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Fridays-for-Future-Demonstration am 15. März 2019 in Frankfurt: Schülerinnen und Schüler gehen auch an diesem Freitag gegen Klimawandel und Erderwärmung auf die Straße statt in den Unterricht.

Senckenberg-Preis  

Fridays for Future: „Die Jugend hat‘s kapiert“ - Aktivist Martinez in Frankfurt gefeiert

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Die Demos von „Fridays for Future“ machen dem US-Klima-Aktivisten Xiuhtezcatl Martinez Mut. In Frankfurt nimmt er einen Senckenberg-Preis entgegen - und wird frenetisch gefeiert.

Oh ja, man kann durchaus sagen, dass Xiuhtezcatl Martinez, 18-jähriger US-Amerikaner, für den Klimaschutz die Schule geschwänzt hat. Und zwar schon einige Jahre bevor es weltweit in Mode kam. Xiuhtezcatl Martinez tat allerdings noch eine ganze Menge mehr. Mit sechs Jahren schon setzte er sich, von den Eltern nach Tradition der Azteken erzogen, für Umweltschutz ein. Mit 15 forderte er die Vereinten Nationen in einer mitreißenden Rede vor deren Generalversammlung zum Handeln auf. Und zurzeit ist er damit beschäftigt, die USA zu verklagen: Sie sollen den Klimaschutz endlich in ihren Gesetzen festschreiben.

Dafür hat Xiuhtezcatl Martinez – der übrigens auch Direktor der weltweit aktiven Earth Guardians-Jugendorganisation, Klimaaktivist, Hip-Hop-Künstler, Autor und Initiator der Kampagne „We The Future“ ist – für all das also hat er in diesem Jahr den mit 10.000 Euro dotierten Senckenberg-Preis für Naturengagement erhalten. 

In Frankfurt treffen junge Klima-Aktivisten zusammen

Die Frankfurter Forscher nutzten am Wochenende die günstige Gelegenheit, den Mann aus Colorado mit weiteren engagierten jungen Leuten zusammenzubringen: mit Felix Finkbeiner, 21, Gründer der Organisation „Plant-for-the-Planet“, der ebenfalls schon in jungen Jahren (mit neun) anfing, global zu denken, und bis heute dazu beigetragen hat, 14 Milliarden Bäume zu pflanzen. Und mit den jungen Besuchern eines außergewöhnlichen Abends unter dem Motto „Youth Earth Talk – Let’s make a change and save the planet“.

Felix Finkbeiner, Gründer der Organisation „Plant-for-the-Planet" (Mitte), mit der argentinischen Biodiversitätsforscherin Sandra Diaz und dem US-Klima-Aktivisten Xiuhtezcatl Martinez.

„Gut, dass ihr da seid“, sagt Martinez zu den mehr als 150 Schülern und Studenten, von denen er die meisten schon bei der Frankfurter „Fridays for Future“-Demo getroffen hat: „Ich kann die Welt ja nicht allein retten.“ Die Besucher lachen. Sie hocken auf dem Boden und auf den Treppenaufgängen des ehrwürdigen Jügelhauses, einst Kern der Frankfurter Goethe-Uni, jetzt Sitz der Senckenberg-Naturforscher, die sich etwas vorgenommen haben: Künftig stärker als Plattform für das Zusammenwirken von Jugend und Wissenschaft zu dienen.

Neben Klima macht auch Plastikmüll Sorgen

Was sie besorgt, sollen einige der jungen Leute sagen. Die Mutigsten stehen auf und tragen etwas bei, auf Englisch. „Die Plastikinseln auf den Weltmeeren machen mir Sorgen“, sagt eine junge Frau. „Ich finde es traurig, dass Tiere darunter leiden müssen, wenn ich meine neue Hose in einer Plastiktüte nach Hause trage. Ich kann sie ebenso gut ohne Tüte mitnehmen.“ Es gibt donnernden Applaus. 

Auch für die nächste Mutige, die aufsteht und sagt, die Vereinzelung in der Gesellschaft mache ihr Angst. Sie sagt „Hi“, und praktisch alle 150 Leute so: „Hi.“ Welch ansteckende Kraft diese neue weltweite Jugendbewegung „Fridays for Future" fürs Klima hat – hier ist es im Kleinen zu spüren, und es geht mitten ins Herz. 

Senckenberg-Preisträger loben Klima-Bewegung „Fridays for Future“

„Wir müssen viel ändern“, sagt Xiuhtezcatl Martinez im Gespräch mit der FR. „Wenn etwas passiert, dann weil die Leute auf die Straße gehen und Einfluss auf die Entscheider ausüben.“ Er lobt die enorme Power der Freitagsdemonstrationen, die auch in Frankfurt viele auf die Straße bringt. „Die Jugend hat’s kapiert“, sagt er, „und alle gemeinsam müssen härter denn je arbeiten, um Mauern einzureißen.“ Entscheidend seien vor allem politische Wahlen: „Lasst uns die Leute wählen, die bereit sind, Prozesse ändern.“

Die andere Preisträgerin, die weltweit renommiere argentinische Biodiversitätsforscherin Sandra Diaz, 57, die den ebenfalls mit 10.000 Euro dotierten Senckenberg-Preis für Naturforschung erhält – sie sieht Martinez mit Begeisterung und Entschlossenheit beim Reden zu. Die beiden Aktivisten kannten einander bis dahin nicht persönlich – jetzt wollen sie über gemeinsame Ziele sprechen. „Wir müssen Druck erzeugen auf den sozialen Ebenen“, sagt Diaz, „und vor allem: Wir müssen weniger konsumieren.“

Das gilt übrigens auch für die Freitagsdemonstranten. Ein wenig belustigt erwähnt Xiuhtezcatl Martinez, dass manche von ihnen mit Colaflaschen aus Plastik zum Protest erschienen sind. Wer seinen Vornamen aussprechen will: Dschuhteskat. Ungefähr. Selbst Forscher scheitern daran.

Lesen Sie auch den FR-Leitartikel zu  Fridays for Future: Die Zukunfts-Profis

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