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Hauptfriedhof: Nutzung als Freizeitpark bzw. Radfahrer stören manche Menschen.
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Hauptfriedhof: Nutzung als Freizeitpark bzw. Radfahrer stören manche Menschen.

Frankfurt

Friedhof im Wandel

Städtische Friedhöfe entwickeln sich immer mehr zu Naherholungsgebieten - das gefällt nicht jedem.

Wer ab und zu auf dem Frankfurter Hauptfriedhof unterwegs ist, der kennt wahrscheinlich den Bücherschrank und das angegliederte ökologische Feld, das wie ein kleiner Garten angelegt ist. Dieser Teil des Friedhofs lädt zum Verweilen ein: Viele kommen, um Ruhe vom Alltag zu finden, gehen spazieren und einige durchqueren den Friedhof auch mit dem Fahrrad. Mit diesem Angebot öffnet sich der Friedhof, wird neben seiner Funktion als Beisetzungsort auch ein Stück weit Naherholungsgebiet. Genau an dieser Stelle verschwimmen die Grenzen, und das sorgt vor allem bei denjenigen für Unmut, die den Friedhof primär als Ort der Trauer und des Gedenkens betrachten.

Besonders das Fahrradfahren ist ein Streitpunkt. Das spürt man auch bei den Menschen, die auf dem Hauptfriedhof unterwegs sind: Ein 55-Jähriger ärgert sich darüber: „Wo soll man sonst noch Ruhe finden, wenn nicht hier?“ Andere sehen das gelassener. Ein Ehepaar, den Fahrradhelm noch aufgesetzt, stöbert nach Lektüre im Bücherschrank. Sie haben damit kein Problem: „Solange hier kein Halligalli herrscht, spricht nichts dagegen.“ Die Friedhofsordnung verbietet explizit das Fahrradfahren, doch die einen halten sich daran, die anderen nicht. Diese Streitereien spielen sich auf der Oberfläche eines grundlegenden Wandels ab.

Grün in der Großstadt

Mit Blick auf die Entwicklung des kommunalen Friedhofswesens zeichnet sich bundesweit ein Trend ab: Vor allem Friedhöfe in Städten würden nach Angaben des Frankfurter Grünflächenamts ihre Primärfunktion als Beisetzungsort verlieren. Die Gründe seien vielfältig und würden von den anfallenden Kosten, pflegeleichten Grabformen über den Wunsch, am Heimatort bestattet zu werden, reichen. Das lasse sich auch in Frankfurt beobachten: weniger Bestattungen, mehr ungenutzte, freie Grünflächen. Doch was macht man mit den freien Flächen in einer Großstadt wie Frankfurt?

Thomas Bäder, Leiter der Abteilung Friedhofsangelegenheiten beim Grünflächenamt, setzt sich mit weiteren Nutzungsmöglichkeiten auseinander: „Der Friedhof ist mehr als eine reine Bestattungsfläche, er ist Teil der öffentlichen Grünanlagen.“ Auf dem Hauptfriedhof, der mit 70 Hektar Fläche auch eine wichtige Rolle für die Biodiversität der Stadt spielt, sind der Bücherschrank und das ökologische Feld Versuche, Impulse für eine erweiterte Nutzung zu geben. Norbert Schlüter, Friedhofsverwalter, beobachtet viele Spaziergängerinnen und Spaziergänger, die die Ruhe im Grün genießen. „Wir geben uns viel Mühe, den Friedhof zu gestalten, und freuen uns, wenn die Menschen ihn gerne besuchen“, sagt er.

Gleichzeitig spiegelt der Hauptfriedhof fast 200 Jahre Stadtgeschichte wieder, einzelne Grabstätten sowie Gebäude stehen unter Denkmalschutz, es gibt Kriegsgräber und die Gräber bekannter Persönlichkeiten wie die von Adorno, Schopenhauer oder Alzheimer.

Auch Tiere fühlen sich wohl: Neben den Insektenhotels auf dem ökologischen Feld gibt es beispielsweise auch Fledermäuse und natürlich Eichhörnchen. Außerdem würden immer mehr internationale oder nichtchristliche Grabflächen mit eigener Grabkultur entstehen. Die vielen Mosaiksteinchen, aus denen sich der Hauptfriedhof zusammensetzt und die sich in neue Richtungen erweitern, spiegeln auch immer die gesellschaftliche Entwicklung der Stadt wider. Braucht es dann vielleicht auch neue Regeln, wenn der Friedhof künftig immer mehr Gedenken und Naherholung vereint? Friedhofsverwalter Schlüter weiß nicht, wo man ansetzen soll: „Die Grenzen verschieben sich.“ Um jedes „Vergehen“ zu sanktionieren, dafür fehlen die Kapazitäten. Vielmehr appelliere er an gegenseitige Rücksichtnahme: „Es muss einem bewusst bleiben, dass man sich auf einem Friedhof befindet.“ Und der sei zwar offen für alle, aber immer noch kein Park. Unterdessen wird beim Grünflächenamt diskutiert, ob das Fahrradfahrverbot künftig aus der Friedhofsordnung gestrichen werden sollte – das Ergebnis ist noch offen.

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