Im Juni protestierte die Bewegung am Frankfurter Flughafen.
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Im Juni protestierte die Bewegung am Frankfurter Flughafen.

Die FR spendet

„Fridays for Future“: Junge Menschen für Klimaschutz

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Die „Fridays for Future“ in Frankfurt haben längst auch andere kritische Themen für sich entdeckt und neue Unterstützung gewonnen. Sie bereichern so die Protestkultur in Frankfurt.

Nicht einmal eine globale Pandemie kann ihre Motivation schmälern. Mehr als 2000 junge Menschen gehen an einem Freitag Ende September in Frankfurt auf die Straße. „Make Love not CO2“ oder „Kein Grad weiter“ steht auf ihren Pappschildern, sie rufen Parolen wie „Change the System, not the Climate“. Zusammen mit „Migrantifa Hessen“ und dem „Frauen*Streik“ hat die Frankfurter Ortsgruppe der „Fridays for Future“ das erste Mal seit Beginn der Corona-Krise zu Protesten aufgerufen – Anlass ist der sechste globale Aktionstag der jungen Klimaschutzbewegung.

Drei Demos ziehen parallel durch die Frankfurter Innenstadt, neben Forderungen für mehr Klimaschutz gibt es reichlich Kritik an Rassismus, Sexismus und globalem Kapitalismus zu hören. Die jungen Leute wollen nämlich schon längst nicht mehr nur weniger Treibhausgase ausstoßen, sie wollen eine andere, eine gerechtere Gesellschaft. Im Kampf gegen den Klimawandel stellen die „Fridays for Future“ fast alles infrage, was in heutigen Industriegesellschaften als normal gilt.

Wie Sie helfen können

Die Ortsgruppe Frankfurt von „Fridays for Future“ gibt es seit Dezember 2018.

Die „Fridays“ sind eine überparteiliche Schülerbewegung, die eine klimagerechte Politik fordert.

Mehr Infos finden Sie im Web unter: www.fridaysforfutureffm.de

Mit einer Spende können Sie die Ziele der Gruppe unterstützen: Empfänger: Spenden&Aktionen IBAN: DE29 5139 0000 0092 8818 06 BIC: VBMHDE5F Verwendungszweck (bitte angeben): Fridays for Future Frankfurt

Absehbar war diese Entwicklung nicht unbedingt, als im Dezember 2018 erstmals Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Fridays for Future“ in Frankfurt demonstrierten. Die Botschaft der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg und ihres „Schulstreiks für das Klima“ schwappte gerade weltweit auf die Schulhöfe und in die sozialen Medien. Hunderte junge Menschen begannen, Woche für Woche freitags dem Unterricht fernzubleiben, um der Generation ihrer Eltern Druck beim Klimathema zu machen. Anfangs organisierten sie sich über Chatgruppen, bald über wöchentliche Treffen und zahlreiche Arbeitsgruppen. In demselben rasanten Tempo, in dem die Bewegung die Debatte um den Klimaschutz auch am Main auf die politische Agenda setzt, werden die jungen Aktivist:innen in Frankfurt professioneller, was ihre Demos, ihre Pressearbeit und ihre Forderungen angeht.

Schon bald ist die Gruppe in Frankfurt fest etabliert. Ihre wöchentlichen Protestzüge sorgen für Aufmerksamkeit und wilde Debatten über das Schulschwänzen, parallel mischen die „Fridays for Future“ den Umweltausschuss im Römer auf, demonstrieren vor der EZB und auf der Zeil, campen am Mainufer und vernetzen sich mit Umweltschutzorganisationen, Gewerkschaften und der Frankfurter linken Szene.

Im September vergangenen Jahres gelingt den jungen Menschen ihr bis dato größter Coup: Am globalen Aktionstag ihrer Bewegung bringen sie in Frankfurt 20 000 Menschen auf die Straße. Eine größere Demo hat die Stadt schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Die Frankfurter Rundschau bringt eine Sonderausgabe heraus – mitgestaltet von den „Fridays for Future“. Inhaltlich haben die Frankfurter „Fridays“ sich im Laufe der Zeit immer breiter und immer weiter links aufgestellt. Sie kritisieren mittlerweile nicht nur das Versagen der Politik beim Klimaschutz, sondern auch die kapitalistische Wirtschaftsweise, globale Ungerechtigkeiten, die Benachteiligung von Frauen und das Vorgehen der Polizei gegen ihre Proteste. Ihren Grundprinzipien sind sie dabei treu geblieben: Gewaltfreiheit, Bündnisfähigkeit und eine entwaffnende Offenheit und Freundlichkeit.

Die Corona-Pandemie hat ihrem voranstürmenden Enthusiasmus einen Dämpfer verpasst, sie aber nicht ausgebremst: Bereits im April waren sie wieder mit Kreidemalereien auf der Straße zu sehen, seit September veranstalten sie wieder größere Aktionen. Die „Fridays for Future“ haben die Frankfurter Protestkultur komplett neu belebt. Ihr Thema wird die nächsten Jahre ein Topthema bleiben. Wir werden noch von ihnen hören.

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