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Protest gegen Lorz: Fridays for Future-Bewegung wehrt sich gegen Äußerungen des hessischen Kultusministers.

Schülerbewegung

„Fridays for Future“ - Proteste für die Zukunft und gegen Alexander Lorz

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Fridays for Future protestieren in Frankfurt gegen den Kultusminister und die Deutsche Bank.

Vor den Hochhäusern der Deutschen Bank sacken plötzlich alle in sich zusammen. Mitten auf der Straße liegen 250 Anhängerinnen und Anhänger der Schülerbewegung „Fridays for Future“ regungslos am Boden – und das im strömenden Regen. Sie sollen die Opfer des Klimawandels symbolisieren, erklärt Konstantin Nimmerfroh vom Organisationsteam der Frankfurter Ortsgruppe. Das sogenannte „Die-In“ ist diesmal Teil des wöchentlichen Klimaprotests.

Auch am zweiten Freitag der hessischen Schulferien ziehen die Schülerinnen und Schüler wieder durch die Stadt und zeigen: Der Klimaprotest dient nicht zum Schuleschwänzen. „Ich bin seit Februar jede Woche dabei“, sagt Annalena, 16 Jahre alt. Ihr sei egal, ob sie dafür Unterricht oder ihre Freizeit opfere.

Die Wut auf den hessischen Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ist bei der Demonstration am Freitag offensichtlich. In einem Interview hatte Lorz in dieser Woche unter anderem mit Bußgeldern gedroht, sollten die Demonstrierenden nach den Sommerferien weiter freitags der Schule fern bleiben. „Ich kann nichts. Ich bin nichts. Gebt mir einen Ministerposten“, rufen die Demonstrierenden auf ihrem Protestzug durch die Stadt. Viele tragen den Spruch auch auf Plakaten durch die Straßen - neben einem Bild des Kultusministers.

„Fridays for Future“-Bewegung ärgert sich über Aussage von Lorz

Die SPD im Landtag bekräftigte am Freitag ihre Kritik an den Aussagen von Alexander Lorz. Der Minister irre gewaltig, wenn er sage, dass es „keinen Grund mehr gebe, beharrlich für mehr Klimaschutz zu demonstrieren“.

Konkreter Klimaschutz sei „mit der CDU erkennbar nicht zu machen“, urteilte der SPD-Abgeordnete Christoph Degen. „Und solange sich das nicht ändert, werden die Schülerinnen und Schüler weiter demonstrieren.“ Auch Grüne und Linke hatten sich hinter Fridays for Future gestellt. (pit)

Die Aussage Lorz‘, die Schülerbewegung habe ihr Ziel schon erreicht, verärgert diese. „Wir streiken bis ihr handelt. Was, Kultusminister Lorz, haben Sie daran nicht verstanden?“, ruft der 15-jährige Asuka, ebenfalls aus dem Frankfurter Organisationsteam, vor Aufbruch der Demo in die Menge und erntet dafür lauten Jubel. Lorz habe sich wohl nie mit den Forderungen von Fridays for Future beschäftigt, sagt der Schüler. Sonst wüsste er nämlich, dass ihr Ziel noch lange nicht erreicht sei. Auch die Bußgelddrohung mache ihn wütend. „Wir protestieren hier für unsere Zukunft - und dafür sollen wir zahlen?“, fragt Asuka aufgebracht. Von der Bockenheimer Warte aus zieht die Menge los. Ziel sind diesmal die beiden Hochhäuser der Deutschen Bank an der Taunusanlage. Auch die 16-jährige Penelope läuft mit Freundin Amelie, ebenfalls 16, bei der Demo mit. Die von Lorz angedrohten Bußgelder werden sie auch nach den Ferien nicht davon abhalten, für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen, erklären die beiden. Dass der Kultusminister eine solche Strafe androht, findet Penelope „traurig. Wir sind schließlich eine friedliche Protestaktion die auf die Fehler der Politik reagiert. Wenn die Politik früher mehr getan hätte, hätten wir ja jetzt gar keinen Grund, auf die Straße zu gehen“, sagt die Schülerin.

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Auch als es kurz vorm Ziel anfängt zu regnen, rufen die Jugendlichen weiter laut ihre Sprüche. Wer kann, rettet sich unter Regenschirm oder Kapuze, aber auch der Rest läuft entschlossen weiter. Im strömenden Regen erreicht die Gruppe die Deutsche Bank-Türme. Kaum angekommen gibt vorne jemand das Signal und alle fallen wie tot zu Boden. Passanten beobachten die Gruppe neugierig vom Schutz ihrer Regenschirme aus.

Den Platz für das „Die-In“ wählten die Fridays for Future-Organisatoren, um die Deutsche Bank für ihre hohen Investitionen in fossile Brennstoffe und den angekündigten Stellenabbau zu kritisieren, erklären die Aktivisten über ein Megafon. „Als größte Bank Deutschlands wird sie ihrer Verantwortung im Moment nicht gerecht“, sagt Natalie, 16 Jahre alt und ebenfalls Mitglied des Organisationsteams.

Trotz des immer stärker werdenden Regens bleiben alle tapfer bis zum Schluss liegen. Mit Blick in den Himmel ruft ein Teilnehmer aus der Menge am Boden: „Das bisschen Regen stört uns doch nicht!“

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