+
Durch die Tore strömt frische, kühle Luft in die Innenhöfe.

Architektur

Frische Fünfziger

  • schließen

In der oft geschmähten Architektur der Nachkriegszeit sind angenehme Lüftungssysteme eingebaut.

Es wird viel geschwitzt zwischen Haupt- und Konstablerwache an den glühend heißen Tagen, die dieser Sommer bereits zu bieten hatte. Hier wächst kaum Grün, die Luft steht. Nur wenige Meter weiter, südlich des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, wo sich die großen Wohnquartiere der Fünfzigerjahre aneinanderreihen, ist das verblüffend anders.

Wer mit der Architektin Claudia Voigtländer auf einen ihrer kundigen „Mainrundgänge“ durch die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg rasch wiederaufgebaute Innenstadt geht (das nächste Mal am Samstag, 5. August, 14.30 Uhr, Anmeldung hier), der gerät spätestens in den großzügigen stillen Innenhöfen in ehrfurchtsvolles Staunen über die sorgfältig geplanten Wohnblöcke: Denn hier in der vielgeschmähten Wiederaufbauarchitektur ist die Hitze sozusagen ausgesperrt, wie die Architektin vorführen kann. „Ich wundere mich manchmal über die aktuelle Diskussion um Frischluftschneisen“, sagt sie. „Hier ist das doch bereits alles gelöst.“

Überall stehen Sitzbänke. Eine dichte, unterschiedlich hohe Bepflanzung spendet Schatten – die Bäume sind inzwischen teils auch schon ganz schön mächtig. Dazu haben die Stadtplaner den Höfen große offene Tore verpasst, durch die stets ein leichtes Lüftchen zieht. Hier ist es deutlich kühler als auf der Zeil.

Wie fragil dieses Lüftungssystem ist, zeigt ein Besuch in einem der alten Innenhöfe, der mit einem eleganten neuen Mehrfamilienhaus verdichtet wurde. Offenbar wollte man den Bewohnern etwas mehr Ruhe gönnen und hat den Hof mit Holztoren verschlossen. Obwohl auch diese noch Wind hindurchlassen, reicht es nicht mehr: Die Luft steht, und es ist beinahe so stickig wie auf der Zeil.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare