Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Konstantin und Rosa auf dem Campus Bockenheim.
+
Konstantin und Rosa auf dem Campus Bockenheim.

Porträt der Woche

„Fridays for Future“: Das System aus den Angeln heben

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
    schließen

Rosa und Konstantin engagieren sich seit 2019 bei den „Fridays for Future“ und planen derzeit auf Hochtouren den bundesweiten Klimastreik am 13. August in Frankfurt.

Besonders angespannt wirken Rosa und Konstantin nicht. Eigentlich könnte man eine gewisse Anspannung erwarten, denn schließlich sind es nur noch wenige Tage bis zum ersten bundesweiten Klimastreik in der Corona-Pandemie, den „Fridays for Future“ am 13. August in Frankfurt veranstalten will. „Zwei, drei Tage vor dem Streik kommen dann solche Gedanken“, sagt der 20-jährige Konstantin, der wie seine Mitstreiterin Rosa nur mit seinem Vornamen in der FR genannt werden will. Anstrengend sei es aber, sagt Rosa. „Es ist unsere erste bundesweite Demo und wir müssen so viel organisieren.“

Rosa und Konstantin sind seit 2019 bei der Bewegung „Fridays for Future“ aktiv. Ihre Freundinnen nahmen Rosa im März 2019 mit zu den wöchentlichen Streiks. Im Sommer dann wurde sie ein Teil der Frankfurter Ortsgruppe. Konstantin lernte einen Aktivisten in einem Café kennen, der ihn einlud, mal mit zu einer Demo zu kommen. Er las sich daraufhin immer mehr in die Thematik ein, dadurch veränderte sich Konstantins politische Sichtweise. „Meine Eltern sind bei der FDP aktiv. Daher wurde ich natürlich politisch von ihnen geprägt.“

Ob denn alles nach Plan laufe? „Nö“, antwortet Konstantin. Dann lachen die beiden. Sie sitzen am Campus Bockenheim lässig vor dem Philosophicum auf einer Bank. „Das erwartet auch niemand von uns. Wir kriegen das schon hin. Es ist ja nicht unsere erste Demo. Die größte Hürde ist eigentlich die ganze Organisation mit der Anreise“, sagt Konstantin.

„Fridays for Future“-Ortsgruppen aus über 70 Städten reisen nach Frankfurt

Bisher haben „Fridays for Future“-Ortsgruppen aus über 70 Städten und Gemeinden ihre Anreise zugesagt. Allein aus über 30 Städten organisieren die rund 20 Aktivistinnen und Aktivisten der Frankfurter Gruppe Busreisen. Da sind Rosa und Konstantin etwas erleichtert, dass die Sternmärsche, die in mehreren Stadtteilen losgehen und sich dann an der Alten Oper zur zentralen Kundgebung treffen, von lokalen Gruppen koordiniert werden. Denn ein breites Bündnis aus antirassistischen, antikapitalistischen und feministischen Gruppen beteiligt sich am bundesweiten Klimastreik.

Die Idee für den zentralen Streik hatte „Fridays for Future“ aus Frankfurt übrigens selbst. „Unser Thema ist ja der Finanzsektor. Hier sitzt die EZB, weitere wichtige Banken haben hier ihren Standort. Daher macht es Sinn, den Streik gegen das System, gegen ihre Investitionen am Tatort der Klimakrise zu machen“, erläutert Rosa. Das klingt ein wenig nach Blockupy. „Diesen Vergleich haben wir schon oft gehört“, sagt Konstantin. Die 17-jährige Rosa mit ihren rotgefärbten Haaren ergänzt: „Wir sind schon immer systemkritisch gewesen. Es geht den Banken doch nur um Profit. Sie investieren weiter in fossile Projekte, die nachweislich die Klimakrise vorantreiben. Sie zerstören für ihre Profite unseren Planeten. Ihr ganzes System basiert nur auf Ausbeutung.“

Besonders Aktivistinnen und Aktivisten aus Ländern, die sehr stark von der Klimakrise betroffen sind, berichteten den Frankfurter:innen von Projekten in ihren Heimatländern, die von Frankfurt aus finanziert wurden. „Die Leute, die wir kennen, die erleben die Katastrophen hautnah mit. Wir leben hier in Frankfurt und müssen in die Wunde hineingehen. Hier fährt zwar nicht der Kohlebagger, aber hier wird der Kohlebagger finanziert“, sagt Konstantin. Daher wollen sie am 13. August mit zivilem Ungehorsam die Banken blockieren. Doch wie sie dabei genau vorgehen werden, sagen sie nicht.

Unterstützung vom Senckenberg-Institut aus Frankfurt besonders wichtig

Besonders wichtig für „Fridays for Future“ ist zudem die Unterstützung vom Senckenberg-Institut. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler liefern jungen Aktivist:innen viele Hintergrundinformationen. Für Rosa und Konstantin ein absoluter Glücksfall. „Wir sind ihnen so dankbar. Ich meine, wir sind oft ziemlich chaotisch und wir sind jung, aber trotzdem nehmen sie uns einfach ernst“, sagt Rosa.

Auch durch das Senckenberg-Institut veränderte sich Konstantins Sichtweise auf den Klimawandel. So erzählte ihm eine Forscherin von der Entdeckung zahlreicher neuer Arten, die jedoch schnell wieder verschwinden. „Wir erleben derzeit ein Aussterben der Arten in einem Ausmaß, das einfach schockierend ist“, sagt er.

„Fridays for Future“ nehmen auch die Politik ins Visier

Mit dem bundesweiten Klimastreik will „Fridays for Future“ nicht nur die Banken für ihre Investitionen ins Visier nehmen, sondern wenige Wochen vor der Bundestagswahl auch Druck auf die Politik ausüben. Dabei spiele es übrigens keine Rolle, um welche Partei es sich handele. Auch wenn bundesweit einige Aktivist:innen von „Fridays for Future“ Mitglied bei den Grünen sind, so wie etwa deren bekanntestes Gesicht Luisa Neubauer.

Die Grünen seien doch auch nur ein Teil des Systems, sagt Rosa. „Wir wollen Druck auf alle Parteien ausüben.“ Man müsse sich ja nur einmal anschauen, was im Dannenröder Forst passiert sei, sagt Konstantin. Er wird jetzt emotionaler. „Die Aktivist:innen wurden von der Polizei kriminalisiert und verprügelt. Der Danni ist gefallen, obwohl es einen grünen Verkehrsminister gibt. Der hatte jedoch nicht den Mut, weder gegen die Polizeigewalt noch gegen die Zerstörung des Waldes vorzugehen.“ Seiner Meinung nach hätten die Grünen versagt. „Sie verbreiten nichts anderes als eine Wohlfühl-Ökologie. Sie vermitteln den Leuten bloß das Gefühl nach dem Motto: Hey, ich habe die Grünen gewählt und habe jetzt etwas gegen die Klimakrise getan. Die Grünen gehören zum Status quo, gegen den wir auf die Straße gehen.“

Die antikapitalistische Rhetorik kommt in Konstantins Elternhaus eher nicht gut an. Über Politik reden sie nicht mehr. Das sei auch besser so, sagt Konstantin. Rosa hingegen redet viel mit ihrer Mutter über Politik, diese war selbst als junge Frau politisch aktiv und stimmt ihrer Tochter in vielem zu. Doch in einem sind sich Rosas Mutter und Konstantins Eltern einig. Sie sind stolz auf ihre Kinder. „Als mir meine Eltern das sagten, hat mir das wirklich sehr viel bedeutet“, sagt Konstantin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare