+
In der UAS lernen Studierende in der Klassengemeinschaft.

UAS in Frankfurt

Die UAS auf einen Blick

  • schließen

Zehntausende junger Leute strömen in den kommenden Tagen wieder in die Hörsäle. Anlass genug für eine kurze FR-Serie über die Hochschulen in der Region. Heute: die UAS Frankfurt

An diesem Mittag Anfang Oktober liegt er noch still da, der Campus der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS). Es ist kaum etwas los, einige Fahrräder stehen herum, gelbes Laub liegt auf dem Boden. Nur wenige Menschen überqueren das überschaubare Gelände, das mit seinem Mix aus alten Häusern und neueren Gebäuden mit modernen Glasfassaden fast schon skurril wirkt. Noch merkt man nichts davon, dass hier in weniger als zwei Wochen etwa 14 000 Studierende in das nächste Semester starten werden.

„Der Campus ist räumlich begrenzt“, räumt Professorin Kira Kastell, Vizepräsidentin der Hochschule, ein. Doch in Bezug auf die Studierendenzahl, die sich in den letzten zehn Jahren beinahe verdoppelt habe, gehöre die UAS zu den großen Fachhochschulen. Der Campus im Nordend kann wegen anliegender Straßen und Bebauung allerdings nicht mehr nach außen wachsen. Dennoch verspricht die Vizepräsidentin: „Wir werden unsere Räumlichkeiten auf dem Campus in den nächsten Jahren sukzessive erweitern.“ Zwei Gebäude sollen abgerissen und ersetzt werden, man wolle in die Höhe bauen, um Platz für Labore, Seminarräume und Büros zu schaffen.

Nicht immer waren alle Fachbereiche auf einem Campus vereint: Die 1971 aus mehreren Vorgängerinstitutionen hervorgegangene Fachhochschule nutzte über 20 Jahre lang neben dem Campus am Nibelungenplatz auch Räumlichkeiten im Nordwestzentrum. Die dort untergebrachten wirtschaftlichen und sozialen Studiengänge zogen in den 1990er Jahren ins Nordend. „Die Beweggründe waren die kurzen Wege“, erzählt Kastell. Der Gedanke, die Hochschule auf einem Campus zu vereinigen, sei schon immer da gewesen. Aus einem triftigen Grund: „Die Zusammenarbeit ist einfacher.“

Um die Interdisziplinarität zu fördern und die Verwaltung zu vereinfachen, wurden 2001 auch die Fachbereiche umstrukturiert: Aus 13 kleineren wurden vier große Fachbereiche. „Wir möchten vermehrt interdisziplinäre Studiengänge anbieten“, sagt Kastell.

Die Kooperationen über Wissenschafts- und Fachbereichsgrenzen hinweg stehen an der UAS besonders im Fokus: So müssen alle Bachelor-Absolventen ein interdisziplinäres Modul abschließen, berichtet die Vizepräsidentin. Es sei „schon etwas Anderes, ob ich als Ingenieurin ein Projekt nur mit Ingenieuren mache oder ob Kommilitonen aus anderen Studiengängen ebenfalls daran beteiligt sind“. Auch ermutige die Hochschule ihre Wissenschaftler, gemeinsam mit Kollegen anderer Disziplinen zu forschen und zu arbeiten.

Ein weiteres Hauptaugenmerk der UAS liegt auf der Internationalität. Um diese zu betonen, wurde die Fachhochschule Mitte 2014 in „University of Applied Sciences“ (deutsch: Universität der angewandten Wissenschaften) umbenannt. In den 62 angebotenen Studiengängen sind Menschen aus über 100 verschiedenen Nationen vertreten. „Das ist auch etwas, worauf wir stolz sind“, sagt die Vizepräsidentin. „Wer hier studiert, kommt automatisch mit dem Thema Internationalität in Berührung.“ 55 Prozent aller Studierenden an der Fachhochschule seien entweder Ausländer oder haben einen Migrationshintergrund, das sei deutschlandweit die zweithöchste Quote, so Kastell. „Wir wollen das ganz bewusst fördern.“

Die Herausforderung, vielen verschiedenen Sprachen und Kulturen gerecht zu werden, begreift die UAS als eine Chance, als eine „Bereicherung auf allen Ebenen,“ erzählt die Professorin. So bestehen Kooperationen mit etwa 200 Hochschulen, verteilt auf der ganzen Welt. Neben vielen englischen Veranstaltungen, kostenlosen Sprachkursen und Austauschangeboten für Studierende und Lehrende bietet die UAS zum Beispiel auch ein „Willkommensjahr“ an: Hochschulberechtigte Geflüchtete erlernen den Stoff des ersten Semesters, verteilt auf zwölf Monate. Zusätzlich nehmen sie an Deutschkursen teil. Anschließend können die Flüchtlinge ins reguläre zweite Semester ihres Studiums starten. Dieses Projekt geht jetzt in die zweite Runde. Die Hochschule überlege, so berichtet Kastell, das „Willkommensjahr“ zu erweitern: „Wir glauben, dass das auch für ausländische Studierende ohne Fluchthintergrund attraktiv sein kann.“

Neben dem interkulturellen Aspekt, den die Hochschule ihren Studierenden näherbringen will, möchte sie vor allem eins: auf das Berufsleben vorbereiten. So lautet das offizielle Motto der UAS „Wissen durch Praxis stärkt“. Oder, wie Kastell es ausdrückt: „Je mehr man mit der Praxis in Berührung kommt, desto besser.“ Zu diesem Zweck kooperiert die Hochschule beispielsweise mit Unternehmen wie der Lufthansa, mit der Stadt Frankfurt und mit dem Bundesministerium für Gesundheit, aber auch mit kleinen und mittelständischen Firmen.

Damit die Studierenden Eindrücke direkt aus dem Arbeitsalltag erlangen können, kommen außerdem Lehrbeauftragte, zum Beispiel aus Unternehmen, an die UAS. Dort berichten sie hautnah von den Erfahrungen in ihren Jobs. Diesen Bezug zur Welt außerhalb der Hochschule herzustellen, das ist Kastell wichtig. „Die Praxisnähe ist ein Qualitätsmerkmal“, unterstreicht die Vizepräsidentin.

Ausstattung: Von Karate bis Familienbüro

Die Bibliothek ist während des Semesters montags bis freitags von 9 bis 21 Uhr geöffnet, an Samstagen von 10 bis 15 Uhr. Neuanmeldungen und das Bezahlen von Gebühren ist an Wochentagen von 11 bis 17 Uhr, an Samstagen bis 15 Uhr möglich.

Auch ein Selbstlernzentrum befindet sich auf dem Campus der UAS. Dort gibt es Arbeitsräume, Einzelarbeitsplätze, Computer, Kopierer und eine Präsenzbibliothek. Studierende finden dort außerdem ein Café und können an einer kostenfreien Lernberatung teilnehmen. Der Campussport der Hochschule bietet über 30 verschiedene Sportarten an, darunter etwa Karate oder Tanzen. In den ersten zwei Semesterwochen sind alle Sportarten kostenlos, um sie ausprobieren zu können, danach kosten die meisten Kurse 10 Euro pro Semester.

Familienfreundliches Studieren ist an der UAS möglich. Mit Angeboten wie einem Familienbüro, flexibler Betreuung und einer Krabbelgruppe soll auch Eltern ein Studium ermöglicht werden.

Das sagt der Asta: Räumlich sehr eng

„Die Zusammenarbeit mit der Hochschulleitung stellt sich für uns ausgesprochen positiv dar,“ berichtet der AStA-Vorstandsvorsitzende Fritz Fischer. Natürlich habe man zum Teil unterschiedliche Positionen, doch die Leitung der UAS sei sehr kooperativ. Auch in Bezug auf Freiräume der Studierendenschaft zeigt Fischer sich zufrieden: Klar gebe es immer mal Einschränkungen, doch generell sei der Spielraum sehr groß. Die räumlichen Kapazitäten nennt der Vorstandsvorsitzende allerdings „eine Katastrophe.“ An der technischen Ausstattung mangele es nicht, jedoch seien die Räumlichkeiten nicht für die große Anzahl an Studierenden ausgelegt. Der Asta unterstützt die Bemühungen und Baupläne der Hochschulleitung und kritisiert die Mittelverteilung des Landes. Das Problem sei ein finanzielles. Die vorhandenen Mittel sollten im Haushalt anders geschichtet werden, fordert Fischer. „Wir würden uns einen niedrigeren Semesterbeitrag wünschen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende zudem.

Wohnen und Essen: Kaum Wohnheimplätze

Die Mensa „Esswerk“ befindet sich auf dem Campus der UAS. Sie wird vom Studentenwerk Frankfurt betrieben. Das Menü: Neben einer fleisch- oder fischhaltigen Mittagsmahlzeit wird auch eine vegetarische Alternative geboten. Darüber hinaus steht täglich eine Suppe auf dem Programm sowie Snacks wie Pizza oder Currywurst. Auf dem Campus befinden sich darüber hinaus vier weitere Cafés, in denen Studierende Snacks und Getränke kaufen können. Die Wohnmöglichkeiten der UAS laufen ebenfalls über das Frankfurter Studentenwerk, das 26 Wohnheime in Frankfurt sowie drei Anlagen außerhalb der Stadt betreibt. Insgesamt stellt es etwa 2.900 Plätze zur Verfügung. Preislich bewegen diese sich zwischen 128 und 783 Euro monatlich. Allerdings haben auch Studierende anderer Hochschulen Anspruch auf diese Plätze. Da sich insgesamt mehr als 60.000 Studierende auf die Wohnheimplätze bewerben können, ist der Platz entsprechend knapp.

Wissenschaft

62 Studiengänge, acht davon dual, bietet die UAS an. Diese sind auf vier Fachbereiche verteilt. Zwei decken den technischen Bereich ab: Architektur, Bauingenieurwesen oder Informatik etwa. Fachbereich 3 bietet Studiengänge im wirtschaftlichen und rechtlichen Bereich an, der vierte Fachbereich ermöglicht soziale Studien.

Auch außergewöhnliche Fächerkombinationen sind an der FH möglich. So der interdisziplinäre Masterstudiengang „Barrierefreie Systeme“, der Elemente aus Architektur, Informatik, Ingenieurswesen und Pflege vereint.

Die Bachelor- und Masterabschlüsse der UAS sind international anerkannt und durch Kooperationen mit etwa 200 Hochschulen in der ganzen Welt ist die FH auch international gut vernetzt.

Forschungsschwerpunkte der Hochschule sind „Demografischer Wandel und Diversität“,  „Erneuerbare Energien“ sowie „Mobilität und Logistik“. Darüber hinaus gibt es eine Forschergruppe, die sich mit dem Thema „Netzwerk und verteilte Systeme“ befasst. Alle diese Schwerpunkte sind interdisziplinär.

Statistik: Hochschule in Zahlen

Am 1. August 1971 wurde die staatliche Hochschule gegründet. Vor drei Jahren wurde sie, wie viele andere hessische Fachhochschulen, in University of Applied Sciences (UAS) umbenannt. Der neue Name soll die internationale Ausrichtung der Hochschule betonen. Etwa 14 000 Menschen aus über 100 Nationen studieren dort. „Mein Gefühl wäre, dass wir jetzt langsam das Plateau erreicht haben“, meint Vizepräsidentin Kira Kastell. Die Studierendenzahlen sind im letzten Jahrzehnt sehr stark gestiegen.

Rund 1000 Beschäftigte arbeiten an der FH, darunter etwa 250 Professoren. Hinzu kommen einige Lehrbeauftragte, etwa aus Unternehmen, die den Studierenden Einblicke in den Arbeitsalltag verschaffen sollen.

Etwa 85 Millionen Euro betrug der Etat der UAS im Jahr 2016. Darin enthalten waren rund acht Millionen Euro aus Dritt- und Sondermitteln.

37 500 Quadratmeter groß ist der Campus am Nibelungenplatz im Stadtteil Nordend – Platz zum Erweitern gibt es kaum.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare