt werden. Fünfmal im Jahr wird das wiederholt.

Die so genannte Nassreinigung der FES ist für viele Stellen in der Stadt verantwortlich: sie reinigen auch Wildpinkelecken, entfernen Markierungen nach dem Ironman und beseitigen Graffitis – diese aber nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Chemie. Vier bis fünf Stunden dauert es, bis der Boden der Unterführung an der Frankenallee taubenkot frei ist. Am Mittwochfrüh kommt es nicht so weit. Es ist fast 8 Uhr, da sind schon zu viele Pendler unterwegs. Die Männer wollen sie nicht stören.

Um 5 Uhr morgens fängt die Schicht von Gültekin und Pauls an. Meistens bekommen sie Aufträge, betriebsintern, von der Stabstelle Sauberes Frankfurt oder von Privatleuten. Aufwendig ist die Arbeit. Bis sich der Taubenkot oder der Urin im Wasser löst, bis alles eingesammelt ist. Manchmal wird das Team von der Kehrmaschine begleitet.

Nach der Frankenallee geht es zur Friedensbrücke. „Hier gibt es eine dieser Wildpinklerecken“, sagt Heinrich, „aber es ist nicht so schlimm wie im Bahnhofsviertel.“ Die Graffitis müssen heute warten – dafür gibt es keinen Auftrag. Die leeren Flaschen, die ihm vor die Füße fallen, sammelt Gültekin auf.

Zwei dieser Spezialreinigungsfahrzeuge – mit der Aufschrift „Sprühverderber“ – hat die FES. Je nach Einsatzvolumen sind eines oder zwei im Einsatz, jeweils mit zwei bis vier Mann. Bis zu sechs Stunden am Tag sind die Hochdruckreiniger in Betrieb, mindestens zehn Jahre halten die 15 000 Euro teuren Maschinen. Allerdings kann die Spezialreinigung nur an frostfreien Tagen ausrücken.

Manchmal gibt es auch für die Spezialreiniger Spezialaufgaben. Vor einem Jahr mussten alle Treppen, die vom Freien in die B-Ebene des Hauptbahnhofs führen, gereinigt werden. „Da kommen Leute in die B-Ebene und werfen den Tauben einfach Futter hin“, sagt Gültekin und schüttelt den Kopf, „das zieht nicht nur Tauben an, da kann man auch ausrutschen.“

Nächtigen Obdachlose im Winter in der Hauptwache, wird täglich dorthin ausgerückt. „Wenn man täglich reinigen kann, wird es gar nicht erst so dreckig“, sagt Gültekin. An der Wache gebe es aber ohnehin kein Urinproblem.

Frankfurt ist groß, die Reinigung teuer

Wie vielerorts gilt auch hier: Die Stadt ist groß, die Reinigung teuer, die Arbeitskraft ebenso. Schon zwei Tage nachdem Gültekin und Pauls den Taubenkot an der Frankenallee entfernt haben, wird sie wieder voller Kot sein. Bürger nehmen dadurch oft gar nicht wahr, dass die Orte an ein, zwei Tagen sauber waren.

Als junger Mann, sagt Gültekin, habe er sich manchmal aufgeregt, dass seine Arbeit wenig geschätzt wird, dass Leute ihn beschimpfen, vor ihm auf die Straße spucken, die Arbeit behindern oder ihn provozieren. „Heute bin ich abgehärtet“, sagt er. Er weiß, dass seine Arbeit wichtig ist: Es geht nicht nur um Ästhetik, sondern auch um Hygiene. In Kot und Urin sind Bakterien und Keime. Manfred Pauls hat vor einigen Monaten von der Müllabfuhr zur Nassreinigung gewechselt. „Da will man ja doch alles richtig machen – und dann rennen die Leute an einem vorbei und beschweren sich, dass sie nasse Füße kriegen.“

21 Taubenkot-Hotspots gibt es in der Stadt, vor allem unter Brücken, „da gibt es eine bedarfsorientierte Reinigung“, sagt Abteilungsleiter Heinrich. Dort nisten sich die Vögel ein. An einigen Stellen in der Stadt sind bereits Netze angebracht worden, um die Tauben abzuhalten. Für die Galluswarte kündigte die Stadt jüngst an, in einem Pilotprojekt Lochbleche und Edelstahlnetze anbringen zu wollen. Das Amt für Straßenbau und Erschließung hofft, im September mit dem Montieren beginnen zu können.

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