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„Unsere Zukunft steht nicht zum Verkauf“ - das machte „Fridays For Future“ am Freitag in Frankfurt deutlich. Peter Jülich
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„Unsere Zukunft steht nicht zum Verkauf“ - das machte „Fridays For Future“ am Freitag in Frankfurt deutlich. Peter Jülich

Klimastreik

Fridays for Future in Frankfurt: Protest zwischen Bankentürmen

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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„Friday’s for Future“ hat zum zentralen Klimastreik in Frankfurt aufgerufen. Tausende Aktivistinnen und Aktivisten protestierten lautstark gegen den Finanzsektor.

Frankfurt – Große silberne, mit Luft gefüllte Würfel wirbeln durch die Luft am Frankfurter Opernplatz, bunte Banner und Transparente werden hochgehalten, aus mehreren Lautsprechern dröhnt laute Musik, die Sonne knallt. Auf einem Plakat steht: „Weiter so war gestern schon falsch“ und eine Rednerin ruft: „Jemand hat mal gesagt, es ist leichter, sich das Ende der Welt, als sich das Ende des Kapitalismus vorzustellen.“

Es ist laut und bunt am Freitagnachmittag in der Frankfurter Innenstadt. Am Opernplatz und rundherum haben sich tausende, überwiegend junge Klimaaktivistinnen und -aktivisten versammelt, denn: Die „Fridays for Future“ sind zurück – und motiviert wie eh und je. Die Klimaschutzbewegung selbst spricht von bis zu 15 000 Teilnehmenden, die Polizei von 4500 in der Spitze.

Fridays for Future in Frankfurt: Tausende Aktivist:innen protestieren gegen Finanzsektor

Auf dem Opernplatz lauschen viele gespannt den Rednerinnen und Rednern auf der Bühne, andere haben es sich auf den Grünflächen in Richtung Taunusanlage bequem gemacht und einige informieren sich bei Initiativen wie Greenpeace, Attac oder Klimaentscheid Frankfurt, die sich am Streiktag beteiligen und Infostände aufgebaut haben. An einer Laterne hängt ein Zettel mit einem Foto der Erde, darauf steht: „Wäre das Klima eine Bank, hätte die Regierung es längst gerettet“.

Es ist der erste bundesweite Klimastreik seit knapp einem Jahr, den „Fridays for Future“ am Freitag in Frankfurt veranstaltet hat. Nachdem die Bewegung während der Pandemiezeit überwiegend online agiert hatte, sind nach langer Zeit wieder Klimaaktivistinnen und -aktivisten aus ganz Deutschland zusammen gekommen. Und weil der bundesweite Streik diesmal in Frankfurt stattfand, der Bankenmetropole des Landes, lag der Fokus auf dem fossilen Finanzsektor und dessen Rolle beim Klimawandel.

„Die Aktivistinnen und Aktivisten protestieren gegen den Finanzsektor, da dieser Investitionen und Kredite für fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas bereitstellt, die die Klimakrise befeuern“, stellen die „Fridays“ klar. „Der Finanzsektor in Frankfurt finanziert aktiv die Klimakrise und verkauft unsere Zukunft“, sagt Sprecherin Annika Rittmann. „Die Auswirkungen dessen sind gerade im globalen Süden schon jetzt katastrophal.“ Deshalb brauche es eine demokratische Kontrolle des Finanzsektors, die gewährleiste, „dass das Handeln der Banken nicht länger durch reines Profitinteresse gesteuert wird und keine menschenrechtsfeindlichen und klimazerstörende Unternehmen und Projekte weiter finanziert werden“.

Klimastreik von Fridays for Future: Sechs Sternmärsche zur Alten Oper in Frankfurt

Am Opernplatz findet am Nachmittag die zentrale Kundgebung statt, aber bereits davor sind die Aktivistinnen und Aktivisten unterwegs. In sechs Sternmärschen laufen sie zur Alten Oper, einer davon startet an der Europäischen Zentralbank (EZB) im Osten der Stadt.

Dort ertönt „Brecht die Macht der Banken und Konzerne“ über die Sonnemannstraße, jemand hält ein Transparent „Mir gehen die Sprüche aus – handelt endlich!“ in die Höhe. Unterstützt wird der Klimastreik von einem breiten Bündnis, darunter Greenpeace, Koalakollektiv und Attac, die sich ebenfalls vor der EZB versammelt haben. An ihrem Wagen hängt ein Transparent mit der Aufschrift „ECB – Stop firing up the Climate Crisis“ (dt.: EZB - Hört auf, die Klimakrise zu befeuern“).

„Nicht nur die EZB, sondern die gesamte Funktionsweise der Wirtschaft muss sich ändern“, fordert Mauricio Vargas von Greenpeace. „Und zwar schnell und dringend – die Klimakatastrophe ist allgegenwärtig.“ Didem Aydurmus vergleicht die aktuelle Situation mit einem Katastrophenfilm: „Die Realität gleicht einem Katastrophenfilm, wir sind in Minute 15 aber gehen unserem normalen Alltag nach“, sagt die Wissenschaftlerin, die ihren Doktor in Klimapolitik gemacht hat. „Es gibt dort keine Helden – die müssen wir sein.“ Die Menge jubelt und applaudiert.

Klimastreik Frankfurt: „Es gibt kein Recht auf Kohlebaggerfahren“

Am späteren Nachmittag zieht der große Demozug von der Alten Oper aus viel Aufmerksamkeit auf sich. Menschen bleiben stehen, zücken das Handy, um zu fotografieren oder zu filmen. „Leute lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein!“ lautet die Antwort der Demonstrierenden.

Ansonsten sind die üblichen Rufe zu hören wie „Es gibt kein Recht auf Kohlebaggerfahren“ oder „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“. Skandiert wird auch „Hoch mit dem Klimaschutz“ – woraufhin die Streikenden ihre Hände in die Luft reißen – „runter mit der Kohle“ – die Streikenden nehmen die Hände runter. Viele haben Fahrräder dabei und nutzen deren Klingel, um Lärm zu machen. Bankleute in Anzügen sieht man wenige am Freitagnachmittag, dafür einen Demoteilnehmer, der einen schwarzen Anzug mit einer weißen Phantommaske, auf der das Deutsche Bank-Logo zu sehen ist, trägt.

Bankleute waren kaum zu sehen, dafür diese verkleideten Demoteilnehmer. Peter Jülich

Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen, hatten die Aktivistinnen und Aktivisten schon im Vorhinein „Aktionen zivilen Ungehorsams“ angekündigt, mit denen sie den Ablauf im Bankenviertel stören wollen.

Fridays for Future in Frankfurt – gesamte Innenstadt dicht

Zwar ist die Frankfurter Innenstadt dank der sechs Sternmärsche zum Opernplatz und des anschließenden Demozugs durch die Bankentürme den ganzen Tag dicht. Aber die wirklich ungehorsamen Aktionen kommen erst ganz am Ende des Streiktages: Zum Ende der Demo erklimmen einige Aktivistinnen und Aktivisten ein Gerüst, befestigen ein Transparent mit der Aufschrift „Just block it“ (dt.: „Blockier es einfach“) und brennen grüne Nebelkerzen ab, außerdem gibt es Straßenblockaden. Aber laut Polizei bleibt alles friedlich, Festnahmen gibt es keine.

Mehr als 70 Ortsgruppen der „Fridays“ aus ganz Deutschland waren zum Protest nach Frankfurt gereist. Allein aus über 30 Städten haben die Frankfurter Aktivistinnen und Aktivisten Busreisen für die Anreise organisiert. Und für diejenigen, die eine Übernachtungsmöglichkeit benötigen, haben sie an der Weseler Werft ein „Klimacamp“ errichtet. Dort gibt es gratis W-LAN und Essen, das die Ada-Kantine, eine solidarische Küche auf dem alten Unicampus in Bockenheim, ausschenkt.

Im Klimacamp haben auch Nadine (24), Rosa (19), Sophie (25) und Juli (23) übernachtet. Die vier Freundinnen waren am Donnerstag aus Heidelberg angereist. Bevor sie sich auf den Weg zur Kundgebung an der EZB machen, machen sie noch ein paar Fotos. „Es ist ziemlich cool hier, man trifft andere Leute, die sich für die gleiche Sache engagieren, das motiviert einen voll“, sagt Nadine. „Das gibt so viel Kraft und Mut weiter zu machen. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, es verändert sich nichts.“

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