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Rund 25 000 Menschen in etwa 12 000 Wohnungen sollen auf die 190 Hektar an der Autobahn A5 einziehen.

Neuer Stadtteil in Frankfurt

Frischluft fließt über Stein- und Urselbach

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Vertreter der Stadt Frankfurt erläuterten die Pläne zum geplanten neuen Stadtteil an der A5. Die Stadt sieht die Diskussionsrunde des Vereins Brücke 71 als Auftakt zum Austausch.

Wie soll das funktionieren, ein Stadtteil, der von einer Autobahn durchtrennt wird?“ „Was macht ein Neubaugebiet eigentlich mit dem Stadtklima?“ „Wohin mit den Landwirten?“ „Wie soll das mit dem Nahverkehr laufen?“ Und überhaupt: „Wie groß soll Frankfurt denn noch werden?“ Was den geplanten Stadtteil an der A5 angeht, so stellen sich vor allem die Bewohner der angrenzenden Stadtteile Praunheim, Niederursel und Steinbach Fragen dieser Art.

Vielen, aber nicht allen Anmerkungen der Besucher standen Hans-Georg Dannert vom Umweltamt und Marcus Gwechenberger vom Planungsdezernat am Dienstagabend betont besänftigend Rede und Antwort. Zuletzt vor gut einem Jahr brachte Planungsdezernent Mike Josef Interessierte auf den neusten Stand. Deshalb lud der Verein Brücke 71 zu einer Diskussionsrunde in die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Knapp 100 Menschen besetzten die Kirchenbänke.

In den neuen Stadtteil sollen laut Planungsdezernat rund 25 000 Menschen in etwa 12 000 Wohnungen auf 190 Hektar einziehen. Mit etwa 20 Jahren sei für die Entwicklung zu rechnen. Die Fläche sei aber im regionalen Flächennutzungsplan für Landwirtschaft vorgesehen und erfülle zudem wichtige klimatische Funktionen für die angrenzenden Stadtgebiete, sagen die Kritiker des Vorhabens. Deshalb sei es eine akute Herausforderung, „Frei- und Siedlungsräume zusammenzudenken“, sagte Gwechenberger.

Die Winde, die von den betreffenden Wäldern, Grünflächen und Ackerböden aus derzeit die Nordweststadt mit Kalt- und Frischluft versorgen, kämen sowieso nicht bis ins Stadtzentrum, unterrichtete Klimatologe Dannert die Zuhörer. Damit dennoch möglichst viel Kühlung von außerhalb der Stadtgrenzen zugeführt werden könne, würden Luftleitbahnen in die Planung der Bauweise mit einbezogen. So würden etwa der Ursel- und der Steinbach frei gelassen. Mit den Landwirten sei man im Gespräch.

Lärmschutzwall um die Autobahn 5

Auf Bedenken infrastruktureller Natur, so Gwechenberger, reagiere das Dezernat, indem „Wachstum und Region zusammengedacht“ würden. Ein Lärmschutzwall um die Autobahn 5, eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 6, ein Ausbau der Regionaltangente West: In den Erweiterungen der Nah- und Regionalverkehrsanbindungen müsse „dringend was passieren“, räumte er ein. Langfristig würden Investitionen in ein Ringsystem um die innere Stadtgrenze erforderlich. Die Planung sei jedoch noch in der Vorbereitung, viele Aspekte in der Prüfung, so Gwechenberger.

Wie groß Frankfurt denn noch werden solle? Derlei Einwürfe entkräftete Gwechenberger mit der Tatsache, dass Frankfurt als „weltoffene“ Stadt auch weiterhin Zuzug erleben werde. Die Zahl der Studierenden und Arbeitnehmenden sei in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Schon jetzt seien im Schnitt etwa zehn Prozent der Haushalte nicht mit ausreichend Wohnraum versorgt. Konkreter versprach Gwechenberger, der neue Stadtteil würde keine „graue Betonwiese“ werden. Das Dezernat stelle sich dort „freies, gefördertes und gemeinschaftliches“ und vor allem „bezahlbares“ Wohnen vor. Die Veranstaltung sei außerdem ein „Auftakt zum Austausch“, die Stadt wünsche sich Beteiligung aus der Bevölkerung.

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