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Für mehr Lebensqualität am Mainkai hat Oliver Strank viele Ideen.

Porträt der Woche

Früh aufstehen für die Politik – Ortsvorsteher Oliver Strank im Porträt

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Oliver Strank ist engagierter Ortsvorsteher vom Bezirk 1 in Frankfurt und will für die SPD in den Bundestag.

  • Oliver Strank (SPD) ist Ortsvorsteher des Bezirks 1 in Frankfurt
  • Hauptberuflich ist Strank Anwalt in Frankfurt
  • Strank will bei Bundestagswahl 2021 antreten

Frankfurt - Der Tag beginnt früh für Oliver Strank. Das hat er sich selbst ausgesucht. Der SPD-Politiker steht jeden Tag um 6 Uhr auf. Vor und nach der Arbeit, oft sogar in der Mittagspause nimmt er sich Zeit für die Anwohner im Ortsbezirk 1, wo er seit 2016 Ortsvorsteher ist. 

Wichtige Themen werden hier debattiert, die nicht selten Frankfurter in der ganzen Stadt interessieren. „Bestimmt 20 E-Mails bekomme ich täglich“, sagt der 40-Jährige, die er auch beantworte. Hinzu kommen Termine und Verpflichtungen. Schließlich leben rund 60 000 Bewohner in der Innenstadt, Altstadt, im Gutleut, Gallus und Bahnhofsviertel.

Frankfurt: Ortsvorsteher sein ist „ehrenamtliches Freizeitvergnügen“

„Manche glauben tatsächlich, ich sei hauptamtlich Ortsvorsteher, und reagieren verblüfft, wenn sie erfahren, dass das bloß mein ehrenamtliches Freizeitvergnügen ist.“ Strank arbeitet als Anwalt in einer Großkanzlei. Manchmal durchaus ein Spagat, der ihn aber reize. 

Am morgigen Dienstag steht die nächste Sitzung an. Genervt über die Diskussionen zu Pollern oder Mülltonnen ist Strank nicht. „Ich mache Politik, um die Zukunft zu gestalten. Das ist manchmal auch kleinteilig, aber das stört mich nicht“ – und man glaubt es ihm.

Besonders stolz ist er über die geplante Oberstufe für das Gallus oder darüber, dass das Budget aller 16 Ortsbeiräte auf seinen Vorstoß hin auch für soziale und kulturelle Zwecke verwendet werden darf. Auch zu progressiver Drogenpolitik im Bahnhofsviertel habe er immer wieder Debatten angestoßen.

Frankfurt: Oliver Strank schreibt in seiner Freizeit Kurzgeschichten

Fast jeden Donnerstag klingelt Strank zudem an wildfremden Türen, fragt nach Sorgen und Wünschen. Das helfe, um zu wissen, was die Bewohner im Ortsbezirk beschäftigt, und dass man nicht von der Realität entkoppelt wird. „Es motiviert mich, wenn ich höre, dass die Menschen sich für ihr Umfeld interessieren.“

Strank erscheint wie so oft gut gebräunt zum Gespräch im Café Hauptwache. Eine kleine Auszeit habe er sich in Ägypten genommen, ohne solche Unterbrechungen stünde man das gar nicht durch, erklärt er. Wenn er ein wenig freie Zeit hat, schreibt er außerdem gerne Kurzgeschichten, spielt Cello, aber auch Fußball, und er fiebert mit seiner Frankfurter Eintracht.

Mainkai-Verschönerung in Frankfurt steht auf dem Plan

Am Vormittag saß er noch vor den Mikrofonen eines Radiosenders und sprach über eine weitere Herzensangelegenheit: die Sperrung des nördlichen Mainufers. Im Herbst gründete er mit anderen Initiativen und Anwohnern die Bürgerinitiative „Lebensqualität am Mainkai“. 

Es gehe darum, diese Chance jetzt zu nutzen. Ideen für Verschönerungsaktionen haben sie viele: Garten, Spielplatz, Sportangebote, Open-Air-Kino, Picknick oder ein Weltrekordversuch für den längsten Frankfurter Kranz. Dahinter stehe natürlich noch viel mehr, was ihm wichtig sei, sagt Strank: Klimaschutz und Verkehrswende.

Frankfurt: Ortsvorsteher Strank hat internationales Elternhaus

Als Teenager begann sich Strank politisch zu engagieren – bei Protesten gegen Atomtestversuche auf dem Mururoa-Atoll. In seinem internationalen Elternhaus sei es aber schon immer politisch zugegangen. Seine Eltern kommen aus der Friedensbewegung, seine Mutter war aus England, der Vater aus Ostpreußen über Schweden nach Deutschland emigriert. 

In Frankfurt aufgewachsen, besuchte Strank die Waldorfschule. Seine große Leidenschaft als Kind war das Cello, fast hätte er Musik studiert. Aber er entschied sich für Jura, studierte in Frankfurt, Hamburg, Oxford und Cambridge, absolvierte sein Rechtsreferendariat bei den UN in New York. 

Mit fast 30 Jahren kam er zurück, trat in die Frankfurter SPD ein, wurde dort 2019 zum stellvertretenden Parteivorsitzenden, zwei Monate später in den Vorstand auf Bezirksebene gewählt.

Frankfurt: Ortsvorsteher Strank sammelte einst Knöllchen

Im vergangenen Jahr entdeckte ihn auch das Boulevard. Das lag nicht zuletzt an seiner Verlobung mit Caroline Bosbach, Tochter von CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach. Die unterschiedliche Parteizugehörigkeit? Kein Problem. „Wenn wir mal politisch diskutieren, dann eher über Fortschrittsthemen wie Umweltschutz und Digitalisierung“, sagt Strank.

Etwas Wirbel gab es aber auch um rund 160 Knöllchen, die er gesammelt hatte – mit einem ordentlichen Bußgeld dazu. Strank bezahlte die Summe, trotzdem stellte Bürgermeister Uwe Becker (CDU) die Rücktrittsfrage. 

Doch geschadet hat es ihm anscheinend nicht. Er werde kaum mehr darauf angesprochen. „Aber ich habe diese Erfahrung zum Anlass genommen, deutlich weniger Auto zu fahren.“ Von seiner Wohnung im Gutleutviertel gehe er nun meist zu seiner Arbeit an der Hauptwache – oder er nehme das Fahrrad.

Frankfurt: Oliver Strank will für Bundestagswahl 2021 kandidieren

Wie lange Strank noch Ortsvorsteher bleiben wird, lässt er ein wenig offen. Sicher ist: Er kandidiert wieder für die Bundestagswahl im nächsten Jahr, 2017 hatte er knapp gegen seinen Kontrahenten aus der CDU verloren. Falls es diesmal klappt, würde er sich wieder mehr mit den großen Themen beschäftigen. 

Neben Klimaschutz möchte er sich für die Verteidigung der Demokratie, Zukunftsfragen wie Digitalisierung und gegen Rechtsruck einsetzen. „Es reizt mich sehr, in Berlin Bundespolitik zu machen und mich dort auch weiter für meine Frankfurter einzusetzen.“ Spätestens dann würde er dem Ortsbeirat den Rücken kehren. Als Abgeordneter bliebe er seinem Frankfurter Heimatwahlkreis dennoch erhalten.

Von Judith Köneke

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