+
Protest unter Regenschirmen.

Fridays for Future

„Fridays for Future“: Der Repression trotzen – Aktivisten nähern sich der Antifa an

  • schließen

Die „Fridays for Future“-Aktivisten richten sich bei ihrer wöchentlichen Demonstration in Frankfurt gegen das Vorgehen der Frankfurter Polizei. 

Es gibt so Momente, da sind sich die Staatsmacht und ihre Kritiker einig. Am Kaisersack schimpft am Freitagmittag ein Polizist über den Dauerregen, durch den er gleich die ganze Zeit wird stapfen müssen. Und ein paar Momente später bedankt sich ein Aktivist der „Fridays for Future“ vom Lautsprecherwagen bei den rund 350 versammelten Menschen, dass sie „bei dem Scheißwetter“ gekommen seien.

Es ist keine gewöhnliche Demonstration der jungen Klimaaktivisten, die an diesem Freitag vom Hauptbahnhof aus durch die Innenstadt zieht. Und das nicht nur, weil es kalt ist und die ganze Zeit regnet und der Protestzug teilweise aussieht wie eine Kapuzen- und Regenschirmparade. Die Aktivistinnen und Aktivisten sind ungewöhnlich laut an diesem Freitag, und sie sind ungewöhnlich wütend. 

Weil ein 15-Jähriger Ende November nach den großen Klimaprotesten auf der Zeil von Polizisten kontrolliert und nach eigenen Aussagen massiv eingeschüchtert wurde, steht das Verhalten der Polizei thematisch im Mittelpunkt dieses Protestes. „Wir bleiben ungehorsam – Unsere Solidarität gegen ihre Repression“ steht trotzig auf dem silberfarbenen Transparent an der Spitze der Demonstration.

„Fridays for Future“: Laute Antifa-Parolen

„Repression ist keine Seltenheit“, ruft eine Rednerin gleich zu Beginn der Demonstration. Viele politische Bewegungen machten Erfahrungen mit Einschüchterungen und Machtmissbrauch durch die Polizei. Und gerade Gewalt durch Beamte, die politische Aktivisten häufig betreffe, lande selten vor Gericht und werde noch seltener wirklich bestraft, sagt sie. „Gegen die Ungerechtigkeit, gegen dieses Leid sind wir heute auf der Straße“, ruft die Rednerin. „Es kann nicht sein, dass Menschen Angst haben, zu unseren Demos zu kommen.“

Und als der Protestzug sich in Bewegung setzt, ist für einen Moment gar nicht ganz klar, ob das hier ein Aufzug der „Fridays for Future“ ist oder einer der autonomen Frankfurter Antifa. Da ist dieselbe jugendliche Energie wie jeden Freitag, da sind die gewohnten Parolen gegen Kohlebagger und für mehr erneuerbare Energien. Da ist die übliche Mischung aus jungen Schülerinnen mit kreativen Protestschildern und älteren Leuten, die den Klimaprotest unterstützen. Da sind aber auch Transparente mit Slogans wie „Knüppelbande“ oder „Niemand muss Bulle sein“. Und da sind laute Parolen wie „Ganz Frankfurt hasst die Polizei“ und „Von Hamburg bis nach Rojava – Klimaschutz heißt Antifa“. Junge Klimaschützer und einige Aktivisten der linksradikalen Szene skandieren gemeinsam mit großer Begeisterung „A, Anti, Anticapitalista“.

„Fridays for Future“: Die Polizei nimmt es an diesem Freitag betont gelassen

Die Polizei nimmt es an diesem Freitag betont gelassen. Die Beamten beschränken sich darauf, den Verkehr zu regeln, direkt an der Demonstration sind keine Polizisten zu sehen. Nur einmal kommt Unruhe auf, als vor dem ersten Polizeirevier Rauchtöpfe gezündet werden. Straftaten würden „durch uns dokumentiert und verfolgt“, twittern die Einsatzkräfte. Die Protestierenden rufen derweil mit offenbar unzerstörbarer Motivation ihre Parolen und trotzen bis zum Schluss dem nasskalten Wetter.

Von Hanning Voigts

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare