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Strähnen ist Profisache, aber momentan dürfen Friseure wegen der Coronapandemie nicht arbeiten.
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Strähnen ist Profisache, aber momentan dürfen Friseure wegen der Coronapandemie nicht arbeiten.

Corona-Krise

Corona-Lockdown: Haareschneiden trotz Verbots

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Seit Mitte Dezember sind Friseursalons wegen der Coronapandemie geschlossen. Aber nicht alle halten sich an die Regeln. Manche schneiden heimlich im Salon oder Zuhause.

  • Friseurbetriebe in Hessen trifft die Corona-Pandemie hart.
  • Auch im zweiten Corona-Lockdown schneiden manche Friseur:innen heimlich weiter - trotz drohendem Bußgeld.
  • Viele Friseur:innen müssen sich Nebenjobs suchen.

Eine Kundin ist so verzweifelt, weil ihr dunkler Ansatz herausgewachsen ist, dass sie ihre Friseurin mehrfach am Tag am Telefon anfleht, sie zu blondieren. „Sie bot mir an, dass sie mich mit dem Auto abholt und ich ihr heimlich zu Hause die Haare blondiere. Es erfährt auch niemand etwas, hat sie gesagt. Ich kam mir vor, als wäre ich plötzlich in so einem Agentenfilm.“ Sie habe das Angebot abgelehnt.

„Ich will mich nicht strafbar machen“, betont die Frankfurter Friseurin. Rund 80 000 Salons des deutschen Friseurhandwerks sind seit dem 16. Dezember geschlossen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. In Hessen sind es 6000 Friseurbetriebe mit 17 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Erbringen von Friseurdienstleistungen ist unter Androhung hoher Bußgelder verboten.

Corona-Lockdown - Friseure schneiden teilweise trotzdem Haare

Und doch halten sich nicht alle daran. In Salons oder zu Hause wird heimlich weitergeschnitten. Ein Frankfurter Friseurmeister sagt: „Ich war auf der Suche nach einem eigenen Salon, als der zweite Lockdown kam. Ich jobbe in einer Reinigungsfirma, aber das reicht finanziell nicht. Also schneide ich in meiner Wohnung meine Stammkunden. Ich habe zwar Angst, erwischt zu werden, aber die Angst, nicht zu überleben, ist größer.“ Eine Statistik, wie viele Friseur*innen bislang Bußgelder zahlen mussten, gibt es laut Frankfurter Ordnungsamt nicht.

Eine Frankfurterin, die sich heimlich im Salon schneiden lässt, sagt, Friseure seien systemrelevant. „Ich gehe weiter zu meinem Stammfriseur. Gepflegte Haare sind wichtig für mich als Frau. Ich sitze allein beim Friseur und wir tragen beide Masken und er hält den Mindestabstand ein“, erzählt die Frankfurterin. Und sie sagt: „Was ist denn mit Frau Merkel? Sie lässt sich auch weiter die Haare schneiden.“

In einem offenen Brief appellierte der Zentralverband Friseurhandwerk am Dienstag an die Vorbildfunktion des Deutschen Fußball Bunds (DFB). „Mit großer Verwunderung mussten wir an den vergangenen Spieltagen feststellen, dass ein Großteil der Fußballprofis sich mit frisch geschnittenen Haaren auf dem Platz präsentierte: einrasierte Scheitel, auf wenige Millimeter getrimmtes Nacken- und Schläfenhaar, saubere Konturen. Frisuren, die nur professionelle Friseurinnen und Friseure mit Profi-Equipment schneiden können.“

Geschäftsschließungen wegen Corona: „Friseure sind keine Hotspots“

Das ärgert auch Thomas Trapp. Der Friseurmeister hat drei Salons im Rheingau. Außerdem ist er im Vorstand des Landesinnungsverbands Friseurhandwerk Hessen. „Entweder es ist für alle verboten oder für alle erlaubt, sich die Haare schneiden zu lassen.“

Auch Politiker, TV-Moderatoren und Fußballer müssten sich an die Regeln halten. Seit der Wiedereröffnung im Mai nach dem ersten Lockdown habe er nur die Hälfte der Stühle besetzen dürfen und sich an alle Hygienemaßnahmen strikt gehalten.

„Ich verstehe nicht, dass wir nicht arbeiten dürfen. Friseursalons sind keine Hotspots. Und was jetzt zu Hause passiert, wenn Kollegen dort die Haare heimlich und ohne die gleichen Hygienemaßnahmen schneiden, fördert nur die hohen Infektionszahlen und die Schwarzarbeit.“ Nicht arbeiten zu dürfen, sei für ihn furchtbar. „Gesundheitsminister Jens Spahn hatte noch im September gesagt, dass man mit dem Wissen von heute keine Friseure mehr schließen würde und dies nicht mehr geschieht.“ Trapps Mitarbeiter erhielten verzweifelte Kundenanrufe, die sie ablehnten. „Ich weiß aber von Kollegen, die von Kunden das Angebot bekommen, das Doppelte wie üblich für ihren Schnitt zu bezahlen.“ Trapp bemängelt, dass die Friseure vom Staat bislang nur die Fixkosten, nicht wie bei den Gastronomen den Unternehmerlohn, erstattet bekommen sollen.

Friseure wegen Corona in ihrer Existenz bedroht

„Das ist, je nachdem wie viel Rücklagen man hat, früher oder später für jeden von uns existenzgefährdend.“ Seine zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekämen Kurzarbeitergeld: „Aber ich kann es mir in der aktuellen Situation leider finanziell nicht erlauben, ihr Kurzarbeitergeld aufzustocken. Ihnen fehlt zudem das Trinkgeld. Also räumt ein Teil im Supermarkt Regale ein.“ Aus Unsicherheit bildeten Betriebe im Jahr 2020 weniger aus. Es habe bislang einen Ausbildungsrückgang von circa 20 Prozent in Hessen gegeben.

Trapp bezweifelt, dass bei den hohen Infektionszahlen die Salons am 1. Februar wieder öffnen dürfen. „Wir müssen aber wieder öffnen. Denn auch wenn es Youtube-Videos gibt, in denen propagiert wird, dass man in fünf Minuten das Haareschneiden lernt, ist das fern der Realität. Wir werden die Retter in der Not sein, wenn wir wieder öffnen.“ (Kathrin Rosendorff)

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