Dominic Betz (li.) in der Rolle des Max und Ariana Gansuh in der 
Rolle der Felina.
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Dominic Betz (li.) in der Rolle des Max und Ariana Gansuh in der Rolle der Felina.

Kultur

Pandemie bis 2040

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Der Frankfurter Theatermacher Marc Ermisch dreht eine Miniserie über das Virus – unter Corona-Bedingungen.

Der Auftrag hat ihm nicht weniger als den „Arsch gerettet“, sagt Marc Ermisch. So drastisch formulieren Kulturschaffende dieser Tage. Ermisch hat für den Hessischen Rundfunk eine Miniserie geschrieben und inszeniert. Zu sehen ist sie in der ARD-Mediathek. Der Dreh war eine der wenigen Einnahmequellen, die ihm durch Corona geblieben sind. „Ich habe ein paar Monate weniger schlecht geschlafen“, sagt er.

Ermisch, 44 Jahre alt, ist Theatermacher, Drehbuchautor, Dramaturg. Der Corona-Lockdown im März hat dem Wahl-Frankfurter die Füße weggezogen. Er arbeitet für freie, nicht subventionierte Spielstätten. Hat im Höchster Kulturkeller inszeniert, im Berkersheimer Lemp, in der Frankfurter Schmiere.

Nur sind die meisten freien Theater nach wie vor geschlossen, die Auflagen für den Spielbetrieb sind hart, die Fördermittel und Hilfen limitiert. Ermisch hat die Zeit genutzt, Drehbücher zu schreiben, seinen ersten Roman anzufangen, alte Stücke aufzupolieren. Für Herbst und Winter hat er Aufführungen geplant. Wenn es allerdings zu einem neuerlichen Lockdown käme, weiß er nicht, wie lange er noch durchhalten könnte. Bis 2040 ganz sicher nicht.

Im nicht allzu fernen Jahr 2040 spielt „Kontaktlos“, Ermischs Miniserie. Die sechs Folgen erstrecken sich über insgesamt 90 Minuten. Im Film ist Corona nicht besiegt, die Menschen haben gelernt, mit der Pandemie zu leben, die meisten verlassen ihre Wohnungen nicht mehr. Computer sind die wichtigsten Gesprächspartner, persönliche Kontakte gibt es kaum. Reproduktion ermöglicht das Unternehmen X-Sperm. Eine Untergrundgruppe will das allerdings ändern. Dafür macht sich Felina (Ariana Gansuh) an Max ran, den IT-Spezialisten der Firma (Dominik Betz).

Kleines Team wegen Corona

„Kontaktlos“ bietet einen spannenden Plot, zwei mitreißende Hauptdarsteller und eine Fülle an skurrilen Kleinigkeiten. Etwa in einer Nebenrolle den Frankfurter Theatermacher Michael Quast, der sich übers Bühnen-Theater mokiert. Man könne seinen Text doch auch vor der Kamera aufsagen. Oder den Blick auf die Frankfurter Skyline, anscheinend ist der halbfertige Wohnturm am Güterplatz auch 2040 halbfertig.

Die Grundidee hatte HR-Redakteurin Janina Strothmann. Die sich einfach mal gefragt hat, was ihre kleine Tochter wohl machen wird, wenn das Virus nicht besiegt wird. Anfang April hat sie bei Ermisch angefragt, ob er ein Drehbuch schreiben könnte. In nur drei Wochen. Die Serie sollte so aktuell wie möglich sein.

„Sportlich war das“, sagt Ermisch, „aber auch aufregend.“ Auch der Dreh. Wegen der Kontaktbeschränkungen habe er mit winzigem Team gearbeitet. Die Darsteller sind überwiegend alleine zu sehen. Nur bei zwei oder drei Szenen sind sie zusammen im Bild. Dazu Kamera und Ton. Er, der Regisseur, stand meist im Nachbarraum am Monitor. „Und ständig mussten wir Maske tragen und alles desinfizieren.“

Drehgenehmigungen für Außenaufnahmen hat es zu der Zeit nicht gegeben. So ist „Kontaktlos“ ein Kammerspiel geworden. Was für heutige Sehgewohnheiten eine Herausforderung ist, wo Film und Fernsehen mit vielen Schnitten, Szenen, Settings und Kulissen aufwarten. Das Team habe das fabelhaft abgefedert, sagt Ermisch. Was die Kameraleute aus den zwei popligen Räumen gemacht haben…“

Kontaktlos, Miniserie mit sechs Folgen, insgesamt 90 Minuten. Zu sehen in der ARD Mediathek: www.ardmediathek.de.

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