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Friedensfeier in Frankfurt: Weltweite Abrüstung gefordert

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Von: Alina Hanss

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„Eine Feier in einer außergewöhnlichen Zeit“. Renate Hoyer
„Eine Feier in einer außergewöhnlichen Zeit“. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Das Bündnis „8. Mai 2022“ hat auf dem Frankfurter Römerberg an die Opfer des NS-Regimes und den Widerstand erinnert.

Unter dem Motto „Die Waffen nieder“ hat das Bündnis „8. Mai 2022“ eine Friedensfeier in Frankfurt organisiert. Anlässlich des Tags der Befreiung von Faschismus und Krieg wurde den Opfern des NS-Regimes gedacht und an den Widerstand erinnert. Dem breiten Bündnis gehören neben Gewerkschaften und Parteien auch antifaschistische Vereine und zivilgesellschaftliche Organisationen an. Mit Infoständen und lateinamerikanischen Gesangseinlagen wurde der Tag auf dem Römerberg gefeiert.

Der Vormittag begann mit der Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes an der Paulskirche. Zudem wurden im gesamten Stadtgebiet Blumen an Gedenktafeln, Gedenkstätten und Stolpersteinen angebracht und der Befreiung vor 77 Jahren gedacht. Dann folgte das Programm aus Zeitzeugengespräch, Theater und Diskussionsrunde am Römer.

Gedenken

Vor dem Ehrenmal der Kriegsopfer auf dem Frankfurter Hauptfriedhof sind am Sonntag anlässlich des 8. Mai Kränze niedergelegt worden. Unter Federführung des US-amerikanischen Konsulats wurde zusammen mit General- und Honorarkonsulen, Polens, Großbritanniens, Litauens, Lettlands und der Ukraine den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Das Land Hessen wurde vom Antisemitismusbeauftragen Uwe Becker (CDU) vertreten. Die Stadt Frankfurt durch Stadtrat Mike Josef (SPD) und Stadträtin Rosemarie Heilig (Grüne). FR

Einen Schwerpunkt der Befreiungsfeier legte das Bündnis auf die Rolle der Roma und Sinti im Widerstand gegen das NS-Regime. Die Erinnerung an den Porajmos, der Völkermord an den europäischen Roma in der NS-Zeit, müsse aufrechterhalten werden, so die Veranstalter:innen. Auch nach Kriegsende 1945 wurden die Minderheiten verfolgt und ausgegrenzt. Rechtmäßige Entschädigungszahlungen für die Zwangsarbeit in den Konzentrationslagern wurde lange verwehrt. Bis heute erleben sie Diskriminierung.

Auch in Frankfurt hat es lange gebraucht, bis die Verfolgung von Sinti und Roma und der Genozid an den Minderheiten thematisiert wurde. Die Roma-Union Frankfurt kämpfte mehr als zehn Jahre dafür, dass eine Mahntafel in der Innenstadt angebracht werden sollte. In der Braubachstraße hinter der Paulskirche wurde nicht nur das sogenannte nationalsozialistische „Erbarchiv“ aufbewahrt, sondern dort arbeiteten nach 1947 auch Eva Justin und Robert Ritter weiter im Frankfurter Gesundheitsamt in leitenden Funktionen. Beide hatten während der NS-Zeit „rasse-biologisch“ begründete Verbrechen an Sinti und Roma begangen und mit ihren Erfassungen eine wesentliche Grundlage für den Völkermord gelegt. Dafür wurden sie nicht zur Rechenschaft gezogen. In Erinnerung an die ermordeten Sinti und Roma wurde die Tafel zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus 2000 enthüllt.

Silas Kropf, Mitglied der Unabhängigen Kommission Antiziganismus im Bundesinnenministerium, berichtete auf der Kundgebung des Bündnisses von aktuellen Entwicklungen: „Sinti und Roma aus der Ukraine gelten in Deutschland nicht als Geflüchtete, da sie keine Pässe besitzen. Während Ukrainer:innen die Bahn ohne Fahrkarten nutzen durften, hören wir immer wieder von Berichten, in denen Sinti und Roma der Zugang zu Zügen und Shuttlebussen verwehrt wurde.“ Hier werde mit zweierlei Maß gemessen, sagt der Experte. „Wir fordern alle Beteiligten auf, keine rassistischen Unterschiede in der Herkunft zu machen. Wer flieht, braucht unsere bedingungslose Unterstützung.“

Von einer „Feier in einer außergewöhnlichen Zeit“ sprachen die Veranstalter:innen zum Ende der Kundgebung. Das Bündnis fordert die weltweite Abrüstung zugunsten von Investitionen in Bildung und den Kampf gegen den Klimawandel und den Hunger in der Welt. Der Krieg gegen die Ukraine sei durch nichts zu rechtfertigen, heißt es in der Stellungnahme. Die Veranstalter:innen erneuerten zudem die Forderung, den achten Mai zum gesetzlichen Feiertag zu machen. Im Anschluss wurde eine antifaschistische Demo auf dem Paulsplatz organisiert.

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