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Frisch und leicht

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Von: Clemens Dörrenberg

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Kellnerin Sarah verköstigt die Besucher mit dem Apfelwein.
Kellnerin Sarah verköstigt die Besucher mit dem Apfelwein. © Rolf Oeser

Beim Apfelweinanstich am Lohrberg wird der aktuelle Jahrgang getestet. Die Besucher bezeichnen ihn als süffig und mild, das Stöffche brauche noch etwas Zeit zum Reifen.

Goldgelb fließt der Tropfen des neuen Apfelweinjahres in einen Bembel. Mit einem Gummihammer und einem lauten Plopp-Geräusch sticht die Bergen-Enkheimer Apfelweinkönigin Nicole I. am Samstagabend in der „Mäh-Zweckhalle“ des Main-Äppel-Hauses ein hölzernes 50-Liter-Fass an. Rund 120 Neugierige sitzen auf Bierbänken in der Halle, die sonst zur Lagerung von Maschinen genutzt wird.

Jasmin und Martin Stahl zählen zu den ersten Testern. Sie blicken kritisch, während sie die gerippten Gläser zum Mund führen. Sie prüfen den Geschmack schmatzend auf der Zunge. „Nicht zu sauer, mild, bissi leicht“, sagt der 38-Jährige. Bei seiner Frau „bizzelt’s ein bisschen“, sagt sie. Die 36-Jährige ergänzt: „Man hat im ersten Moment das Gefühl, es ist Apfelsaft“. Alle am Tisch sind sich einig: Das Stöffche braucht noch Zeit zur Reife. Tischnachbarin Claudia Schäfer schaltet sich ein: „Süffig“ ist ihr erstes Urteil. „Den kann man auch ohne Wasser trinken“, sagt die 51-Jährige, die Apfelwein sonst gespritzt bevorzugt.

Gerhard Weinrich, Vorsitzender des MainÄppelHauses bezeichnet die neue Lese als „wohl schmeckenden, säurehaltigen, fruchtigen Schoppen“. Er ist froh, dass die Hänge des Lohrbergs mit ihrer Lage seine Ernte vor dem Frost im vergangenen Jahr verschont haben. „Dadurch, dass wir die wenigen waren, die Äpfel hatten, können wir die Preise stabil halten“, berichtet er und fügt hinzu: „Wir sind der Meinung, der Apfelwein-Preis muss für jeden erschwinglich sein“.

20 000 Liter Saft haben sie am Lohrberg im vergangenen Jahr gekeltert. Davon werden 7500 Liter in Edelstahlfässern zu Apfelwein vergoren. Aus dem anderen Teil werden Cidre, Secco, Säfte und Edelbrand hergestellt „Die Menge wird nicht reichen, um alle zu versorgen“, so Weinrich. Deshalb seien schon drei 500-Liter-Fässer nachgeordert worden, um mehr Äpfel verarbeiten zu können.

Zum siebten Mal hat das MainÄppelHaus den Apfelweinanstich veranstaltet. Weinrich freut sich, dass dieses Mal so viele junge Leute kamen. Er will mit Veranstaltungen wie dieser ein Bewusstsein für den Erhalt und die Wichtigkeit der Streuobstwiesen schaffen. Diese liegen direkt am MainÄppelHaus. Zur Unterhaltung ist der pensionierte TV-Journalist und Börsen-Kenner, Frank Lehmann, gekommen.

Neben Anekdoten rund um den Wein preist er dessen Vorzüge. „Kalorienarm, geringer Alkoholgehalt, guter Geschmack“, befindet Lehmann. Das MainÄppelHaus kenne er noch als Beratungsgarten, in dem er Tipps für seine Gartenarbeit erhalten habe. „Respekt was daraus geworden ist“, so der 76-Jährige. Er rät, den Bio-Betrieb gar an der Börse notieren zu lassen. „Ich würde eine Aktie kaufen“, sagt Lehmann.

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