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Kein Platz für einen Rollstuhl oder Rollator.

Nieder-Eschbach

Friedhof Nieder-Eschbach: Versperrter Zugang zum Grab

Menschen mit Rollator oder Rollstuhl haben Probleme die Gräber zu pflegen oder durch die schmalen Gassen zu kommen, der Abstand ist einfach zu gering. Bei einem Ortstermin schauten Anwohner, VdK und Ortsbeirat genau hin.

Es sind weniger als 50 Zentimeter, die die eine Grabreihe von der anderen trennen – für einen Menschen, der im Rollstuhl oder mit Rollator kommt, ist dieser Abstand sichtlich viel zu gering. Auch das einfache Hinknien in dem engen Zwischengang zur Grabpflege ist fast unmöglich, ja sogar gefährlich, wenn man nicht ganz sicher auf den Beinen steht. Auf Anregung von Menschen aus Nieder-Eschbach, denen deswegen der Zugang zu den Grabstätten ihrer verstorbenen Angehörigen versperrt ist, hat der Sozialverband VdK in Nieder-Eschbach am Montag mit Betroffenen und Mitgliedern des Ortsbeirats eine Friedhofsbegehung organisiert.

Heinz Roth führt vor, dass sein Rollator, der modern und schmal sei, nicht durch die schmale Gasse passt. Der 79-Jährige sagt deutlich: „Das ist nicht in Ordnung.“ Dass die Angehörigen aber an die Gräber kommen müssten, zur Pflege, zum Trauern, zum Gedenken, sollte eigentlich logisch sein, so Helene Marquart. Ihre 83-jährige Tante sitze im Rollstuhl und könne nicht an das Grab ihres verstorbenen Ehemanns, der Zugang sei ihr schlicht versperrt. Der Ortsbeirat will dem Thema nachgehen.

Auch die Seniorenbeauftragte Renate Sterzel findet den Zustand „absurd“. Denn eigentlich sei auf dem Friedhof Platz genug – die beiden Reihen seien nur so eng aneinander gelegt, weil dies der gesetzlichen Mindestvorschrift entspreche. Sterzel ist empört über „die seltsamen Regularien“, von denen man oft nichts wisse. Solche Gesetze seien „der Realität völlig fremd“, sagt auch Otto Pühl, denn Rollstühle bräuchten mindestens 80 Zentimeter Platz, wenn nicht sogar mehr. Der Vorsitzende des VdK Nieder-Eschbach betont zudem das generelle Problem des Zugangs für Menschen mit Behinderung – die meisten Türen seien schlicht zu eng oder Zugänge zum Arzt etwa nur über Treppen zu erreichen. .

Pühl betont aber auch, dass die Ortsbegehung keine Demonstration und kein Angriff sei: „Wir wollen nur auf die Schwierigkeiten hinweisen und hoffen, dass sich in Zukunft was ändert – dass sowas eben berücksichtigt wird.“ Eigentlich funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt sehr gut.

Der ortsansässige Bestatter Reinhard Friese macht deutlich, dass das Thema der nicht-barrierefreien Friedhöfe schon lange diskutiert werde, auch bei anderen städtischen Friedhöfen. Er fände es wichtig, „dass etwas passiert, dass die Leute nicht im Stich gelassen werden.“ Vor allem, da sich die Grabkultur geändert habe, werde das Problem immer gravierender: Denn die jüngeren Leute zögen weg und die Älteren vor Ort leisteten die Grabpflege.

Der Leiter des Grünflächenamtes, Stephan Heldmann, erklärt, das Problem könne jedoch wenn nur für die Zukunft gelöst werden, denn: „Das Grab kann nicht mehr verändert werden.“ Nach der Beschwerde einer Bürgerin 2018 sei aber eine Prüfung im Gange, ob und wie der Abstand zwischen Gräbern generell vergrößert werden könne – das sei ein Thema der „Altersgerechtigkeit“, so Heldmann.

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